Ein wesentlicher Treiber des Fachkräftemangels ist der demografische Wandel. Für den Ingenieurarbeitsmarkt haben der VDI und das IW bereits 2015 festgestellt, dass durch das Ausscheiden der starken Generation der Babyboomer aus dem Arbeitsleben bis 2029 zwischen 84.000 und 390.000 Ingenieurinnen und Ingenieure fehlen werden.

Wachsende Engpässe auf dem Ingenieurarbeitsmarkt

Auch der quartalsweise erscheinende VDI/IW-Ingenieurmonitor bestätigt die wachsenden Engpässe auf dem Ingenieurarbeitsmarkt. Im zweiten Quartal 2018 waren monatsdurchschnittlich 129.470 offene Stellen zu besetzen. Damit erreicht die Arbeitskräftenachfrage in den Ingenieurberufen ein neues Rekordniveau seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2011. Im Vergleich zum Vorjahresquartal bedeutet dies ein Plus von 11,3 Prozent beziehungsweise knapp 13.160 Vakanzen.

Erhöhte Nachfrage dank Industrie 4.0

Die weiterhin steigende Nachfrage nach Ingenieur- und IT-Know-how hat vielerlei Gründe. Zu den Treibern zählt unter anderem die zunehmende Durchdringung der Gesellschaft und der Wirtschaft mit Digitalisierungstechnologien wie Industrie 4.0, automatisiertem Fahren und IT-Sicherheit. Dementsprechend suchen viele Unternehmen dringend nach qualifiziertem Personal, um Projekte umzusetzen. Die steigende Nachfrage bei einem gleichzeitig geringen Arbeitskräfteangebot verschärft die Engpässe und wirkt sich zunehmend hemmend auf das Wachstum aus. So gaben im Rahmen einer Mittelstandsumfrage der DZ Bank zwei Drittel der Unternehmen an, Probleme bei der Mitarbeitersuche zu haben. Jedes sechste Unternehmen konnte aufgrund dessen Digitalisierungsprojekte nicht verwirklichen.

Bauboom bleibt ungebrochen

Eine Sonderrolle nehmen die Bauberufe ein, die vom anhaltenden Bauboom profitieren. Hier gibt es eine enorm hohe Nachfrage nach Ingenieuren. Eine erhöhte Nachfrage nach Ingenieur- und IT-Experten ist vor allem in Bayern und Baden-Württemberg festzustellen, wo die höchsten Zahlen an offenen Stellen und die größten Engpässe bei deren Besetzung zu verzeichnen sind. Allerdings ist die Arbeitskräftenachfrage im Ingenieur- und IT-Bereich auch in allen anderen regionalen Arbeitsmärkten im Vergleich zum Vorjahresquartal deutlich gestiegen.

Für die Unternehmen bedeutet dies ein Hemmnis für die Entwicklung neuer Geschäftsfelder und Innovationen. Der Mittelstandsumfrage zufolge bleibt die Investitionsbereitschaft im deutschen Mittelstand grundsätzlich hoch. Im Fokus der geplanten Investitionen stehen Recruitinaktivitäten. Rund ein Drittel der befragten Unternehmen plant in den kommenden drei Jahren, das Personal aufzustocken.

Das Ziel des VDI ist, in der derzeitigen digitalen Transformation die technische Grundkompetenz von jungen Menschen zu stärken. Wir wollen den Nachwuchs für Technik begeistern und fördern, um den Technikstandort Deut-schland langfristig zu sichern. Um den Einsatz technischer Bildung maßgeblich zu unterstützen, haben wir den VDI Technikfonds ins Leben gerufen. Dieser leistet unbürokratisch Hilfe, indem er Schulen, Lehrkräfte und Bildungsinitiativen finanziell unterstützt, die sich der technischen Allgemeinbildung von Kindern und Jugendlichen widmen.