Was wollten Sie ursprünglich mal werden, und wie sind Sie dann zur Altenpflege gekommen?

Als kleiner Junge wollte ich Polizist werden, weil ich die Uniformen so toll fand (lacht). Mich hat immer der Mensch mehr interessiert als Technik. Handwerklich bin ich auch überhaupt nicht begabt. Schnell war für mich klar, dass ich etwas Soziales machen will. Doch als damals 17-Jähriger habe ich mir den Beruf der Pflege ganz anders vorgestellt. Ich wollte sehr viel mit den älteren Menschen unternehmen, habe mir meine kleine Traumwelt aufgebaut – die es leider auch geblieben ist.

Der Pflegeberuf ist ein ganz anderer. Natürlich hat er schöne Seiten, in denen ich mir meine Traumwelt auch erfüllen kann. Träumen lassen hätte ich mir jedoch nie, dass es oft so eine Massenabfertigung ist – mit dieser hätte ich nie gerechnet. Aufgrund dieser negativen Seite habe ich auch mit der Öffentlichkeitsarbeit begonnen. So darf es einfach nicht sein.

Die Pflege funktioniert heute nur noch, weil es Pflegekräfte gibt, die jeden Tag – manchmal 22 Tage am Stück – 110 Prozent geben. Der Pflegeberuf ist sehr hart, doch man lernt den Beruf lieben, weil der Mensch im Mittelpunkt steht und man bereit ist, für die alten Menschen alles zu geben. Man wächst mit dem Beruf der Altenpflege jeden Tag ein Stück mehr.

Man merkt, dass Sie für das Thema Pflege brennen. Was berührt Sie bei Ihrer Arbeit am meisten?

Es sind die kleinen Momente, die ich dadurch erlebe, die mich immer wieder aufs Neue berühren. Sie sind für mich unendlich kostbar und geben mir die Kraft, immer weiterzumachen. Ich bin sehr dankbar für diese Momente.

Die älteren und kranken Menschen haben es einfach verdient, dass wir für sie da sind. Das Land Deutschland sollte viel mehr für diese Menschen tun, anstatt sie zu ignorieren. Taten statt Worte sind gefragt. Denn auch wenn die Politik immer wieder tönt, dass sie etwas unternimmt, spürt man davon am Bett gar nichts. Hätten wir weniger Fachkräftemangel in der Politik, würde auch mehr für die alten und kranken Menschen sowie die Pflegekräfte getan werden. Die Politik hat keine Ahnung, was es bedeutet, Menschen zu pflegen.

Wir Pflegekräfte können der Politik einfach nicht vertrauen. Aus diesem Grund müssen wir etwas Eigenes aufbauen und eine Gemeinschaft bilden, die so stark ist, dass sie nicht mehr ignoriert werden kann. Ich möchte etwas verändern. Für jeden einzelnen Bewohner, den ich versorge, für jeden alten und kranken Menschen. Dafür brenne ich. Denn es ist einfach ein Unterschied, ob dich ein anderer Mensch nur wäscht und seine Arbeit tut oder ob dich ein Mensch pflegt und deine Seele berührt.

Sie teilen die Leidenschaft für den Beruf auch mit Ihren Followern und bloggen unter anderem auf facebook.com/offiziellSandroPe über das Thema Pflege, wie kam es dazu?

Aufklärung! Anderen zeigen, wie es in der Pflege wirklich aussieht – das Positive, aber auch Negative –, das war der Grund, warum ich damit begonnen habe. Ich möchte besonders junge Leute für den Beruf begeistern, denn er kann der schönste Beruf der Welt sein.

Für wen ist die Pflegebranche Ihrer Meinung nach geeignet?

Das kann man so pauschal nicht sagen. Ich selbst war früher ein frecher Bube mit Alphajacke und vielen Dummheiten im Kopf. Erst der Pflegeberuf hat aus mir eine Persönlichkeit gemacht, die ich wahrscheinlich ohne diesen Beruf nicht geworden wäre. Keiner wird als Pfleger geboren, aber wer das Herz am rechten Fleck trägt und für den Menschen im Mittelpunkt stehen, der hat die perfekten Grundvoraussetzungen.

Was sind die wichtigsten Eigenschaften, die man für einen Beruf in der Pflege mitbringen muss?

Man sollte authentisch sein, auch mal ein Clown sein können, um die alten und auch besonders die demenzkranken Menschen zum Lachen zu bringen, zu unterhalten. Natürlich spielt auch das Gefühl eine große Rolle und das Zulassen von Gefühlen. Doch man sollte sich auch selbst nie vergessen – ohne jegliche Form von Egoismus. Doch wenn man sich selbst vergisst, vergisst man automatisch auch den Menschen, der im Bett liegt und es verdient hat, bestmöglich versorgt zu werden.