Mit Blick auf die eigene berufliche Zukunft ist der Umkehrschluss hilfreicher: Je mehr Wege  ich einschlagen könnte, umso wichtiger wird es, mich auf meine eigenen wesentlichen Motivationen und Charaktereigenschaften zu besinnen: Wenn ich alles machen könnte, was will ich wirklich machen? Und auf welchem der Wege, die ich mir vorstellen kann, würde ich wohl am weitesten kommen?

Eine kleine Checkliste für alle jungen Individualisten, die tendenziell „was mit Menschen“ machen wollen.

Begabungen. Bin ich eher der theoretische oder der praktische Typ?

Ebenso naheliegend wie essenziell ist die ehrliche Einschätzung der eigenen Stärken und Schwächen. Ausbildungen in Physiotherapie, Pflege, Hebammenkunde, Ergotherapie und Logopädie sind meist praktischer, ein Medizin-, Pharmazie- oder Psychologiestudium über weite Strecken sehr theoretisch. Habe ich das Interesse oder das Sitzfleisch, um jahrelang dicke Medizinbücher auswendig zu lernen?

Interessen. Wie kann ich mir den Alltag im Job später vorstellen?

Nach dem „Was kann ich?“ kommt das „Wie und womit ist das kompatibel?“. Will ich eigentlich täglichen Kontakt mit Patienten? Bin ich sensibel, kann ich Blut sehen? Liegt mir die Arbeit mit Kindern oder alten Menschen? Arbeite ich besser im Team oder will ich die „Ansagen machen“? Will ich eher Menschen behandeln oder Sachen erforschen?  

Voraussetzungen. Brauche ich einen NC oder eher praktische Erfahrungen?

Nach der realistischen Einschätzung der eigenen Anlagen und des tatsächlichen Jobs sollte es konkret werden: Was brauche ich für diesen oder jenen Weg? Lange Zeit war der Numerus clausus die entscheidende Hürde. Rechtliche Fragen, neue Ausbildungsmöglichkeiten und Studiengänge bringen allerdings aktuell jede Menge Bewegung in diese Diskussion. „Unter dem Strich“ werden praktische Erfahrungen immer wichtiger.

Bedingungen. Was würde ich für das Studium meiner Wahl investieren? 

Schließlich macht eine simple Kosten-Nutzen-Rechnung Sinn: Würde ich in eine andere Stadt ziehen? Könnte ich mir ein Fernstudium vorstellen? Würde ich einen Kredit aufnehmen? Ein Medizin- oder Psychologiestudium kann auch an öffentlichen Unis teuer werden. Wie viel Zeit kann ich überhaupt aufwenden? Wie funktionieren berufsbegleitende Studiengänge?

Hier schließt sich in gewisser Hinsicht der Kreis. „Früher“ waren die Gegebenheiten entscheidend. Bestimmte Studiengänge konnte man eben nur an einer bestimmten Uni belegen, „basta“. Heute macht es mehr Sinn, von sich selbst auszugehen – und dann zu sehen, wie die eigenen Pläne sich realisieren lassen.