Wie kamen Sie zum Filmemachen?

Ich bin absoluter Autodidakt. Während meiner praktischen Arbeit als Diplom-Sozialpädagoge hatten Jugendliche während einer Freizeit gefilmt und wollten das Ergebnis am Elternabend zeigen. Drei Stunden waren jedoch viel zu lang, und so habe ich mich hingesetzt und meinen ersten Film geschnitten. Danach hatte es mich gepackt! Weitere kleine Filme folgten, bei denen ich immer mehr dazugelernt habe, und bald wusste ich: Das ist meine Berufung! Und wenn man etwas mit großer Begeisterung macht, dann lernt man auch sehr schnell.

Wie kriegt man beim Drehen mit Kindern überhaupt das in den Kasten, was man für den Film braucht?

Kinder zu filmen, ist für einen Kameramann die schwierigste Aufgabe, denn er kann nichts inszenieren oder stellen – aber das wollen wir ja auch nicht –, sondern er muss die Kamera laufen lassen und abwarten, bis ihm die Kinder die Szenen anbieten, die wir uns gemäß Drehbuch erhoffen. Das erfordert viel Geduld, Antizipation und noch mehr Empathie. Ich glaube, das ist es aber auch, was mein Team auszeichnet.

Viele Menschen bestätigen uns das immer wieder: „Eure Filme sind so einfühlsam gedreht.“ Ich denke, das liegt daran, dass wir nicht einfach die Kamera anschalten und losdrehen, sondern erst ein Warm-up mit den Kindern machen. Danach reagieren die Kinder meist gar nicht darauf, dass sie gefilmt werden, und wir bekommen schöne Szenen in den Kasten.

Welche Veränderungen nehmen Sie in der Frühpädagogik wahr, seit Sie Filme machen?

Die größte Veränderung war meines Erachtens der Paradigmenwechsel beim Bildungsverständnis. Das Bild vom Kind hat sich geändert. Es wird wieder als selbsttätiges, motiviertes Individuum gesehen. Die Idee vom selbsttätigen Kind gab es zwar schon bei Montessori, Fröbel, Pikler und anderen, sie wurde aber unter anderem durch die industrielle Revolution und die nationalsozialistischen Einflüsse verschüttet. Dass wir zu diesem Bild vom Kind zurückgekehrt sind, ist eine äußerst positive Veränderung.