Sie werden aber nicht so behandelt. Angesichts der chronischen Unterfinanzierung der Hochschulen kommen sie sich wie Bittsteller vor. Kurze Zeitverträge und nicht selten prekäre Lebensverhältnisse gehören zum Alltag des wissenschaftlichen Nachwuchses – trotz der Wissenschaftspakte in den letzten Jahren. Für die wachsende Zahl qualifizierter Nachwuchswissenschaftler gibt es zu wenig Stellen.

Zusätzliche Professuren, aber auch verlässlichere und attraktivere Karrieremöglichkeiten müssen geschaffen werden. Das erfordert Mut zur stärkeren Differenzierung zwischen wissenschaftlicher Dienstleistung und Qualifikation. Bereits nach der Postdoc-Phase sollte entschieden werden, ob ein Nachwuchswissenschaftler die Karriere als wissenschaftlicher Mitarbeiter oder als zukünftiger Hochschullehrer einschlägt.

Diejenigen, die keine Qualifikationsstelle erreichen, kämen für befristete und unbefristete Stellen in der wissenschaftsnahen Dienstleistung, zum Beispiel in der Lehre oder Drittmittelverwaltung, in Betracht oder könnten sich frühzeitig anderweitig orientieren. Die als Hochschullehrernachwuchs ausgewählten Wissenschaftler erhielten dagegen eine weitaus bessere Perspektive auf eine Lebenszeitprofessur.

Um den Risikoberuf Wissenschaftler kalkulierbarer zu machen, bieten Universitäten in England, den USA und der Schweiz jungen Wissenschaftlern „Tenure-Track“-Stellen an. Die Möglichkeit, einem Stelleninhaber nach Ablauf einer positiv evaluierten Qualifikationszeit verbindlich eine Universitätsprofessur zusagen zu können, müssen aus Wettbewerbsgründen auch deutsche Universitäten erhalten. Die Bildungsrepublik Deutschland muss sorgsamer mit ihren Hoffnungsträgern umgehen.