Diese Frage hat sich vor rund zehn Jahren ein Planerteam aus Aachen gestellt und den Grundstein für ein neues Denken rund um den Neubau von Bürogebäuden gelegt.

Mit 30 Cent pro Quadratmeter für Gebäudeenergiekosten ist dieses Gebäude das energieeffizienteste Bürogebäude Deutschlands

Mit dem Balanced Office Building, kurz BOB, wurde in Aachen der Prototyp für eine Serie von Bürogebäuden gebaut, die künftig immer dieselben nachhaltigen Eigenschaften und im Kern dieselbe Technik haben sollen, obwohl ihre Architektur immer anders aussieht. Mit einem integrierten System, so das Zauberwort, kann der Energieverbrauch des Gebäudetyps minimiert und können auch die sonstigen Nebenkosten in Schach gehalten werden. Diese belaufen sich beim Bürogebäude in Aachen gerade einmal auf 1,60 Euro pro Quadratmeter und Monat.

Gebäudeenergiekosten, also für Heizung, Kühlung, Lüftung und Beleuchtung, liegen, von Experten nachgemessen, bei rund 30 Cent pro Quadratmeter. Vergleichbare Neubauten haben etwa mindestens den doppelten Energieverbrauch. Damit ist dieses Gebäude das energieeffizienteste Bürogebäude Deutschlands. Welches Geheimnis liegt hinter dieser Effizienz?

Im Umkehrschluss heißt das, dass viele moderne Gebäude nicht richtig funktionieren und weitaus mehr Energie verbrauchen als von den Experten geplant.

Dr. Bernhard Frohn, Vorstand der Aachener BOB AG, sagt dazu: „Systemintegration und das Denken im Lebenszyklus sind die Schlüssel für zukunftsfähige funktionierende Gebäude. Wenn wir es schaffen, die Einzelsysteme sinnvoll auszuwählen und mit einer passenden Steuerungssoftware miteinander zu verbinden, dann sind Gebäude wie BOB möglich.“

Im Umkehrschluss heißt das, dass viele moderne Gebäude nicht richtig funktionieren und weitaus mehr Energie verbrauchen als von den Experten geplant. Da sind Räume im Sommer überhitzt oder im Winter gibt es kalte Füße. Besonders schlimm wird es, wenn Automatisierung den Menschen im Gebäude Dinge aufzwingt, die sie gar nicht haben möchten. Das ist zum Beispiel bei einer automatischen Verdunkelung der Fall oder wenn die Fensterlüftung nicht möglich ist.

Anders als bei einem als Unikat gebauten Gebäude können wir Fehler im System schnell erkennen und beseitigen.

Bei der Systemintegration geht es zunächst darum zu erfassen, wie sich ein Baukörper ohne jede Technik und Nutzung im Verlauf der Jahreszeiten verhält. Nun kommt es darauf an, die spätere Nutzung zu simulieren und eine Technik einzubauen, die möglichst einfach funktioniert und im Detail aufeinander abgestimmt ist. Mit einer speziellen Software, die die Steuerung der einzelnen Komponenten übernimmt, wird aus der Ansammlung isolierter Einzelsysteme ein schlüssig funktionssicheres Gesamtsystem.

„Bei unserem Serienprodukt haben wir die Systemintegration weit vorangetrieben. Anders als bei einem als Unikat gebauten Gebäude können wir Fehler im System schnell erkennen und beseitigen. Denn wenn eine Komponente nicht passt, wird sie ersetzt.“

Bei der Fehlererkennung hilft ein sogenanntes Gebäude-Monitoring. Spezielle Fühler messen ständig Energieverbräuche und Temperaturen. Dies führt einerseits dazu, dass Fehler sofort entdeckt werden, andererseits ermittelt das Gebäudesystem Daten, die es für die Steuerung des Gebäudes benötigt. All das hat mit dem Gebäude des 20. Jahrhunderts wenig zu tun, als es nur darum ging, mit einem Öffnungsventil die Heizung auf- oder zuzudrehen. Heute ist vieles digital und vernetzt.

„Das Bürogebäude der Zukunft entsteht in fairen Prozessen, regionalen Netzwerken und nach klaren technischen Vorgaben."

Mit dem Gebäudesystem wird sich auch das Bauen ändern können. Denn beim Bauen von Unikaten werden stets Teams aus Architekten, Planern, Bauunternehmen und Handwerkern neu zusammengestellt, die nach immer neuen Plänen und mit wechselnden Materialien und Bauteilen Gebäude neu erfinden. Bei so vielen wenig eingespielten Akteuren entstehen viele Risiken und oft auch Fehler.

Beim Bau eines Systems, so verspricht es zumindest Bernhard Frohn, sind die Karten neu gemischt: „Das Bürogebäude der Zukunft entsteht in fairen Prozessen, regionalen Netzwerken und nach klaren technischen Vorgaben. Wenn der Architekt das Bürogebäude designt hat, läuft ein immer gleicher Prozess ab, der wenig Ansätze für den üblichen Streit und Probleme auf Baustellen bietet.“

Ein Gebäudesystem weist aber noch weitere Vorteile auf. Viele Abläufe im Betrieb können rationalisiert und viele auf die Zukunft ausgerichtete Services angeboten werden. Bei dem Aachener Bürogebäudesystem sind Module vorgesehen, die beispielsweise die Organisation von Mobilität rund um Dienstreisen und Dienstfahrten nachhaltig organisieren oder Ladestationen für Elektroautos vorsehen. Aber auch die Integration von Kinderbetreuungseinrichtungen ist möglich.

Nachhaltige Bürogebäude sind aber nicht nur energieeffizient und umweltfreundlich, siie bieten vor allem optimale Bedingungen für ein gesundes Arbeiten.

Wichtiger Aspekt für die Weiterentwicklung des Systems ist: Jede Dienstleistung oder Technik wird für eine Serie entwickelt und die Entwicklungskosten dann auf jedes einzelne Gebäude umgelegt. Damit können Innovationen schneller in Bürogebäude integriert und zu günstigen Kosten angeboten werden.

Nachhaltige Bürogebäude sind aber nicht nur energieeffizient und umweltfreundlich. Sie bieten vor allem optimale Bedingungen für ein gesundes Arbeiten. Hier kommt es darauf an, dass auch für die immer älter werdenden Arbeitnehmer gute Bedingungen geschaffen werden.

Aber auch junge, leistungsstarke und kreative Mitarbeiter benötigen angenehme Arbeitsbedingungen, um schaffensreich arbeiten zu können. Die Arbeitswelten wandeln sich in Zukunft sehr stark. Ein Bürogebäude-System kann hier ökonomisch sinnvolle Antworten liefern und seine Wandelbarkeit voll zur Wirkung kommen lassen.