Sie beeinflusst, wie wir heute einkaufen, wie wir Musik hören und nicht zuletzt auch, wie wir miteinander kommunizieren. 

Erstaunlicherweise ist der Bereich des Lernens von diesen Veränderungen bisher kaum erfasst worden. Zwar hört man immer wieder von Klassenräumen voller Tablets, computerbasierten adaptiven Lernsystemen oder digitalen Universitäten. Das Bildungssystem und seine Institutionen haben aber naturgemäß nicht die Innovationskraft, das Lernen substanziell zu verändern. Die Veränderung vollzieht sich an anderen Schauplätzen.

Wie die meisten gesellschaftlichen Umbrüche wird auch die digitale Revolution nicht von den Institutionen getragen, sondern kommt von unten. Die Treiber sind meist junge Start-ups aus der Digitalbranche. Beispiele für diese jungen Wilden sind die Mathematik-Lern-App Bettermarks, die App Blinklist, die das Wichtigste aus einzelnen Sachbüchern kurz aufbereitet zur schnellen Lektüre zur Verfügung stellt, und die Sprachlern-App Babbel.

Diese Apps verfolgen das Ziel, das Lernen für jeden einfach zugänglich zu machen. So gibt es Sprachlern-Apps, die das Lernen von bis zu 14 Sprachen zu Hause am Computer oder auch mobil auf dem Smartphone oder Tablet ermöglichen. Und das zu einem Preis, der häufig unter denen traditioneller Anbieter liegt.

Entsprechend dreht sich bei Sprachlern-Apps alles um die Bedürfnisse und Anforderungen der Nutzer. Teams aus Didaktikern, Sprachlehrern und natürlich auch Programmierern untersuchen stetig, wie die Kunden Sprachen lernen und langfristig motiviert bleiben. Unternehmen setzen auf eine Verknüpfung bewährter Lernmethodik und heutiger datengetriebener Technologie.

„Sprachenlernen muss Spaß machen. Das ist das Wichtigste“, erklärt Sprachlern-App-Experte Markus Witte. „Es ist weder zeitgemäß noch effizient, den Lerner stundenlang an den PC oder schlimmer noch an Audio-CDs zu binden. Das hält niemand durch. Fünf Minuten hier oder zehn Minuten dort müssen reichen. Und das tun sie auch, egal ob das Lernen nun auf dem Weg zur Arbeit oder auf der heimischen Couch stattfindet.“ Der durchschnittliche Nutzer bleibt mehr als zwölf Monate. Eine große Zahl, in der nach wie vor schnelllebigen digitalen Welt.

Die wachsende Zahl selbstbestimmter Lerner ist der Treiber der wirklichen Lernrevolution. Und sie ist nicht so homogen, wie man sich das zunächst vorstellt. Ob der Kaufmann, der nach einem Ausflug in die Toskana sein Italienisch aufbessert, oder die schwäbische Rentnerin, die schon immer Niederländisch lernen wollte, sie alle haben eines gemeinsam: Sie lernen nicht für den Beruf oder die Ausbildung, sondern in erster Linie für sich.

War selbstbestimmtes Lernen in der Vergangenheit ein Privileg weniger, scheint es jetzt jedoch den Zeitgeist zu treffen. Eine Umkehrung der Verhältnisse – viva la Revolución!