Fehlende Fachkräfte kosten die deutsche Wirtschaft jährlich über 49 Milliarden Euro.

Einer Unternehmerumfrage unseres Verbandes zufolge berichten 90 (!) Prozent der Mitglieder von Problemen, geeignetes Personal zu finden. Knapp 50 Prozent müssen aus diesem Grund offene Stellen unbesetzt lassen. Der demografische Wandel führt zu einem weiteren Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials von derzeit 49 Millionen bis zum Jahr 2035 auf schätzungsweise 42 Millionen.

Gerade in ländlichen Regionen klagen mittelständische Unternehmen über wachsende Personalnot. Junge Menschen und Fachkräfte zieht es immer mehr in die Großstädte und urbanen Ballungszentren. Zwei von drei Mittelständlern, darunter viele Weltmarktführer, haben aber ihren Firmensitz abseits der Metropolregionen.

Kleine und mittlere Unternehmen sind besonders benachteiligt, weil sie im Kampf um die Köpfe bei den Gehältern nicht mit den Konzernen mithalten können. Und sie sind in den allermeisten Fällen standortgebunden und deshalb auf entsprechendes Fachpersonal vor Ort angewiesen. Hinzu kommt die zu geringe Mobilität unter den Auszubildenden.

Viele gut ausgebildete Arbeitnehmer und vor allem Arbeitnehmerinnen arbeiten weitaus weniger, als sie gerne möchten. Die schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist der mit Abstand am häufigsten genannte Grund für Teilzeitarbeit. Abhilfe kann hier der gezielte Ausbau von Betreuungsangeboten schaffen. So steigern aktuellen Schätzungen zufolge jährliche Investitionen in Kindertagesstätten und Schulen in Höhe von zehn Milliarden Euro die Beschäftigung nach nur fünf Jahren um rund 500.000 Vollzeitbeschäftigte.

Entscheidend ist die Entfesselung des Arbeitsrechts. Arbeitgebern und ihren Mitarbeitern muss der Freiraum gelassen werden, sich auf flexible Arbeitszeitmodelle zu einigen. Der Gesetzgeber schränkt hier noch unnötig ein und konserviert dadurch Arbeitsverhältnisse, die nicht in das Zeitalter der Digitalisierung passen. Langzeitarbeitskonten auf der Basis betrieblicher Vereinbarungen wären ein wirkungsvoller Ansatz, um überkommene Strukturen aufzubrechen.

Maßnahmen, die helfen können, dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen, gibt es nicht zum Nulltarif. Deutschland hat jedoch kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem. Über 40 Prozent des Bundeshaushaltes fließen in den Sozialbereich. Statt diesen weiter aufzublähen, sollte die Bundesregierung die Weichen für unsere wirtschaftliche Zukunft stellen.

Wir müssen jetzt investieren, damit unsere Unternehmen gemeinsam mit ihren Beschäftigten den nächsten Schritt in eine moderne Gesellschaft machen können. Der akute Fachkräfteengpass ist ein Weckruf an die Politik: Ohne Investitionen kein Wachstum, ohne Wachstum kein Wohlstand.