Bei erneuerbaren Energien liegen die ostdeutschen Länder im Bundesvergleich sowohl bei der Nutzung als auch beim Aufbau von Technologie- und Wirtschaftsstrukturen vorn. Ziele für den Ausbau erneuerbarer Energien wurden dort bereits 2013 teilweise übertroffen.

Die Akteure in Ostdeutschland haben diese Chance ergriffen.

Mecklenburg-Vorpommern erreichte 2014 als bundesweiter Spitzenreiter einen Selbstversorgungsgrad von 112 Prozent mit regenerativem Strom. Der Anteil der Beschäftigten in der Erneuerbare-Energien-Branche Ostdeutschlands lag 2014 bei durchschnittlich 1,4 Prozent und damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 0,9 Prozent. 2013 waren rund 91.000 Menschen in der regenerativen Energiewirtschaft Ostdeutschlands beschäftigt.

Erneuerbare Energien in Ostdeutschland sind eine Erfolgsgeschichte. Nach der Vereinigung gelang es den ostdeutschen Bundesländern Anfang des Jahrtausends, hier eine Vorreiterrolle aufzubauen. Während der Strukturwandel in „alten“ Industriezweigen überwiegend als „Nachbau West“ gestaltet wurde, gab es für die gerade anrollende Energiewende keine etablierten Strukturen und Muster. Die Akteure in Ostdeutschland haben diese Chance ergriffen. Durch systematische Nutzung der erheblichen Flächen- und landwirtschaftlichen Potenziale, gut ausgebildete Fachkräfte, günstige Förderbedingungen und ehrgeizige Landesstrategien haben sie die Entwicklung, Herstellung und Anwendung der Erneuerbare-Energie-Technologien vorangetrieben sowie Kompetenz und Wertschöpfungsketten aufgebaut.

Trotz Konjunkturflauten und Marktbereinigung sind die in dieser Zeit entstandenen Technologiecluster als Wirtschaftsstandorte etabliert. So gehören etwa die Windkraftanlagenhersteller in Magdeburg und Lauchhammer zu den Marktführern, das mitteldeutsche Solar Valley präsentiert sich als Kompetenzzentrum für Photovoltaik.

Im Bundesländervergleich haben Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen ihre Spitzenplatzierungen mittlerweile an Bayern und Baden-Württemberg abgeben müssen.

Landesweite Clusterinitiativen unterstützen die Ausrichtung der Branchen auf Zukunftsthemen der Energiewende wie Energieeffi-
zienz, Speicher, Power-to-X, Kombikraftwerke, sektorübergreifende Vernetzung der Energieerzeugung und -nutzung sowie Digitalisierung.

Doch der Wettbewerb ist hart. Im Bundesländervergleich haben Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen ihre Spitzenplatzierungen mittlerweile an Bayern und Baden-Württemberg abgeben müssen. Angesichts der anhaltenden Struktur- und Kapitalschwäche in Ostdeutschland, steigender Marktorientierung der Erneuerbaren und internationalen Konkurrenzdrucks sind somit verstärkte Anstrengungen erforderlich.

Der Pfadwechsel zur regenerativen Energiewirtschaft sollte sehr konsequent weiterverfolgt werden – gerade angesichts des „Braunkohlenerbes“ in Brandenburg und Sachsen. Landespolitiken können die aufgebauten Strukturen nutzen und Ostdeutschland als Wissenschafts- und Technologiestandort für erneuerbare Energien weiterentwickeln. Eine wichtige Rolle spielt hierbei die Förderung anwendungsorientierter Forschung.

Ostdeutsche Forschungsinstitute sind bereits heute in bundesweiten Forschungsprogrammen gut vertreten, beispielsweise in den „Kopernikus-Projekten für die Energiewende“, in denen zukunftsweisende Konzepte für neue Netzstrukturen, Industrieprozesse und zur Systemintegration entwickelt werden. Im F&E-Vorhaben „WindNODE: Das Schaufenster für intelligente Energie aus dem Nordosten Deutschlands“ arbeiten Institute aus allen ostdeutschen Bundesländern daran, über ein „Internet der Energie“ Erzeugung und Verbrauch erneuerbarer Energie optimal aufeinander abzustimmen.

Chancen liegen ferner in einer konsequenten Zusammenarbeit der ostdeutschen Bundesländer untereinander und mit Akteuren aus Wirtschaft, Verwaltung, Bürgerschaft und Politik, die die Energiewende in Ostdeutschland „von unten“ vorantreiben.
Klimaschutz-Kommunen, Erneuerbare-Energien-Regionen, (Bio-)Energiedörfer und Bürgerenergie-Genossenschaften mobilisieren lokales Kapital, entwickeln standortgerechte Konzepte und können auf den Rückhalt in der Bevölkerung bauen. Ini-
tiativen zur Stärkung der Bürgerenergie wie jüngst von Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt im Bundesrat haben hier eine wichtige Unterstützungs- und Signalfunktion.

Mit diesen Rahmenbedingungen bietet Ostdeutschland Unternehmen, die in Zukunftsmärkte investieren und sich für die Energiewende engagieren wollen, ein interessantes Umfeld.