Nein! Es stimmt, dass Englisch als Wissenschaftssprache heute dominiert und weltweit als Mittel oder Hilfsmittel zur Verständigung in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur fungiert. Man geht davon aus, dass für etwa 400 Millionen Menschen Englisch Muttersprache ist. Fast 1,5 Milliarden Menschen benutzen Englisch zur Kommunikation in fast allen Lebensbereichen. Doch die 5,5 Milliarden anderen Menschen?

Eine Milliarde Menschen sprechen ein chinesisches Idiom als Muttersprache, 400 bis 500 Millionen Hindi, Spanisch ist als Muttersprache nahezu so weit verbreitet wie Englisch, hinzukommen Weltsprachen wie Französisch, Arabisch, Russisch. Da nimmt sich die Zahl von mehr als 100 Millionen Deutschsprechern beinahe bescheiden aus.

Ja! Viele Situationen können mit der Lingua franca Englisch gemeistert werden. Wir alle wollen und müssen miteinander kommunizieren. Globalität ist heute keine Forderung mehr, sie ist Realität! Menschen und Nationen wollen aber nicht „nur“ ihre Tagesabläufe miteinander regeln. Sie wollen wahrgenommen werden als Individuen und als Angehörige unterschiedlicher Ethnien.

Sie sind zu Recht stolz auf ihre Kultur und ihre Sprache. Sie begegnen jedem, der sich um ihre Sprache bemüht, bereitwilliger und nachhaltiger als einem, der das nicht tut. Erwarten nicht auch wir von jenen, die nach Deutschland kommen, dass sie zumindest ein wenig Deutsch lernen? Seien die Kenntnisse in der fremden Sprache zu Anfang auch gering, die Erfahrung vieler stimmt: Sprachen öffnen Türen und Herzen.

Gute Nachbarschaft setzt voraus, dass man einander die Tür öffnet und aufeinander zugeht. Ein deutscher Schriftsteller hat einmal geschrieben: „Wer eine Fremdsprache lernt, zieht den Hut vor einer anderen Nation.“ Verständigung miteinander ist eine Voraussetzung für gegenseitiges Verstehen, für Akzeptanz und Toleranz.

Deutschland hat neun Nachbarstaaten zu Lande, zählt man die zu Wasser hinzu, kommen noch mindestens drei hinzu. Bei anderen Staaten ist es ebenso. Es ist darum nachvollziehbar, dass deutsche und europäische Politiker fordern, neben Englisch auch mindestens eine der Nachbarsprachen zu lernen.

Fremdsprachenlehrer sowie Verbände wie der Gesamtverband Moderne Fremdsprachen ebnen den Weg zu dieser Art von Mehrsprachigkeit. In Schulen, Hoch- und Volkshochschulen werden darum neben Englisch auch Französisch, Polnisch, Niederländisch, Tschechisch und andere Sprachen unserer Nachbarn angeboten – und von vielen angenommen!

Was bringt mir meine Mehrsprachigkeit?

Touristen können bestätigen, dass ihr Urlaub schon mit geringer Kenntnis der Landessprache viel angenehmer und aufschlussreicher ist. Die Sprache eines Landes lernen bedeutet, auch dessen Kultur und Geschichte kennenzulernen.Dies hilft, Konflikte schneller zu erkennen und Lösungen zu finden.

Geschäftsleute wissen: Je besser sie sich in Kultur, Sprache und Verhaltensweisen ihrer Geschäftspartner auskennen, desto vorteilhafter wird der Vertrag – für beide Seiten! 140.000 deutsche Firmen haben Auslandsbeziehungen in alle Welt. Ein Fünftel aller Stellenangebote verlangt den Nachweis von Fremdsprachenzertifikaten. In großen Firmen sind für eine gute Karriere zwei oder besser drei Fremdsprachen ein Muss.

Jede dritte Firma in Deutschland stellt Führungskräfte nur ein, wenn sie mindestens zwei Fremdsprachen beherrschen: Englisch – und die andere je nach den Export-Import-Beziehungen. Französisch und Spanisch machen sich die nachfolgenden Bedarfsränge streitig. Trotz der derzeitig schwierigen Situation ist auch Russisch angesichts des erheblichen Wirtschaftsaufkommens zwischen beiden Ländern gefragt. Für Chinesisch rechnen Experten in den kommenden Jahren mit einem wachsenden Bedarf.

Es lohnt sich, fremde Sprachen zu lernen, und es ist von Vorteil, bei der Stellenbewerbung die Kenntnis mehrerer Fremdsprachen vorweisen zu können.