In Roermond in den Niederlanden gibt es eine Schule, die sich entschieden hat, vieles anders zu machen. Betritt man das Gebäude merkt man sofort, dass dies keine normale Schule ist. Es gibt zwar auch hier Klassenzimmer, aber die sehen anders aus als in Deutschland. Große Gemeinschaftstische stehen da. Es gibt Sitzsäcke und große Kissen in den Räumen. Alles ist bunt dekoriert. Die Kinder haben sogar eine Kletterburg im Raum und viele Bücher.

Zusätzlich gibt es Stillarbeitsräume, eine Schulküche und einen Bereich, in dem die Kinder nahezu in eins-zu-eins-Betreuung mit einem Lehrer arbeiten können. Jedes Kind hat ein eigenes Tablet, in jedem Klassenraum steht ein Smartboard. Beides wird regelmäßig im Unterricht eingesetzt.

In Deutschland gibt es bisher keine vergleichbaren Schulen. Wir tun uns schwerer mit dem digitalen Wandel. Aber auch hierzulande machen sich ein paar Schulen auf den Weg. 2016 etwa gewann die Grundschule auf dem Süsteresch im niedersächsischen Schüttorf den Deutschen Schulpreis für ihr innovatives Schulkonzept, das ebenfalls digitale Medien als Unterstützung für den Unterricht nutzt und auf Freiräume und selbstbestimmtes Lernen setzt.

Beide Schulen haben eins gemeinsam. Sie haben sich die Frage gestellt, wie individuelle Förderung, inklusives Lernen und Ganztag gelingen können und ihre eigene Antwort darauf gefunden: mit Hilfe digitaler Unterstützung. Dabei hat die Schule nicht einfach digitale Geräte angeschafft. Sie hat das Schulkonzept hinterfragt: Was können wir tun um jedem Kind gute Bildung zu ermöglichen? Ganz nach dem Motto der Schule „Alle Kinder sind speziell“.

Digitale Geräte helfen hier nicht nur im Unterricht, sondern vor allem bei der Organisation des Schulalltags. Der Stundenplan wird für die Kinder individuell zusammengestellt. Das ermöglicht der Einsatz digitaler Geräte einerseits und das Neudenken des Schulalltags andererseits. Die starre Struktur von 45-minütigen Schulstunden wurde zu Gunsten eines Konzepts aus klassischem Schulunterricht, Selbstlernphasen und Workshops aufgebrochen und neu gedacht.

Dieses Beispiel macht deutlich, dass die Digitalisierung hilft zwei scheinbar unvereinbare Aspekte zu versöhnen: individuell zugeschnittenes Lernmaterial und gleichzeitig die raum- und zeitunabhängige Verfügbarkeit des Materials für viele Lerner. Damit hat eines der fundamentalsten Prinzipien rund um das Lernen ausgedient: für alle dieselbe Übung zur selben Zeit am selben Ort.