Lieber Herr Kupetz, als studierter Industriedesigner und Produktexperte wissen Sie über Corporate Design Prozesse bestens Bescheid. Doch allgemein gefragt: Wie wichtig ist Design in der Industrie und in den heutigen Büros?

Die Bedeutung von Design als entscheidendes Instrument für die Markenpositionierung ist in der Industrie keine neue Erkenntnis. Im anhaltenden War of Talents ist die attraktive Arbeitsraumgestaltung für Unternehmen allerdings zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor geworden. Dabei ist die Rolle des Designs nicht allein aufs Ästhetische zu reduzieren.

Design hilft dabei, Arbeitsprozesse und -strukturen abzubilden. Und es ist der entscheidende Hebel, wenn es darum geht, Veränderungen zu visualisieren und bisherige Konzepte zu hinterfragen. Daher überrascht es nicht, dass das Modernisierungstempo einer Organisation mit der Qualität der räumlichen Gestaltung korreliert. Ebenso steigen die Arbeitgeberattraktivität und gelebte Zusammenarbeit in Unternehmen mit gelungener Raumgestaltung.

Inzwischen konkurrieren vielfältige Konzepte wie Bürolandschaften, Open Spaces oder neuerdings der „Multispace“. Welches der Konzepte dabei das richtige ist, muss jedes Unternehmen für sich beantworten. Der Trend geht aber eindeutig zu flexiblen Ökosystemen mit einer möglichst großen Bandbreite an Raumoptionen.

Der Mitarbeiter ist das Fundament für ein erfolgreiches Unternehmen. Kann Design das Bewusstsein, die Effizienz und die Leistung des Mitarbeiters beeinflussen, vielleicht sogar steigern oder senken?

Gutes Design hat die Kraft, Arbeitsumgebungen attraktiv und zugleich produktiv zu gestalten. Davon profitieren auch die Unternehmen: Die Gestaltung der räumlichen Umgebung hat einen direkten Einfluss auf die Qualität und auch Effizienz der Arbeit. Dabei geht es nicht einfach um die Ergonomie des Bürostuhls oder die gemessene Helligkeit über dem Schreibtisch. Gestaltung, Layout und Atmosphäre der Räume unterstützen Arbeitsprozesse und entscheiden darüber, ob sich Mitarbeiter gerne darin aufhalten, wie sie miteinander kommunizieren und auch wie konzentriert und gut sie arbeiten.

Wir verbringen bis zu 70% des Tages auf der Arbeit. Der Arbeitsplatz wird daher wie man bekanntlich sagt „zum zweiten zu Hause“. Doch sollte man sich wie zu Hause fühlen? Oder sollte der Arbeitgeber die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben deutlich ziehen?

Dazu gibt es natürlich unterschiedliche Ansichten. Ich persönlich bin ein Freund der Trennung von „Arbeit“ und „Zuhause“, da es Räume sind, in denen wir unterschiedliche Rollen innehaben. Aber hinter dem Bild des „sich zu Hause Fühlens“ steckt dennoch eine wichtige Aussage: Wir assoziieren mit unserem Zuhause offene Kommunikation, Selbstbestimmung und Zufriedenheit. Wenn es einem Unternehmen gelingt, diese Werte in einer gestalteten und gelebten Arbeitskultur zu verankern, dient das ganz sicher auch den Unternehmenszielen.

Die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben kann am Ende jedoch nur das Individuum ziehen.

Noch eine abschließende Frage: Wo liegt der Unterschied zwischen innovativer Architektur und einem modernen Design? Und welcher Faktor wird in Zukunft die größere Rolle für Unternehmen und Mitarbeiter spielen?

Wenn wir über gelungene Unternehmensarchitektur sprechen, denken wir in der Regel an die Außenansicht eines Gebäudes. Ein Unternehmen kann sich über innovative Architektur als attraktiver Arbeitgeber oder als innovativer Player positionieren und damit wichtige Markenwerte transportieren. Wie diese in die Innenräume übersetzt werden, ist dann Aufgabe des Designs. Da es hier in erster Linie um Lösungen für pragmatische Funktionen geht, steht ein effizienzgesteuerter Ansatz im Vordergrund. Als Steuerungsmoment für Organisationveränderungen ist das Design der Arbeitsraumgestaltung aber gerade im aktuellen Transformationsgeschehen der Wirtschaft entscheidend.

Unsere ICONIC AWARDS: Innovative Architecture und Innovative Interior sind in dieser Hinsicht hervorragende Gradmesser. Hier werden Jahr für Jahr herausragende Lösungen in ganzheitlicher Architektur und Interior Design ausgezeichnet, an denen der Fortschritt der Branche sichtbar wir