Diese Entwicklung hat sich seit Langem abgezeichnet und sie hat viele Ursachen, zahlreiche politische und unternehmerische Fehlsteuerungen vergangener Jahre gehören unzweifelhaft dazu. Doch die Zeit drängt, die Probleme müssen gelöst werden, kranke und pflegebedürftige Menschen haben ein Recht auf angemessene Versorgung. Was aber kann ein Arbeitgeber bei solcher Arbeitsmarktlage tun, um sich positiv abzuheben und gute Bewerber für sich zu interessieren?

Dass man in einem Pflegeberuf nicht reich wird, dass diese Tätigkeit physisch und psychisch stark fordert und dass auch an Wochenenden und Feiertagen gearbeitet werden muss, wissen alle, die sich für diesen Berufsweg entscheiden. Sie haben ihn trotzdem gewählt und starten in aller Regel mit hohem Engagement, großem Inte-
resse und viel Empathie den Menschen gegenüber, die ihre Hilfe brauchen. Dies zu erhalten, weiter zu fördern und zu einem erfolgreichen Berufsleben zu entwickeln, muss das Ziel sein, dafür müssen die Rahmenbedingungen am Arbeitsort stimmen.

Das A und O eines guten Arbeitsplatzes sind die erlebbaren Arbeitsbedingungen. Für die Pflege heißt das: Arbeitsvolumen und zur Verfügung gestellte Personalressourcen müssen zueinander passen. Am Personal zu sparen in der Erwartung höherer Rendite, ist in dieser Branche noch nie eine gute Idee gewesen, wer diesen Fehler macht, bekommt die Folgen schnell zu spüren. Sind erst einmal Qualitätsmängel eingetreten, hat sich ein schlechtes Arbeitgeberimage herumgesprochen, bleiben gute Bewerber und die Klienten aus, nehmen Frustration und Fluktuation zu – eine kritische Spirale, die sich kaum noch aufhalten lässt.

Es sind die Führungskräfte, die in Pflegeteams das Betriebsklima ausmachen.

Erfolgversprechend sind dagegen ein angemessener Skill- und Grade-Mix, eine Personalbemessung, die Spielräume behält für Fortbildung und Gesundheitsförderung, ein vorausschauendes systematisches Ausfallmanagement und stabile Dienstpläne, die für gute Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sorgen. Gerade hieran aber fehlt es leider derzeit am häufigsten – viele Pflegekräfte beklagen, dass sie ständig aus dem Frei oder Urlaub gerufen werden, um bei kurzfristig entstehenden Personallücken einzuspringen. Dadurch fehlt es ihnen nicht nur an der dringend benötigten Erholungszeit, es entstehen Konflikte in Partnerschaften und Familien, das ganz normale soziale Netzwerk bricht allmählich weg,  die Unzufriedenheit nimmt zu und fördert eine innere Kündigung.

Wer das eigene Pflegeunternehmen nachhaltig aufstellen und bei zunehmendem Pflegefachkräftemangel gewappnet sein will, muss ausbilden. Aber: Pflegeschüler sind keine billigen Arbeitskräfte, sondern die Fachkräfte von morgen und übermorgen. In eine fundierte Anleitung, Zeit zum Üben und Lernen und weitgehende Freistellung der Praxisanleiter zu investieren, kostet Geld, macht sich aber schnell bezahlt und bindet schon sehr früh qualifiziertes Personal, das man andernfalls lange vergeblich und für teures Geld suchen müsste.

Es sind die Führungskräfte, die in Pflegeteams das Betriebsklima ausmachen und von denen es in erster Linie abhängt, ob eine Fachkraft gehen oder bleiben möchte. Gute Führung ist nicht nur möglich, sondern einfach unverzichtbar.

Ein guter Arbeitgeber zu sein und attraktive Arbeitsplätze zu bieten, war in der Pflegebranche noch nie so notwendig wie heute. Die Zeiten haben sich gedreht – Pflegefachpersonen sind in einer extrem komfortablen Verhandlungssituation, Arbeitgeber haben sich in der Warteschlange einzureihen. So sind die Regeln des Marktes!