Eine Erfahrung, die sie heute nicht mehr missen möchte.

Wenn Saniya Kumar an die Zeit in Wien zurückdenkt, huscht ein Lächeln über ihr Gesicht. Für sie war das, was sie dort erleben durfte, komplett neu und so ganz anders, als sie es aus ihrer Heimatstadt Schwerte kannte.

Für mich gehört die Chance zum Auslandsaufenthalt heute zu einer guten Berufsausbildung, auch um der wachsenden Internationalisierung der Wirtschaft gerecht zu werden.

Dabei weiß sie, wie es sich anfühlt, plötzlich in einer völlig neuen Umgebung zu sein. Im Jahr 2003 war sie mit ihrer Familie aus Afghanistan nach Deutschland gekommen. Hier wuchs sie auf, ging zur Schule und absolvierte ihre Ausbildung im Bäckerei- und Konditoreiwesen.

Nun also Wien. Saniya Kumar war begeistert, als ihre Lehrerin Stephanie Lemke sie fragte, ob sie an dem europäischen Mobilitätsprogramm Erasmus+ teilnehmen wolle. „Ich fand die Idee gleich super, und auch meine Eltern haben mich unterstützt“, erinnert sie sich. „Die haben sich sehr gefreut, dass ich das mache und so meinen Horizont erweitern konnte.“

Dabei gibt es die Bäckerei Grimm, in der sie in Wien arbeitete, quasi schon ewig. Das Haus wurde 1536 gegründet, noch heute ist es eines der wenigen in Wien, in denen Brot, Gebäck und viele andere Köstlichkeiten in der eigenen Backstube hergestellt werden. Saniya Kumar war zwei Wochen lang im Hauptgeschäft und eine Woche in einer Filiale tätig. Sie arbeitete in der Backstube und bediente die Kundschaft.

Schwierigkeiten hatte sie anfangs nur mit dem Wiener Dialekt. Dazu Kumar: „Ich habe manches einfach nicht verstanden, und das, obwohl ich eigentlich sehr gut Deutsch spreche.“

Mithilfe der Lehrerin, die sie während des Aufenthalts unterstützte, konnten aber auch diese Probleme gelöst werden. „Schön war es übrigens, wenn Kundinnen und Kunden aus Deutschland kamen und wir die Sprache als Gemeinsamkeit entdeckten, obwohl ich ja eigentlich aus Afghanistan stamme“, erzählt die heute 23-Jährige, die neben der Arbeit in der Bäckerei auch viel vom Leben und der Kultur in Wien mitbekam.

„Ich bin in dieser Zeit viel lockerer geworden, habe interessante Menschen kennengelernt und glaube, das Ganze hat mir auch beruflich sehr genutzt“, bringt sie ihre Eindrücke auf den Punkt.

Berthold Hübers, Teamleiter Mobilität und Internationalisierung der Berufsbildung in der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim BIBB, hört solche Sätze gerne. Für ihn gehört die Chance zum Auslandsaufenthalt heute zu einer guten Berufsausbildung, auch um der wachsenden Internationalisierung der Wirtschaft gerecht zu werden.

Über 30.000 Auszubildende und Berufsfachschüler absolvieren jedes Jahr einen Lernaufenthalt im Ausland, mehr als die Hälfte davon wird über Erasmus+ gefördert. Damit junge Menschen Internationalität künftig noch stärker mit der Berufsausbildung in Verbindung bringen, hat der Deutsche Bundestag das Ziel formuliert, dass im Jahr 2020 mindestens zehn Prozent der Auszubildenden bei Abschluss der Ausbildung einen Lernaufenthalt im Ausland absolviert haben sollen. Aktuell sind es rund 4,5 Prozent.