Unsere Aufgabe und unser Ziel ist die berufliche Wiedereingliederung von Menschen, die in Folge eines Unfalls oder einer Krankheit ihre Arbeit nicht mehr wie bisher ausführen können und sich daher neu orientieren müssen. Unsere KlientInnen kommen aus den verschiedensten Branchen (Gewerbezweigen). Es sind Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und sie kommen mit körperlichen und z. T auch psychischen und geistigen Einschränkungen zu uns.

Manches Mal können unsere KlientInnen in ihrem bisherigen Berufsfeld mit geänderten Arbeitsbedingungen, die wir zusammen mit allen Beteiligten gestalten, weiter arbei­ten. In den meisten Fällen müssen sie sich jedoch grundsätzlich verändern. So kann mit unserer Unterstützung ein Schlosser zum Fahrlehrer oder eine Tierarzthelferin zur Fachkraft für Hafenlogistik werden. Einige unserer Erfolgsgeschichten zeigen wir auf unserer Homepage: www.malt-harms.de .

Um Menschen nach einer medizinischen Rehabilitation wieder „zurück in Arbeit“ zu bringen, müssen wir in hohem Maß offen und anerkennend mit dem „Anderssein“ unserer KlientInnen umgehen. In einem multiprofessionellen Team von derzeit dreizehn Frauen und Männern – und einem Hund – arbeiten wir mit und für diese Menschen. Wir lassen uns auf jede Person individuell ein, denn nur so gelingt es uns, ihre Einzigartigkeit mit ihren Bedürfnissen, Beeinträchtigungen und Berufungen zu erfassen und für mögliche Partner auf dem Arbeitsmarkt erkenn- und nutzbar zu machen.

Es geht um Vielfalt und neue Wege

Vielfalt wahrzunehmen und zu gestalten ist nach unserer Überzeugung der einzig sinnvolle Ansatz, die Ziele unserer KundInnen und unserer KlientInnen zu erreichen und an allen Streckenpunkten des Prozesses treffen wir auf Diversität:

  • Bei den AuftraggeberInnen – mit ihren unterschiedlichen Rahmenbedingungen und individuellen Sichtweisen, wie und wie weitgehend die berufliche Inte­gration der geschädigten Personen gestaltet werden soll.
  • Bei den KlientInnen – deren kulturelle Hintergründe, Religionen sowie körperliche, geistige und zwischenmenschliche Fähigkeiten es als einzigartig zu erfassen und zu würdigen gilt.
  • Bei den ArbeitgeberInnen – sie haben wirtschaftliche und soziale Interessen und generieren daraus persönlich und mit Hilfe ihrer Beschäftigten die Arbeitsumgebungen, die eine Integration von Menschen mit Behinderungen erst möglich macht.

Indem wir diese drei Felder erkunden und den Akteuren individuelle integrierende Prozesse aufzeigen (und diese auch begleiten), öffnen und gestalten wir einen Raum der Möglichkeiten. Aus dieser Erfahrung haben wir unser Motto formuliert: „Gemeinsam neue Wege gehen“. Wir ermutigen die Akteure und wägen mit ihnen Chancen und Risiken des neuen Weges ab – manchmal ist dafür auch Pendeldiplomatie erforderlich.

Unsere Erfahrung hat uns jedoch gezeigt, dass alle von der guten Gestaltung und dem Zusammenwirken profitieren. Zum Beispiel, indem BewerberInnen, die auf den ersten Blick nicht „perfekt“ für die zu besetzende Stelle sind, eine Chance bekommen und sich auch zutrauen, diese zu ergreifen. Oder indem wir Betrieben dabei helfen, Integrationsmaßnahmen durch- und umzusetzen. Immer wieder bedeutet dies, dass neue Arbeitsfelder erschlossen oder zusammengestellt werden.

Dieser Weg ist selten leicht, aber wir sind hartnäckig und müssen es auch sein. Unsere KlientInnen kommen oft mit wenig günstig erscheinenden Merkmalen zu uns, wie fortgeschrittenem Alter (35 % sind über 50 Jahre alt) oder anderen sozialen Kontextfaktoren (fehlende Fachkenntnisse, alleinerziehend oder Angehörige pflegend, sprechen Deutsch als Fremdsprache).

Nicht selten bringt eine Person mehrere dieser Diskriminierungsrisiken mit, aber in den vielen Fällen führen unsere Bemühungen dennoch zu einem guten (gewünschten) Ergebnis: Unsere durchschnittlich Quote der erfolgreichen Vermittlungen liegt seit mehr als 10 Jahren bei über 70%.

Die Steuerung von Vielfalt

Dieser Aspekt hat mehrere Facetten:

A         Wir tragen Vielfalt in die Betriebe - Diversität mit Fokus auf Bereicherung

Unser Motto lautet „Gemeinsam neue Wege gehen“. Neue Wege und Veränderung schaffen Unsicherheit – und dies auf beiden Seiten, sowohl bei unseren KlientInnen als auch bei potenziellen ArbeitgeberInnen. Wir agieren integrativ, ermutigen die Beteiligten und sorgen so dafür, dass die „neuen Wege“ eingeschlagen werden.

Wir fördern bewusst eine Vielfalt-achtende-Haltung, um so viel Offenheit, Toleranz und Kooperation wie möglich in die betriebliche Welt zu bringen. Auch wenn im Einzelfall die gängigen Parameter der BewerberInnen ein ungünstiges Bild entwerfen, fordern wir durch unsere Unterstützung zu einem zweiten Blick auf und heraus, um „versteckte“ Talente und Fähigkeiten des ganzen Menschen zu erfassen.

Mit der Diversity-Haltung geben wir nicht nur unseren KlientInnen, sondern auch den Unternehmen Impulse, sich in Richtung Vielfalt zu entwickeln und zu wachsen.

Beispiel

Herr A., ein 24-jähriger Mann aus dem Irak, verlor bei seiner Arbeit als Fleischerhelfer seinen linken Unterarm. Er wurde medizinisch gut mit einer Prothese versorgt. Auf dem Weg in die Berufswelt erhöhte er seine Chancen durch den Besuch der Fachoberschule, die er im Sommer mit dem Fachabitur erfolgreich abschloss.

Wir lernten Herrn A. durch den Rehamanager seiner Berufsgenossenschaft kennen. Gemeinsam erarbeiteten wir Ideen für Berufstätigkeiten, die seinen Fähigkeiten, Neigungen und Interessen entsprachen. Dabei zeigte sich, dass es Herrn A. wichtig ist, im Berufsleben offen mit seiner Prothese umzugehen. Wir schlugen ihm dann direkt eine Ausbildung im Prothesenbau oder der Prothetik-Beratung vor und konnten ihm über ein Praktikum einen Ausbildungsplatz vermitteln.

Dieser Erfolg ist leicht erzählt. Er erforderte jedoch hohes Engagement und Kreativität und wir mussten regelrecht dafür kämpfen, damit ein Mann mit Armprothese eine Chance als Prothesenbauer erhält  - trotz der uns offensichtlich erscheinenden Vortei­le, z.B. dass ein Berater, der selbst eine Prothese trägt, authentisch auf Kunden wirkt und praktisch „automatisch“ Fachkompetenz vermittelt.

B         Diversity in unserem Team – als Gestaltung und als Strategie

Unser Team besteht derzeit aus dreizehn MitarbeiterInnen – und einem Hund. Vielfalt zeigt sich bereit in der großen Altersspanne: Die jüngste Mitarbeiterin ist 24, die älteste 84 Jahre alt, die meisten von uns sind in den Fünfzigern. Die Geschlechterverteilung – wir sind drei Männer und zehn Frauen (einige davon sind Elternteile von insgesamt 13 Kindern) – erklärt sich auch durch Teilzeitarbeit, die von den Frauen stärker gewünscht wird.

Drei KollegInnen haben eine Schwerbehinderung. Wir wissen untereinander von verschiedenen Religionen und sexuellen Orientierungen. Die Arbeitszeiten sind flexibel und an den Bedürfnissen der Aufgabe und de­nen der Beschäftigten orientiert; wir praktizieren Vertrauensarbeitszeit und Homeoffice.

Für die Bewältigung unserer Aufgaben sind die beruflichen Qualifikationen und Erfahrungen besonders bedeutsam. Jede und jeder von uns hat mehr als eine berufliche Qualifikation und in der Regel mindestens ein Studium abgeschlossen, viele haben langjährige Erfahrungen aus dem Bereich Arbeit und Integration. So versammeln wir Wissen aus der Verwaltung der sozialen Systeme, aus der juristischen Praxis, der Wirtschaft, dem Coaching und der Prozessgestaltung in Unternehmen, der Kommunikationswissenschaft und der Psychologie.

Diese Vielfalt entstand bei vielen von uns aus Lebensbrüchen, die bewältigt und für den weiteren Weg erfolgreich genutzt wurden. Auch dadurch wissen wir in der Beratung unserer KlientInnen und KundInnen recht genau, wie schwierig deren aktuelle Lebenslage sein kann und können authentisch aufzeigen, dass und wie ein Weg daraus führen könnte.

Wir haben Menschen im Team, die beides sind – Spezialisten und Generalisten – und das erzeugt in unserem kleinen Unternehmen eine enorme Vielfalt an einander ergänzendem Wissen, an Ideen, Herangehensweisen und Impulsen. Die Steuerung und die stra­tegische Ausrichtung des von Vielfalt getragenen Unternehmens malt|harms GmbH erfolgt im Team über flache Hierarchien und einen kooperativen Führungsstil.

Frau Malt und Frau Harms haben beide eine Ausbildung im Bereich Managing Diversity abgeschlossen. 2009 unterschrieb die Firma die „Charta der Vielfalt“, um auch nach außen zu zeigen, dass Diversität in der Firma gelebt wird.

Diversität zuzulassen hat, so unsere Überzeugung, für alle Beteiligten materielle und immaterielle Vorteile. Sie liefert vielfältige Überraschungen und bereichert unser Erleben in einer Welt, die uns vor immer neue Herausforderungen stellt. „Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Windmühlen und die anderen Mauern“, sagt ein chinesisches Sprichwort. Wir bauen unsere Windmühlen aus den Werkstoffen Offenheit, Vertrauen und Vielfalt.