Wo und was haben Sie studiert?

Volks- und Betriebswirtschaftslehre in Bayreuth, dort auch Promotion und Habilitation.

Bitte erzählen Sie uns mehr über Ihre Studienzeit – wie war das damals?

An meine Studienzeit erinnere ich mich in zwei Teilen. Im Grundstudium hatten wir ein sehr straffes, man könnte auch sagen, verschultes Programm zu absolvieren, was einen guten Einstieg in die Thematik, von der ich aus meiner Schulzeit keinerlei Vorkenntnisse hatte, ermöglicht hat. Im Hauptstudium habe ich ein sehr offenes, freies Studium genießen können mit vielen Wahlmöglichkeiten und vielen individuellen Gestaltungsoptionen. Auslandssemester waren damals eher die Ausnahme.

Ich selbst habe während der Studienzeit jede Menge Praxiserfahrung gesammelt. Im Nachhinein erscheint mir am wertvollsten, dass die Universität uns gelehrt hat, strukturell zu denken und Problemen auf den Grund zu gehen. Faktenwissen war zwar wichtig, der Weg der Aneignung war jedoch eher frei.

Das war gut für „independent learner“ und Menschen wie mich, die viele Interessen in und außerhalb der Universität verfolgten, aber problematisch für Menschen, die eher fest gefügte Strukturen brauchen.

Wie haben sich die Anforderungen an Lehrbeauftragte verändert seitdem?

Ich habe in einer Kultur gelernt, in der es eine klare Zweiteilung von Lehrveranstaltungen gab. Frontalunterricht einerseits, wo in 90-minütigen Vorlesungen Wissen frontal vermittelt wurde. Andererseits Seminare, wo wissenschaftliches Arbeiten mehr oder weniger autodidaktisch gelernt wurde, wo aber Selbstständigkeit und Strukturiertheit trainiert werden konnten. Heute haben wir eine vielfältigere Lernlandschaft, die andere Anforderungen an die Lehrenden stellt.

Es wird vermehrt Medienkompetenz verlangt. Präsentationen oder Lernvideos als integraler Bestandteil von Lehrveranstaltungen sollten Standard sein. Auch üben das Internet und die dort verfügbaren Lehrmaterialien Druck auf die Qualität der Lehre aus, sind doch Benchmarks verfügbar, die den Studierenden oft frei zugänglich sind. Wir haben insofern heute eine wettbewerblichere und eine kooperativere Lernkultur als vor 30 Jahren.

Aus Ihrer Sicht: Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Hochschullandschaft von damals bis heute?

Anfang der 80er-Jahre gab es eine klarere Trennung zwischen akademischer und nicht akademischer Ausbildung. Kompetenzen, die man sich außerhalb der Hochschule angeeignet hatte, zählten an der Uni nicht mehr. Ich erinnere mich an einen Kommilitonen, der vor seinem Studium eine kaufmännische Ausbildung gemacht und als Buchhalter gearbeitet hatte, im ersten Semester aber einen Schein „Grundlagen der Buchführung“ machen musste. Das wäre heute undenkbar.

Zum Zweiten war das Diktum, dass Fachhochschulen zwar andersartig, aber gleichwertig zu den Universitäten seien, noch nicht in Kraft. Die Universitäten lebten in einem klaren Gefühl der Überlegenheit. Hier hat die Bologna-Reform das ihre beigetragen, um hier eine bessere Durchlässigkeit zu ermöglichen. Und zum Dritten waren private Hochschulen Anfang der 80er-Jahre Exoten, Einzelfälle, die zwar schon damals Innovationstreiber waren, quantitativ aber keine Rolle spielten.

Wie entwickelt sich die Bildungslandschaft in Deutschland aus Ihrer Sicht in der Breite und Qualität der Studienangebote weiter? Auch hinsichtlich der Entwicklung der Angebote von öffentlichen und privaten Hochschulen im Vergleich.

Die Bildungslandschaft in Deutschland ist durch die Entwicklung der letzten 15 Jahre vielfältiger, aber auch unübersichtlicher geworden. Auch beobachten wir eine Schwerpunktverlagerung im vermittelten Kompetenzportfolio. Ich kann den geistes- und kulturwissenschaftlichen Bereich nur eingeschränkt beurteilen. Bei Wirtschaftswissenschaften, in gesundheits- und pädagogisch orientierten Programmen, in den Ingenieurwissenschaften und in anderen eher berufsnahen Bereichen spielen Praxisorientierung und Internationalisierung eine immer größere Rolle.

Das wird weitergehen, weil die Qualifizierung in ein Berufsfeld hinein als immer wichtigerer Aspekt eines akademischen Studiums empfunden wird. Hier spielen private Hochschulen eine wichtige Rolle. Mit acht Prozent der Studierenden und 25 Prozent der Hochschulen hat sich dieser Sektor in den letzten beiden Jahrzehnten prächtig entwickelt.

Dennoch versteht sich der private Sektor nach wie vor als Nischenangebot, das Lücken, die sich im staatlichen Angebot auftun, füllt und Angebote in neuen Feldern findet. Darüber hinaus sind private Hochschulen auch Qualitätsführer, was Didaktik und Individualisierung von Lernen angeht.

Nicht zuletzt dieser Faktor, der sich in einer intensiveren Betreuung des einzelnen Studierenden niederschlägt, führt dazu, dass Studierende aus allen sozialen Schichten privat studieren und den privaten Hochschulen in 2015 eine Rekord-Studierendenzahl beschert haben. Innovationen in elektronisches Lernen, neue Lernformen und enge Kooperation mit Unternehmen sollten Garant dafür sein, dass die privaten Hochschulen auch in der Zukunft Innovationstreiber bleiben werden.