Ein Gesetz, das für KMU gemacht wurde und das kaum jemand kennt.

Im Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und Prävention (Präventionsgesetz – PrävG Inkraftgetreten am 25. Juli 2015) §20b werden folgende für KMUen sehr wichtige Neuerungen veröffentlicht:

Die Krankenkassen fördern mit Leistungen zur BGF insbesondere den Aufbau und die Stärkung gesundheitsförderlicher Strukturen (hierzu Erhebung von Risiken und Potenzialen). Die Kassen sollen Unternehmen dabei unterstützen, gesunde Mitarbeiterführung zu etablieren, dabei mit Unfallkassen, BGen und der gesetzlichen Rentenversicherung zusammenarbeiten.

Hierfür müssen die Krankenkassen mindestens 2 Euro pro Versicherter/em ausgeben. Gefördert dürfen nur Projekte werden, die den genannten inhaltlichen Schwerpunkten folgen und den Qualitätskriterien der Spitzenverbände von Krankenkassen und Unfallkassen folgen. Besonders Klein- und Mittelbetriebe sollen mehr in den Fokus der KK-Leistungen kommen. Zusammen ergeben diese Mittel etwa 150 Millionen pro Jahr. Zusätzlich sollen von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Best Practise Projekte mit 35 Millionen pro Jahr gefördert werden.

Die Förderung nach den genannten Bedingungen ist für die Krankenkassen verpflichtend. Auch gilt nicht mehr wie früher der Einwand, die Krankenkassen dürften nur eigene Mitglieder fördern.

Das Neue ist die Förderung der Arbeitsfreude und die Steigerung des Selbstvertrauens

Ziel des Gesetzes ist es tatsächlich, gerade KMUen  für die Folgen der demografischen Veränderungen in Deutschland fit zu machen. Nicht mehr nur die Arbeitssicherheit zählt, sondern insbesondere die sogenannten Gesundheitspotenziale: zb. Lernmöglichkeiten, Anerkennung, Identifikationsmöglichkeiten, eine ausgeglichene Work-Life-Balance, alles psychologische Faktoren, die in der Regel mit einer guten Mitarbeiterführung einhergehen. Das Neue ist hierbei der Bezug zur Gesundheit.

Nicht mehr nur Abwesenheit von Krankheit macht Gesundheit aus, sondern alles, was beim Arbeiten die Arbeitsfreude steigert und das Selbstvertrauen stärkt. Das können von Unternehmen zu Unternehmen ganz unterschiedliche Faktoren sein, wesentlich ist deshalb, dass im Rahmen eines BGM Projektes immer erst eine Bestandsaufnahme zusammen mit den Mitarbeitern gemacht - wird am besten durch eine professionell durchgeführte Befragung.

Oft wird hier der Einwand gebracht, Befragungen, Gesundheitsberichte etc seien nur für Großunternehmen geeignet, ein Gerücht, was sich recht hartnäckig hält. Das Gegenteil ist der Fall: BGM muss für Großunternehmen aufwändig organisiert werden mit der Etablierung von Steuerkreissitzungen, der Beschäftigung von Fachkräften und Stabsstellen. Dieser Aufwand ist bei KMU nicht notwendig. Hier kann man sich in KMU Netzwerken sogar die Kosten für Dienstleistungen wie Befragungen oder Moderation von Netzwerktreffen teilen und selbstverständlich auch die Erfahrungen, die man dort austauschen kann.

Dr. Seitz, Chef von Moll Marzipan Berlin mit knapp 100 Mitarbeitern typisches KMU, seit 11 Jahren Betreiber eines sehr aktiven BGM Projektes dazu: „Ist doch klar, wir können hier Sachen machen, das können die Großen gar nicht“ Als eines der vielen Beispiele nennt er den Kleiderreinigungsservice, den die Firma für Mitarbeiter übernehmen, die Teile ihrer Freizeit für Überstunden geben, wenn diese notwendig sind. Solche und viele andere sind Beispiele der Steigerung des Wohlbefindens für die Mitarbeiter, die alle immer auf der Basis von Befragungen systematisch in die Planung von BGM einbezogen werden.

Und lohnt sich das? Seitz macht eine einfache Rechnung auf: Vor 11 Jahren gab es einen Krankenstand von 14 %, das waren damals 11 Mitarbeiter, die das ganze Jahr über krank waren, heute beträgt der Krankenstand 1,5 bis 2%. Das sind knapp 2 Mitarbeiter, die das ganze Jahr über krank sind. Die durchschnittlichen Personalkosten betragen 50 000 Euro pro Mitarbeiter und Jahr. Hier bei sind die bis zu 60%igen Produktivitätssteigerungen noch nicht berücksichtigt.

Wenn man dann noch bedenkt, dass die Krankenkassen solche Projekte bis zu 80 % der Kosten fördern sollen, fragt man sich, warum die Nachfrage nur bei ca 20 % der Unternehmen hierfür vorhanden ist. Bei einem Aufwand von ca 25 000 pro Jahr ergeben sich Einsparungen und Produktivitätssteigerungen von ca 600 000 Euro. Das glaubt niemand obwohl es den Tatsachen entspricht.