Frau Steinbach, Sie haben zwei Jahre lang Ihre Großtante in Speyer gepflegt. Haben Sie mal Krankenpflegerin gelernt?

Überhaupt nicht! Ich hab vielleicht mal eine Krankenschwester gespielt, aber das ist auch schon alles. (lacht) Nach den Erfahrungen, die ich rund um die Pflege meiner Tante gemacht habe, bin ich mir aber auch nicht sicher, ob mich das wirklich vorbereitet hätte. Ich hab dann zwar auch eine Schulung gemacht, wie man mit bettlägerigen Menschen umgeht, wie man sie im Bett bewegt, aus dem Bett rausholt, wie man sie wäscht, aber die größten Herausforderungen lagen ganz woanders. 

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Was gehörte etwa zu den Aufgaben?

Es gab vor allem unglaublich viel zu organisieren! Telefonieren, Termine machen, Rezepte, Medikamente, einen Rollstuhl, einen Durchbruch im Wohnzimmer, eine Rampe hier, eine Rampe da, einen Treppenlift… Alles muss nicht nur besorgt, sondern auch beantragt werden, und nichts geht schnell und unkompliziert. Den bürokratischen Aufwand hätte ich so nicht erwartet, das war manchmal wirklich ein Fulltime-Job - und das meistens  von Berlin aus, denn ich musste ja auch arbeiten.

Wie haben Sie das denn geschafft?

Mit Hartnäckigkeit?! (lacht) Also, ich hab mir mit der Zeit natürlich auch einen richtigen „Helfer-Kreis“ aufgebaut. Ich konnte zum Beispiel dem Apotheker in Speyer neue Rezepte einfach per Handy schicken, er hat alles zusammengesucht und über den Apotheken-Bringdienst liefern lassen, das hat dann auch super geklappt und war eine große Hilfe. Aber das Bürokratische, die Absprachen mit der Krankenkasse, der Pflegekraft, dem Pflegedienst, die komplette „Logistik“ also, das war dann meine Aufgabe. Kurz gesagt, es gab in jeder Richtung viel mehr zu organisieren, als man erwarten würde.

Wie haben Sie diese Zeit erlebt? Haben Sie Ihr Engagement als große Belastung empfunden?

Nein, ich finde das total selbstverständlich, das zu tun was man kann. Die Zeit mit meiner Tante war immer ganz wichtig für mich, und auch für sie, denn sie war ja geistig fit und kommunikativ. Wir haben stundenlang geredet. Das hat mich also gar nicht belastet, im Gegenteil, das hat mir viel gegeben. Meine Tante, als Mensch selbst war eigentlich total „pflegeleicht“, anstrengend war eher das viele Drumherum. Ich glaube, das erleben viele Familien mit Pflegefall. Auch die Situation mit der Pflegekraft hat sich im Laufe der Zeit ziemlich unvorteilhaft verkompliziert, um es mal diplomatisch auszudrücken.

Das ist ein ganz sensibles Thema, bei dem sich Familiäres und sehr Privates mit „anderen Interessen“ vermischt hat, ein Thema bei dem man sehr hellhörig und wachsam bleiben muss. Das habe ich letztlich tatsächlich als Belastung empfunden und das ist es noch heute für mich. Es ist nicht leicht, da einen ganz professionellen Umgang zu pflegen, wenn es um einen geliebten Menschen geht.

Ein ganz wichtiger Punkt – viele Familien mit Pflegefällen müssen sich intensiv mit den „Formalitäten“ beschäftigen, die oft sehr kompliziert sind.

Ich hätte nie gedacht, dass das so anspruchsvoll ist. Man muss sich wirklich mit der Materie beschäftigen, mit der Rechtslage, mit dem Kleingedruckten. Da habe ich viel gelernt, viel mehr als ich erwartet hatte! (lacht) Manchmal hat mir aber auch mein Beruf geholfen, glaube ich, vor allem im Gespräch mit den Zuständigen bei Ämtern und Versicherungen. Da muss man schon hartnäckig sein, sich nicht so schnell abwimmeln lassen; man muss genau wissen, was man will, man muss wissen, wonach man fragen muss – und vor allem auch, wie man fragt.

Können Sie da etwas verraten?

Ich glaube gar nicht, dass das so ein Geheimnis ist. Es ist ja klar, dass die Mitarbeiter der Kassen nicht am Telefon sitzen und nach Möglichkeiten suchen, Geld zu verteilen. Ich bin immer ziemlich weit damit gekommen, zu fragen: „Was würden Sie denn eigentlich an meiner Stelle machen? Welche Möglichkeiten gibt es, von denen ich eventuell gar nichts weiß?“ Ich würde eine Mischung aus Charme und Hartnäckigkeit empfehlen.