Von Dozenten in der Erwachsenenbildung wird diese Frage in der Regel mit einem klaren „Ja“ beantwortet, allein schon deshalb, weil Fähigkeiten, die nicht regelmäßig genutzt werden, oft verloren gehen. Lernen muss genau wie die körperliche Fitness trainiert werden. Eine wichtige Voraussetzung für das Lernen stellt die geistige Kompetenz dar. Dabei werden die Lesekompetenz, alltagsmathematische Fähigkeiten und das Problemlösen mit neuer Technik unterschieden.

Diese drei Kompetenzen sind in einem Projekt des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE) zu den Kompetenzen im hohen Alter untersucht worden – auf gleiche Weise wie in einer internationalen Studie der OECD zu den Alltagsfertigkeiten Erwachsener.

In dem Projekt des DIE stellte sich heraus, dass diese drei grundlegenden Kompetenzen auch im Alter von hoher Bedeutung sind. Allerdings zeigte die Messung der Kompetenzen, dass Menschen im Alter von 66 bis 80 Jahren geringere Kompetenzwerte erreichen als jüngere. Genauere Analysen ergaben, dass die Ursache dafür nicht das Lebensalter, sondern der erreichte Bildungsabschluss in früheren Jahren ist: Wer in seiner Jugend eine gute Bildung genossen hat, profitiert davon auch noch im Alter.

Allerdings sind die Schul- und Berufsausbildungen der untersuchten Altersgruppe durch die Kriegs- und Nachkriegszeiten nicht wirklich mit den heutigen Ausbildungen vergleichbar; das kann eine Erklärung für die Kompetenzunterschiede sein. Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung war die Feststellung, dass höhere Kompetenzen mit sozialen Aktivitäten zusammenhängen: Lernen und arbeiten in Gruppen regt die Fähigkeiten im Alter an. Das konnte bei Personen, die sich im Ehrenamt engagieren, gezeigt werden. In Deutschland ist dies eine große Gruppe:

Rund 30 Prozent der Personen zwischen 66 und 80 Jahren geben an, ehrenamtlich aktiv zu sein, Männer etwas häufiger als Frauen. Dieser Unterschied könnte darauf zurückgeführt werden, dass Frauen sich häufiger in sozialen Bereichen engagieren, wie beispielsweise in der Pflege von Angehörigen, dies jedoch selbst nicht unter dem Begriff Ehrenamt einordnen. Schaut man sich das Engagement im Altersverlauf noch genauer an, zeigt sich, dass 37 Prozent der 66- bis 70-Jährigen und immerhin noch 19 Prozent der 76- bis 80-Jährigen in einem Ehrenamt arbeiten.

Die geringere Beteiligung bei den 76- bis 80-Jährigen liegt wahrscheinlich an den größeren gesundheitlichen Einschränkungen im hohen Alter und einer geringeren Mobilität. Auch im Hinblick auf das ehrenamtliche Engagement zeigt sich: je höher die Qualifikation, desto stärker das Engagement. Dadurch erklärt sich auch, dass Ehrenamtler besser lesen und mathematische Probleme lösen können als Personen, die nicht ehrenamtlich aktiv sind.

Und sie weisen weitere Fähigkeiten auf: Organisationsfähigkeit, Einfühlungsvermögen im Umgang mit anderen und ein reiches Erfahrungswissen aus ihrem Leben und (früheren) Beruf. Ehrenamtliche brauchen für ihre Tätigkeit jedoch auch Unterstützung und konkrete Bildungs- und Beratungsangebote, die beispielsweise schon bei der Suche nach einem Engagement helfen können.

Durch Lernen und Weiterbilden können sich Menschen auf neue Aufgaben vorbereiten und bestehende Fähigkeiten erhalten. Bildungsangebote sind dabei eine entscheidende Motivation und eine Anerkennung für die geleistete Arbeit. Zum Glück zeigt die Wissenschaft, dass der Mensch so ausgestattet ist, dass die Lernfähigkeit im Alter sich zwar verändert, aber nicht verloren geht.