Einmal die Straßenseite wechseln und er ist da. Grupps Arbeitsplatz liegt nicht etwa hinter verschlossenen Türen. Sein Schreibtisch steht am Kopf eines Großraumbüros. Zusammen sitzt er dort mit 32 Verwaltungsangestellten. Er wolle jederzeit für seine Mitarbeiter ansprechbar sein, sagt Grupp zur Begründung. „Ich brauche meine Mitarbeiter und manchmal brauchen sie auch mich.“ Es ist diese Haltung als pflichtbewusster Firmeninhaber, die Grupp zu einem der bekanntesten Unternehmer in Deutschland gemacht hat.

Herr Grupp, „Made in Germany“ – was bedeutet das für Sie?

„Made in Germany“ steht für Zuverlässigkeit, Genauigkeit, Pünktlichkeit und vor allem Qualität. Dies macht Trigema sich zunutze. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen produziert Trigema ausschließlich in Deutschland.

Warum halten Sie am Standort Deutschland fest?

Ich kenne keinen besseren Standort als mein Heimatland! Und es ist Aufgabe der Unternehmer, den Standort Deutschland positiv zu nutzen. Zudem bietet Deutschland eine gute Infrastruktur und zuverlässige Mitarbeiter. Unsere Angestellten feiern nicht selten 40- oder sogar 50-jährige Dienstjubiläen, sind also seit ihrer Ausbildung in unserem Haus tätig. Auf sie kann man sich verlassen.

Deshalb garantiere ich auch den Kindern unserer Mitarbeiter einen Arbeitsplatz nach dem Schulabschluss.

Waren Sie nie in Versuchung, die Produktion ins Ausland zu verlegen?

Nein, nie!

Warum?

Nach der Verlagerung gingen viele pleite wie Schiesser, Steilmann und andere deutsche Textilunternehmen. Ich hingegen habe seit 45 Jahren kein einziges Geschäftsjahr mit Verlust abgeschlossen. Gibt es ein besseres Argument?

Das ist wirklich unschlagbar. Und wenn Sie sich andere Textilunternehmen anschauen?

Wenn man sich also andere deutsche Textilunternehmen anschaut, glaube ich, dass es keiner Firma nach der Produktionsverlagerung ins Ausland besser ergangen ist als vorher. Die meisten sind sogar von der Bildfläche verschwunden.

Vom Garn bis zum fertigen Kleidungsstück – findet die Produktion komplett im eigenen Haus statt?

Ja, das ist richtig.

Bitte erläutern Sie die Vorteile.

Die Produktion sprichwörtlich vor der Nase zu haben, hat viele Vorteile. Einer der größten ist wohl die perfekte Qualitätskontrolle. Zwischenzeitlich beträgt die Wertschöpfung über vier Produktionsstufen 78 Prozent. Der Einkauf im Unternehmen nur 22 Prozent.  

Denken Sie, dass dies das Rezept zum Erfolg ist?

Das ist möglich. Aber Erfolg zu haben, ist keine Kunst. Durchzuhalten, das ist die Kunst!

Stellen Sie Werksverkauf und Onlineshopping in den direkten Vergleich. Was ist erfolgreicher?

Überrascht hat mich anfangs, dass der Verbraucher bereit ist, Kleidung online zu bestellen, ohne sie anprobieren zu können. Doch wir verzeichnen zweistellige Zuwachsraten bei Online-Bestellungen, allein 30 bis 40 Prozent im letzten Jahr. Doch nach wie vor sind auch die Testgeschäfte erfolgreich. Oft läuft es so: Der Kunde kauft das erste Mal in einem der 45 Testgeschäfte ein. Und wenn der Kunde erst einmal seine Größe kennt  und sich von unserer Qualität überzeugen konnte, bestellt er online nach.

Haben Sie eigentlich ein persönliches Lieblingskleidungsstück von Trigema?

Ja, unsere Unterwäsche. (lacht) Und zwar die Microfaser-Slips, die den schönen Namen „Samthaut“ tragen.

Samthaut - habe ich das richtig verstanden?

Richtig gehört. Dieser schöne Name kommt daher, weil sich diese Kollektion anfühlt wie eine zweite Haut. Man merkt gar nicht, dass man Unterwäsche trägt.

Welchen Rat würden Sie anderen Unternehmen geben?

Ich würde Ihnen raten, die vielen Vorteile des Standorts Deutschland zu nutzen und die sehr wenigen Nachteile in Kauf zu nehmen – und nicht umgekehrt.

Vielen Dank für das interessante Gespräch.