Sie haben sich entschlossen, in die Fußstapfen Ihres Vaters zu treten. Wie kam es dazu?

Ich möchte das ein bisschen differenzieren, denn es sind ja nicht die traditionellen Fußstapfen, in die man tritt, denn so hinterlässt man ja keinen eigenen Fußabdruck. Mit holzgespür habe ich ein eigenes Geschäftsmodell aufgesetzt, das die traditionelle Tischlerei für die Zukunft aufstellt.

holzgespür ist eine Onlineplattform, auf der wir hochwertige Massivholztische und Designs anbieten, die man im 3-D-Konfigurator individualisieren kann. Doch das eigentlich Besondere an holzgespür ist, dass die Kunden von A bis Z in die handwerkliche Herstellung miteinbezogen werden.

Wie kann man sich das genau vorstellen?

Wir spielen das mal durch.

Gern.

Was ist Ihr Lieblingsholz?

Eiche.

Mögen Sie das Holz eher lebhaft, also mit Astlöchern und Verwirbelungen, oder sind Sie eher der Typ, der eine schlichte, gradlinige und edle Eiche möchte?

Die natürliche Eiche wäre mein Favorit.

Jetzt würden mein Vater und ich in unser Holzlager gehen und versuchen, zwei Eichenstämme zu finden, die genau Ihren Vorstellungen entsprechen. Dann würden wir nur für Sie eine Videobotschaft drehen, bei dem mein Vater die Baumstämme anhobelt, damit das Leben im jeweiligen Stamm für Sie sichtbar wird.

Wenn man in einem Handwerksbetrieb aufwächst, wird man davon auch geprägt.

Er erklärt kurz, woher der eine oder andere Stamm kommt, wie er gewachsen ist und was charakteristisch für diesen Stamm ist. Danach wird das Video für Sie ins Internet, auf unsere Onlineplattform, hochgeladen. Sie können sich das Video mit Ihren Zugangsdaten ansehen und uns sagen, welcher Baumstamm es sein soll. Erst danach beginnen wir, Ihren Esstisch aus Eiche zu bauen.

Da bekommt man doch Lust auf einen Eichentisch.

(Lacht)

Woher kommt Ihre Affinität zum Internet und Ihr gutes Gespür für die digitale Welt?

Wenn man in einem Handwerksbetrieb aufwächst, wird man davon auch geprägt. Ich wollte anfangs dort erst einmal weg, bin in eine große Stadt gezogen, habe studiert, bin viel gereist und habe auch ein Jahr in China gelebt.

Mein Ziel ist es, holzgespür als Plattform aufzubauen, auf der sich Tischler und Schreiner zusammentun.

Dann kam die „Back to the Roots“-Sehnsucht und ich bin zurückgekehrt – und habe die Tischlerei meines Vaters dann auch mit anderen Augen gesehen. Das Thema Massivholz und die traditionelle handwerkliche Fertigung haben mich begeistert, und dass das Thema Digitalisierung keine Verankerung fand, hat mich gewurmt. So kam die Idee für holzgespür.

Wie geht die Branche damit um? Bekommen Sie Gegenwind?

Es gibt verschiedene Winde, die mir entgegenkommen. Rückenwind bekomme ich vor allem von den Tischlern, die realisiert haben, dass Digitalisierung Zukunft bedeutet. Gegenwind kommt eher von den Tischlern, die ihre grüne Wiese, auf der sie arbeiten, nie verlassen haben und das auch nicht wollen. Diese Tischler belächeln mich, doch das ist auch in Ordnung. Ich möchte schließlich nicht alle aus der Branche bekehren, sondern ein Zukunftsmodell aufbauen.

Wie geht es mit holzgespür weiter?

Auf jeden Fall online (lacht).

Mein Ziel ist es, holzgespür als Plattform aufzubauen, auf der sich Tischler und Schreiner zusammentun und ihre Produkte präsentieren können, damit wir zusammen, mit geballter Power im Internet wahrgenommen werden.

Viele scheuen sich davor, in den klassischen Handwerksberufen zum Gründer zu werden. Welche Tipps können Sie besonders Leserinnen mit auf den Weg geben?

Das Schöne an der Digitalisierung ist, dass man viel ausprobieren und schnell lernen kann. Ich kann nur an den Mut appellieren – wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Information

Mehr über holzgespür finden Sie auf www.holzgespuer.de.