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Sie sprechen selbst sechs Sprachen. Welche Sprache haben Sie als erste gelernt, und wie ist es dazu gekommen?

Meine erste Fremdsprache war Englisch in der Schule. Ein paar Jahre später kam Französisch dazu. Aber damals hatte ich weder eine Neigung zu Fremdsprachen, noch gelang es mir, die Sprachen erfolgreich zu beherrschen.

Ich wusste aber, dass Englisch für mich unumgänglich im Beruf werden würde, und entschloss mich deshalb in der elften Klasse, für ein Jahr nach Australien zu gehen. Als ich zurückkam, konnte ich Englisch fließend sprechen. Von da an habe ich verstanden, wie man eine Fremdsprache richtig lernt. Diese Erkenntnisse habe ich dann verwendet, um alle meine weiteren Sprachen zu lernen.

Welche Methoden haben bei Ihnen am besten geholfen, um eine neue Sprache zu erlernen?

Die beste Methode, eine Fremdsprache zu lernen, ist die Anwendung. Wenn man eine Sprache nicht anwendet, kann man sie auch nicht lernen. Das bedeutet, man muss sie sprechen, hören, lesen und schreiben. Nur so kann man sie meistern.

Man kann das ein bisschen mit dem Fußball vergleichen. Würde man Fußball spielen im Technikkurs lernen, bei dem die besten Techniken demonstriert werden, oder doch eher beim Spielen auf dem Fußballfeld? Sie müssen regelmäßig Fußball spielen, um besser zu werden. Genauso läuft es beim Sprachenlernen ab. Wende die Sprache an, ansonsten kannst du sie gar nicht lernen.

Am liebsten wende ich meine Fremdsprachen durch Tandemgespräche an. Dabei suche ich mir einen Muttersprachler meiner Fremdsprache, der Deutsch lernen will. Zum Beispiel habe ich, als ich Spanisch gelernt habe, regelmäßig mit Spaniern gesprochen. Die Hälfte der Zeit des Gespräches haben wir Spanisch gesprochen, die andere Hälfte Deutsch. So hatte jeder was davon und meine Sprachkenntnisse haben sich schnell verbessert.

Wie wichtig sind längere Aufenthalte im Ausland für das Erlernen einer Sprache?

Ein längerer Auslandsaufenthalt ist meiner Meinung nach eine der besten Methoden, um schnell die Landessprache zu lernen. Das funktioniert aber nur, wenn man sich in das Alltagsleben integriert und regelmäßig Kontakt mit Einheimischen hat. Ansonsten kann es vorkommen, dass man auch nach Jahren die Sprache immer noch nicht beherrscht.

Nicht jeder kann sich aber so einen Auslandsaufenthalt erlauben. Das ist aber auch gar nicht notwendig. In diesem Fall holt man sich einfach das Ausland zu sich nach Hause. Das geht, indem man sich mit der Sprache möglichst täglich umgibt und so viel Kontakt mit ihr hat wie möglich. Das nennt sich dann „Immersion“.

Nehmen wir an, Sie lernen Spanisch. Sie würden dann nur noch spanische Musik hören, spanisches Fernsehen, Filme und Serien schauen und spanische Zeitungen und Bücher lesen. Wenn Sie erst Anfänger sind, schauen Sie mit Untertiteln und lesen Kinderbücher. Das machen Sie täglich. Das muss nicht viel Zeit kosten. Sie ersetzen einfach alle diese Tätigkeiten, die Sie auf Deutsch machen, durch Spanisch.

Dazu gehen Sie öfter in spanische Restaurants und unterhalten sich mit den Kellnern. Und sei es nur für die Bestellung. Sie gehen auf Treffen von spanischen Muttersprachlern, führen Tandemgespräche mit Spaniern und gehen auf spanische Veranstaltungen. So schaffen Sie es, Ihren Alltag weitestgehend auf Spanisch umzuschalten, ohne dass Sie dafür das Land verlassen müssen.

Haben Sie spezielle Tricks oder Tipps, die man im Besonderen anwenden kann?

Ich kann ganz besonders Tandemgespräche empfehlen. Diese sind meiner Meinung nach die schnellste Abkürzung, um eine Fremdsprache zu lernen. Wenn Sie drei Tandemgespräche pro Woche führen, in denen Sie mindestens 30 Minuten die Fremdsprache sprechen, werden Sie in kürzester Zeit Ergebnisse sehen.

Wirklich! Probieren Sie es mal eine Woche lang aus. Sie werden verwundert sein, wie schnell Sie die Sprache lernen und wie schnell Sie sich verbessern. Da kommt der beste Sprachkurs nicht ran.

Das kombinieren Sie damit, relevante Vokabeln zu lernen. Was sind relevante Vokabeln? Das sind die Vokabeln, die Ihnen im Gespräch mit Ihrem Tandempartner fehlen und die Sie nicht verstehen. So bauen Sie Ihre Sprachkenntnisse auf wie ein Puzzle, Stück für Stück.

Sie lernen nämlich das, was wirklich wichtig ist. Ich lerne Vokabeln immer in der Bahn, beim Training oder sonst irgendwo zwischendurch. So brauche ich keine Minute zusätzlich darauf zu verwenden und lerne die Fremdsprache zeitsparend, aber trotzdem schnell.

Was bedeutet es für Sie persönlich, so viele Sprachen zu beherrschen?

Es eröffnet sich für mich eine komplett neue Welt. Vor allem beim Reisen macht es unglaublich viel Spaß, wenn ich mich mit den Einheimischen in deren Muttersprache unterhalten kann. Man lernt die Leute und das Land ganz anders kennen, als wenn man nur auf Deutsch beziehungsweise Englisch seine Reise durchführt.

Aber auch wenn ich im täglichen Leben auf Muttersprachler treffe, ist das ein wirklich tolles Gefühl, mich mit ihnen in ihrer Muttersprache zu unterhalten. Sie werden mit ganz anderen Augen gesehen und es macht wirklich Spaß.

Ergeben sich dadurch auch möglicherweise berufliche Vorteile?

Das kommt ganz auf den Beruf an. Vor allem im großen Konzern ergeben sich viele Vorteile. Als Selbstständiger im digitalen Werbegeschäft hatte es für mich bisher aber noch keine größeren Vorteile. Das gilt aber mit Ausnahme von Englisch.

Mit Englisch komme ich täglich in Kontakt, und ohne Englisch könnte ich meinen Beruf in der Form kaum durchführen. So ist das aber in vielen Berufen mittlerweile. Ohne Englisch kommt man nicht mehr weiter und es wird kaum noch als zusätzliche Fremdsprache, sondern als notwendige Qualifikation gesehen.

Welche Sprachen möchten Sie unbedingt noch lernen und warum?

Bei mir stehen noch Chinesisch, Arabisch und Portugiesisch auf der Liste. Ich lerne immer gerne die Sprachen, zu denen ich einen Bezug habe und die ich wirklich anwenden kann. Ich habe viel mit Muttersprachlern der drei genannten Sprachen zu tun und fände es schön, wenn ich mich mit ihnen unterhalten könnte und auch verstehen könnte, wenn sie sich untereinander unterhalten.

Wenn man eine Fremdsprache lernt, zu der man keinen Bezug hat und die man auch kaum anwenden kann, ist das eigentlich Zeitverschwendung. Man wendet sie dann nicht an und vergisst sie quasi genauso schnell, wie man sie gelernt hat.