Sie haben sich schon in jungen Jahren eingehend mit digitalen Medien beschäftigt. Was hat Ihr Interesse damals geweckt und welchen Einfluss hat diese frühe Faszination auf Ihre heutigen Tätigkeiten?

Ich war schon immer sehr technikbegeistert. Mit 13 Jahren legte ich mir ein iPhone von Apple zu, was damals in Deutschland noch sehr unbekannt war. Im Internet suchte ich nach Anleitungen und Berichten über das Gerät – und fand nichts.

Daraus entstand „Mein iPhone und ich“: kurze Videos, die den besten Umgang mit der Handykamera, Apps und die neuesten Generationen des Gerätes erklärten. Diese Podcasts wurden immer populärer, die Abrufzahlen überholten mit bis zu 100.000 Nutzern pro Folge sogar die  großen Unternehmen. Und so kam es, dass Unternehmen auf mich aufmerksam wurden.

Wie ging es weiter?

Ich ging noch zur Schule, war gerade mal 15 Jahre alt, und Unternehmen wollten von mir erfahren, wie ich es geschafft habe, innerhalb so kurzer Zeit so viele Menschen über das Internet zu erreichen. Ich versuchte ihnen meine Generation und ihr Medienverhalten zu erklären – ein nicht immer leichtes Unterfangen.

Inwiefern?

Manche CEOs schauen mich zunächst an, als käme ich von einem anderen Planeten – und bedankten sich nachher für die wertvollen Impulse.

Worin besteht der größte Erklärungsbedarf bei den Firmen?

Am meisten gefragt ist das Thema Arbeitsleben. In meiner Generation nimmt 'Sinn' einen hohen Stellenwert ein. Geld spielt eine eher untergeordnete Rolle. Was viel mehr zählt, sind flexible Arbeitszeiten. Die große Herausforderung für Unternehmen liegt also darin, meiner Generation die Arbeitsbedingungen zu bieten, mit denen wir uns wohlfühlen.

Was ist daran in Zeiten des Fachkräftemangels so schwer?

Neben den Themen Sinn und Autorität ist der größte Reibungspunkt die Nutzung von digitalen Medien.

Warum?

Oft wird der Vorwurf laut, dass die Generation Y sich in eine rein digitale Welt zurückziehen würde – absoluter Unsinn. Ein Smartphone oder Tablet ist ein Instrument, um Freundschaften zu pflegen und Informationen auszutauschen, so wie das alle anderen Generationen vor uns auch schon gemacht haben — einfach auf anderen Kanälen.

Natürlich stellen all diese neuen, technischen Möglichkeiten oft auch eine Reizüberflutung dar und werfen Fragen auf, und entsprechend wünschen wir uns auch eine andere Organisation von zum Beispiel Arbeit oder Bildung. Da hinken die Schulen und die Arbeitgeber allerdings mächtig hinterher. Hier besteht Handlungsbedarf. Auch wir brauchen einen Leitfaden, um mit dem Medienüberschuss gesund umzugehen.

Wir müssen und dürfen uns unser Medienverhalten nur selbst beibringen. Alle Generationen müssen sich zukunftsfähig machen und digitale Kompetenz erwerben erfahrene CEOs ebenso wie unsere Generation.