Wir wissen heute, dass sich nur ein kleiner Teil aller Lernaktivitäten in Schulungen, Seminaren oder Online-Kursen abspielt. Die meisten Lernprozesse des Berufslebens – Experten sprechen von 80 Prozent! – finden informell statt. Das heißt, wir lernen manchmal bewusst, meist jedoch eher beiläufig: sei es beim Austausch mit Kollegen, Vorgesetzten, Projektpartnern oder sonstigen Kontakten des persönlichen Netzwerks. So weit, so bekannt. Wo also ist hier die Lernrevolution?

Sie findet wie fast alle Revolutionen schleichend statt. Treiber sind die Lerntechnologien und die Lerner selbst. Erstere, da sie zeitlich und räumlich unabhängiges Kommunizieren, Zusammenarbeiten und Lernen ermöglichen. Gerade informelles Lernen verlagert sich immer mehr in virtuelle Plattformen, nicht nur extern, sondern auch intern (oft als Enterprise Social Network bezeichnet).

Die Lerner wiederum fordern in zunehmendem Maße Flexibilität und Selbstorganisation. Mitarbeiter wollen zukünftig selbst die Verantwortung für das Was, Wann und Wie ihrer Lernprozesse übernehmen. Wenn also das Wissen und die Kompetenzen mehr und mehr informell, virtuell und selbstorganisiert erworben werden, dann kann betriebliche Bildung nicht als Fortsetzung von Schule und Universität mit anderen Mitteln verstanden werden.

Damit aus Weiterbilden ein Weiterlernen werden kann, gilt es, dieses neue „Lernökosystem“ viel stärker als bisher auf die dezentrale Selbstorganisation auszurichten – aus der Wissensmanagement-Perspektive nichts Neues, sondern vielfach gelebte Praxis.

Hier gibt es viel zu profitieren: Wer informelles Lernen stärken will, sollte deshalb das Wissensmanagement ganzheitlich stärken. Das wäre ein bisschen revolutionär, wenn der gesamten Organisation Rahmenbedingungen zur Verfügung stehen, mit denen alle Mitarbeiter selbst die gesamte Bandbreite des Lernens entlang ihres persönlichen Bedarfs gestalten können!

Alle Akteure, die dazu einen Beitrag leisten, sind in diesem Sinne Wissensmanager – vom klassischen Seminartrainer über die Intranet-Betreiber bis hin zu jeder Führungskraft mit Personalverantwortung.