Alleine in Afrika haben 53 Millionen Mädchen keinen Zugang zu Bildung – das sind fünf Millionen mehr als Jungen. Selbst wenn Mädchen die Grundschule abschließen, können viele oft aufgrund von finanziellen und anderen Hürden keine weiterführende Schule besuchen, geschweige denn einen Schulabschluss erwerben. Die Folgen: Sie stecken sich deutlich häufiger mit vermeidbaren Krankheiten wie HIV an, bekommen früher und oftmals mehr Kinder, werden häufig bereits als Kinder verheiratet und sterben jünger.

Dabei haben Mädchen und Frauen das größte Potential, extreme Armut zu beenden. Erhalten sie Zugang zu Bildung, steigen ihre Chancen auf eine Anstellung und eine bessere Bezahlung. Jedes weitere Jahr in der Schule erhöht ihr späteres Einkommen um durchschnittlich 12 Prozent. Bei gleichem Bildungszugang für alle hätten Entwicklungsländer jedes Jahr mindestens 112 Milliarden US-Dollar mehr in den Staatskassen – Geld, das diese wiederum in Schulen, Universitäten und Lehrer*innen investieren können.

Bildung ist zentral für die deutsche Entwicklungspolitik. So sagt es Entwicklungsminister Gerd Müller. Betrachtet man seinen Haushalt, fällt allerdings auf: Deutschlands Aufwendungen für Grund- und Sekundarbildung in der Welt sind äußerst gering. Bei der Finanzierungskonferenz der Globalen Bildungspartnerschaft (GPE) in Dakar (Senegal) Anfang Februar dieses Jahres verpasste es die Bundesregierung, dies zu ändern. Die GPE ist ein Bildungsfonds mit dem Ziel, die Bildungssysteme in Entwicklungsländern zu stärken und so vor allem die Kinder zu erreichen, die am stärksten von Armut betroffen sind.

Während Länder wie Frankreich oder das Vereinigte Königreich ihre globale Verantwortung mit entsprechenden Zusagen wahrgenommen haben, lag Deutschlands Beitrag meilenweit hinter den Erwartungen zurück. Jetzt wird sich bei den anstehenden Haushaltsverhandlungen zeigen, ob Deutschland nachlegt und ob Minister Müller seinen eigenen Worten Taten folgen lässt.

Warum Armut sexistisch ist

  • Über 130 Millionen Mädchen haben keinen Zugang zu Bildung.
  • Je ärmer ein Land ist, desto eher wird Mädchen der Bildungszugang verwehrt als Jungen. Alleine in Afrika gehen 53 Millionen Mädchen nicht zur Schule – verglichen
  • mit 48 Millionen Jungen.
  • Bei Mädchen, die keine Schule besuchen, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie als Kinder verheiratet werden, sich mit Krankheiten wie HIV anstecken und jünger sterben.
  • Derzeit gibt es rund 700 Millionen Frauen, die als Kinder verheiratet wurden. Jeden Tag kommen 39.000 dazu.
  • Einem Mädchen in den ärmsten Ländern der Welt einen Schultag zu ermöglichen, kostet 1,17 US-Dollar am Tag.