Neue Methoden und neue Didaktik

Um den gewaltigen Veränderungen der Gesellschaft gerecht zu werden, muss sich Fremdsprachenunterricht in Methode und Didaktik dennoch ändern: Lernen wird heute stärker als Investition gesehen. Schüler sind in ihren Biografien heterogener und ihre Aufmerksamkeitsspanne ist deutlich kürzer. Lerninhalte müssen individualisierter zur Verfügung stehen. Neue technologische Entwicklungen wie Virtual und Augmented Reality oder künstliche Intelligenz können und sollten in der Pädagogik nicht einfach ignoriert werden. Digital sozialisierte junge Menschen fordern nämlich ganz selbstverständlich Medien, die ihrem vertrauten Umfeld ähneln. So wie sich andere Informationsbereiche inzwischen digitaler, spontaner, vernetzter und unkonventioneller gestalten, müssen sich daher auch Lerninhalte dem Wandel anpassen.

Dringender Reformbedarf

Die Realität sieht allerdings anders aus: Reformen sind nicht kostenlos zu haben. Und gerade der universitäre und schulische Bereich klagt über fehlende Finanzierung. In Klassenräumen lernen Schüler eine Fremdsprache noch immer, indem Situationen des Alltags in der Kommunikation simuliert werden. Sprache wird so auf Vorrat gelernt, der Realitätstest kommt meistens zeitlich später. In der Regel sind Kurse mit mehreren Personen nur wenig auf individuelle Lernwege und variable Lernstrategien anpassbar. Und selbst wenn die praktische Lern-App auf dem Handy das Vokabelheft auf Papier ablöst, setzt dieses einsame Lernen doch immer voraus, dass der Schüler den Prozess des Studiums diszipliniert weiterführt. Das bleibt jedoch auch mit neuen Medien mühevoll. Die Abbruchquote nach ersten Lektionen steigt selbst bei der interaktivsten Sprachlernsoftware dramatisch an.

Vorteile des E-Learnings

Dennoch bieten die neuen Methoden des E-Learnings in Kombination mit anderen Lernmethoden zahlreiche Vorteile: Inhalte und Prozesse können individuell auf den Schüler angepasst werden. Möglich ist zum Beispiel eine bedarfsorientierte Vertiefung durch bestimmte Übungen. Ein Lernprotokoll führt ihn durch die Etappen des Lernstoffs. Übungsfeedback hilft beim Verständnis. Wortschatztrainer halten den Lernenden bei Laune. Audiovisuell wird der Schüler auf verschiedenen Sinnesebenen angesprochen. Die Evaluation des Lernfortschritts ist dank künstlicher Intelligenz einfach und die Lernpraxis unabhängig von Zeit und Ort möglich. Sogar E-Tutoren können hinzugeschaltet werden.

Testen in der Wirklichkeit

Ziel muss dabei immer mehr sein, das gerade Gelernte unter realen Bedingungen auszuprobieren. Und wer mag, ignoriert das gute alte Vokabelheft auf Papier nicht ganz. Denn nicht der Daumen auf der App, sondern das Schreiben mit der Hand trainiert nachweislich das Gehirn.