Sie standen schon mit 19 Jahren als Moderatorin vor der Kamera. Das erreicht man aber mehr durch viel Talent als durch passende Bildung, oder?

Von den Moderatoren die ich kenne, die auf einer Moderatorenschule waren, hat tatsächlich keiner einen Job und die, die in diesem Beruf Geld verdienen sind durchweg Quereinsteiger.

Jeder hat da seine eigenen Schwächen, redet zum Beispiel zu schnell, zu langsam oder gestikuliert zu wenig.

Ich bin damals ohne Berufserfahrung einem Fernsehaufruf gefolgt und in einem dreimonatigen Castingprozess unter 20.000 Bewerbern ausgewählt worden, weil man eine Nachfolgerin für Enie van de Meiklokjes für die Sendung „Bravo TV“ suchte. Bei dem Casting waren einige Moderatoren, die auf einer Moderatorenschule waren. Die meisten waren den Castern zu steif. Ich weiß nicht, ob man diesen Beruf in der Theorie lernen kann.
Am besten, man hört auf seinen Bauch und macht Learning by Doing. Wichtig ist, intensiv mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Und was lernt man bei dieser Auseinandersetzung?

Man analysiert eigene Fehler. Jeder hat seine eigenen Schwächen, redet zum Beispiel zu schnell, zu langsam oder gestikuliert zu hektisch. Man muss das sehen, um es korrigieren zu können. Dafür gibt es nicht diese eine Methode.
Durch die Berufsroutine lernt man auch, wie live mit Pannen umzugehen ist. Notsituationen kann man nicht planen. Entscheidender ist, wie locker ich vor der Kamera agiere. Nur durch Routine schafft man es Nervosität ab- und Souveränität aufzubauen.

Wie erleben Sie aktuell die nachfolgende Generation in Ihrem Beruf?

Bei vielen habe ich den Eindruck, dass sie froh sind, überhaupt vor der Kamera stehen zu können. Hauptsache Fernsehen, der Inhalt ist egal. Das macht viele so austauschbar. Mich macht es nicht glücklich, zwei belanglose Sätze von einem Prompter abzulesen. Ich möchte meine Moderationstexte selbst schreiben und dass diese Wiedererkennungswert haben. Ich möchte meinen eigenen Stil einbringen und mich intensiv mit dem was ich sage auseinandersetzen.
Bei meiner Reportage über die Textilindustrie in Kambodscha habe ich vier Wochen lang recherchiert.

Nicht gerade unwichtig für die Karriere ist der Arbeitgeber – welche Erfahrungen haben Sie hier gemacht?

Sehr unterschiedliche. Ich hatte schlechte Erfahrungen mit dominanten Redakteuren, die verlangten, dass ich eins zu eins den Text aus dem Moderationsbuch vortrage. Ich schämte mich beim moderieren für die furchtbaren Texte und peinlichen Interviewfragen. Ich möchte nicht nur meine Hülle zur Verfügung stellen, sondern auch meinen Kopf. Seitdem ist meine Grundvoraussetzung dass ich bei den Moderationstexten mitreden darf.

Welche Fehler haben Sie bisher in Ihrer Laufbahn gemacht?

Ich habe eigentlich von Anfang an viele Fragen gestellt und nie naiv Verträge unterschrieben. Allerdings musste ich lernen, dass in dieser Branche extrem gelogen wird. Da gibt es plötzlich zwei Konzepte für das geplante Format. Eines, um den Protagonisten einzukaufen, und ein anderes, das das wahre Konzept beschreibt, jedoch den Protagonisten vorenthalten wird. Man lernt, sich davor mehr zu schützen.

Hatten Sie Vorbilder?

Nein, eigentlich nicht. Es ist eher so, dass ich bei den meisten denke: „Oh Gott.“ Mir ist der klassische Moderator in Deutschland zu steif. Viele sind mehr Ansager als Moderator, haben keinen eigenen Stil, sind nur dazu da um von einem Thema zum nächsten überzuleiten und eine Telefonnummer für ein Gewinnspiel vorzulesen.

Wie sehen Sie sich?

Ich möchte mich inhaltlich und mit meiner Persönlichkeit einbringen. Ich mache nur noch Projekte, hinter denen ich hundertprozentig und aus voller Überzeugung stehen kann. Nach dem Motto: Nur wo Collien draufsteht, ist auch Collien drin. Es ist natürlich schwer, immer diesen Weg zu gehen. Bei der Sendung „Spurensuche“ konnte ich allein entscheiden. Ich habe stundenlang an den Texten gesessen. Aber ich habe gemerkt, dass das Früchte trägt.

Sie haben eine klassische Ballettausbildung absolviert. Profitieren Sie heute noch davon?

Die Disziplin und die Choreografie helfen mir als Schauspielerin. Meistens dreht man den ganzen Tag dieselbe Szene. Wird die aus einem anderen Blickwinkel aufgenommen, muss der Bewegungsablauf dennoch gleich bleiben. Wie bei einer Choreografie.

Außerdem ist der Boden mit Markern vollgeklebt. Den einen Satz sagt man beim rosa Punkt. Beim nächsten geht man ein paar Schritte weiter zum grünen. Dank der Tanzausbildung verinnerliche ich da vieles schneller als andere.

Haben Sie einen Schauspiellehrer?

Ich habe seit 13 Jahren denselben Coach. Mit dem erarbeite ich mir vor jedem Dreh die Szenen. Ich lerne nicht schauspielen, sondern wie die jeweilige Rolle funktioniert. Das kann man nicht allein, weil man den Dialog braucht. Wichtig ist, verschiedene Varianten zu probieren, weil man nicht weiß, welche der Regisseur später wünscht.

Und wo trainieren Sie?

Das kommt drauf an. Er kam schon mal ins Hotel. Oder besuchte mich für zwei Stunden in einer Pause, die ich während eines Drehs als Moderatorin hatte. Für Hauptrollen kann es ganze Tage dauern.

Wie lernt eigentlich Christian Ulmen?

Gar nicht (lacht). Es ist spannend bei Schauspielern zu sehen, wie komplett anders sich jeder vorbereitet. Manche üben Monate voraus, lernen akribisch ihren Text und schreiben in ihrer Rolle sogar ein Tagebuch.

Mein Mann ist das genaue Gegenteil. Der setzt sich morgens in die Maske, liest kurz den Text und macht es aus dem Bauch heraus. Und ist trotzdem ein guter Schauspieler. Jeder hat seine eigene Herangehensweise.

Gekrönt wurden Sie mal zur „Sexiest Woman in the World 2010“. Was lernt man danach?

Man lernt etwas über die Branche. Blödsinn generiert oft viel mehr Aufmerksamkeit. Das Private schlägt wahnsinnige Wellen, während berufliche Projekte vergleichsweise untergehen.

Diverse Menschen analysierten in Zeitschriften sogar mithilfe von Horoskopen, ob mein Mann und ich als Paar zusammenpassen. Wir wurden regelrecht mit unserem Privatleben bombardiert. Toll wäre eine solche Presse für einen Film.

Was lernen Sie gerade als Mama?

Geduld. Hilft auch bei der Arbeit.