In Ihrer Unternehmensberatung wenden Sie sich verstärkt dem Facility Management zu. Warum ist Ihnen das Thema so wichtig?

Wir engagieren uns vor allem in den Bereichen Energie und Energieeffizienz. Milliarden Menschen in China, Indien und Brasilien streben danach, unseren Lebensstandard zu erreichen. Sie wollen Autos, Häuser, Flugreisen und vieles mehr. Das ist ihr gutes Recht, für den weltweiten CO2-Ausstoß aber ein Riesenproblem.

Um dieses Dilemma aufzulösen, gibt es nur einen Weg: Emissionen und Wirtschaftswachstum entkoppeln. Und dazu liegt der Schlüssel in der massiven Steigerung der Energieeffizienz. In diesen Belangen kann gutes Facility Management helfen.

Was ist die zentrale Aufgabe des FM?

In erster Linie soll es den Ressourcenverbrauch minimieren, dabei denke ich vor allem an Energie. Nachdem wir jahrzehntelang über Personalkosten geredet haben, wird es Zeit, sich verstärkt dem Kostenblock Energie zu widmen. Hier gilt es, Energie zu sparen, ohne Komfort zu verlieren. Es kann ja nicht der Sinn eines modernen Facility Managements sein, dass in einem Bürohaus frierende Angestellte im Schummerlicht hocken. Aber die ineffiziente Pumpe austauschen und die Beleuchtung auf LED umstellen, das ist sinnvoll.

Und rechnet sich das ökonomisch?

Meistens. Man muss nur gut hingucken. Da liegt ein Schatz, der gehoben werden möchte. Eines der Unternehmen, die wir beraten, die Firma Imtech, optimiert beispielsweise gerade bundesweit Filialen der deutschen Post. Die garantieren ein Viertel Energieeinsparung, ohne dass der Auftraggeber einen Cent investiert. Das finde ich schon ziemlich rentabel und damit ökonomisch eigentlich ein Muss.

Aber zunächst einmal kann es sehr kostspielig werden.

Ja, das kann es. Aber wichtig ist doch die Rendite. Wenn die Maßnahme mit Zinsen am Ende durch die Energieeinsparung locker finanziert wird, geht die Rechnung auf. Und wenn man ein Investitionsproblem hat, gibt es Modelle wie das Contracting, bei dem der Dienstleister die Investition übernimmt. Allerdings muss man schon mit einer etwas langfristigeren Perspektive ans Werk gehen. Man darf nicht erwarten, dass sich eine neue Heizungsanlage, die 15 Jahre hält, nach drei Jahren amortisiert hat.

Und was kann FM unter ökologischen Gesichtspunkten bewirken?

Jeder eingesparte Euro spart auch CO2. Schätzungen zufolge können alleine im Strombereich in Deutschland zehn große Kraftwerke durch Effizienzmaßnahmen eingespart werden. Das wäre ein Riesenbeitrag zum Klimaschutz. Mittlerweile ist FM hierzulande zum viertgrößten Wirtschaftszweig geworden und nimmt fünf Prozent des Bruttoinlandsproduktes ein.

Wird die Branche weiterhin Wachstum erzielen können?

Jeder Wirtschaftszweig, der sich damit beschäftigt, wie wir ressourcenschonender produzieren und leben können, hat große Zukunftschancen. Das gilt insbesondere für Deutschland, das mit der Energiewende zum weltweiten Referenzmarkt für Energiefragen wird.

Welche Hürden hat die Branche zu nehmen?

Ich sehe zwei Hürden. Eine ist die Aufmerksamkeit für Energieeffizienz. Kurz gesagt: Wie mache ich das Thema sexy? So umwerfend sieht die neue Pumpe nicht aus, zumal sie im Keller steht. Deshalb muss die Facility- Management-Branche sehr klar kommunizieren, dass sie die Umwelt entlastet und dabei noch Kosten einspart.

Und sie hat eine uneingeschränkt positive Botschaft. Wer laut dröhnt, dass er die Lohnkosten erfolgreich um zwanzig Prozent gedrückt hat, wird dafür nicht nur Lob ernten. Das sieht bei Energie anders aus.

Und die zweite Hürde?

Das ist die Politik. Wenn ich sehe, welch unentschiedene Haltung die Bundesregierung zur Energieeffizienzrichtlinie der EU einnimmt, ärgert mich das schon. Einigen ist nicht klar, dass Energieeffizienz im Interesse der Wirtschaft liegt und wie wichtig sie für die Energiewende ist. Hier gilt wie in vielen anderen Bereichen: Wir haben die Chance, voran zu gehen. Wenn wir das nicht tun, dann tut es jemand anders.