Sie sind Hochschulprofessor an einer von mittlerweile über einem Dutzend Hochschulen in Deutschland, an welchen man den Studiengang Facility Management (FM) belegen kann. Welche Inhalte werden in diesem Studium gelehrt und wie unterscheidet er sich von klassischen Management- und Wirtschaftsstudiengängen?

Der Studiengang Facility Management kann als branchenspezifischer Wirtschaftsingenieur charakterisiert werden. Der Facility Manager ist in einem sehr komplexen Berufsfeld tätig, und im Studium muss man Verständnis für viele Teildisziplinen, wie Technik, naturwissenschaftliche Fragestellungen, rechtliche Themen, Betreiberverantwortung, Management, Investitionsrechnung, lebenszyklusübergreifendes Denken eines Gebäudes und vieles mehr, entwickeln.

Die Aufgabe eines Facility Managers ist sehr vielseitig und spannend, und genau das ist es auch, was diesen Beruf für viele junge Menschen so attraktiv macht. FM ist ein Beruf, der Zukunft hat, und mit seinen ingenieurwissenschaftlichen Inhalten weit mehr als ein Management- oder Wirtschaftsstudiengang.

Facility Management ist ein Beruf mit Zukunft und sehr facettenreich.

Welche Berufsbilder kann ein Facility Manager ausüben?

Diese sind sehr vielfältig. Ein Facility Manager kann in einem Planungs- und Beratungsunternehmen tätig sein, um von Anfang an bei der Gebäudekonzeption mitzuwirken und vorausschauend Dinge so zu gestalten, dass sie später im Betrieb möglichst effizient umgesetzt werden. Ein Facility Manager kann große Objekte leiten, in der Bewirtschaftung für einen Dienstleiter. Ein Facility Manager kann bei Softwareherstellern tätig sein, die spezielle FM-Software-Programme anbieten.

Das Feld ist sehr breit gefächert und die Branchen sind so vielfältig wie die Wirtschaft selbst. Von Industrie über Krankenhäuser bis hin zu Bildungseinrichtungen, in jedem Feld, wo Liegenschaften professionell bewirtschaftet werden sollen, braucht man zunehmend akademisch qualifizierte Facility Manager. Der Erfolg der Absolventen bestätigt, dass das Berufsbild marktgerecht gestaltet ist und stark gesucht wird.

Welche Anstrengungen unternimmt die GEFMA als größter Verband in dieser Hinsicht, um durch eine weitere Professionalisierung der Ausbildung von Mitarbeitern den Anforderungen der Wirtschaft gerecht zu werden?

Der Verband GEFMA hat sich von Anfang an zum Ziel gesetzt, fachliche Grundlagenarbeit zu leisten, also den Praktikern die Werkzeuge an die Hand zu geben, die notwendig sind, um ein effizientes FM in der Praxis darstellen zu können. Gleichzeitig hat er sich zur Jahrtausendwende darum gekümmert, Vorschläge für Ausbildungsgänge – auf verschiedenen Ebenen – zu machen.

Man spricht hier von der Bildungspyramide: von der Servicekraft über den Fachwirt bis hin zum FM-Studium. Es wurden Konzepte für diese neue Berufswelt erarbeitet, damit Facility Manager bestmöglich ausgebildet werden. GEFMA war eine wertvolle Hilfe für viele Bildungseinrichtungen und ist es nach wie vor, da die Richtlinien permanent den Marktsituationen angepasst werden.

Gibt es auch berufsbegleitende und Fernstudienmöglichkeiten?

Beim Bachelor haben wir Präsenzstudiengänge mit sechs bis sieben Semestern, also ein Vollzeitstudium. Doch es gibt zunehmend auch Masterstudiengänge an den Hochschulen, und diese sind neben dem Präsenzstudium zu einem großen Teil auch als Fernstudium beziehungsweise berufsbegleitendes Studium angelegt.

In der mittleren Ebene, der Fachwirtausbildung, sind die Ausbildungsgänge typischerweise berufsbegleitend. Man versucht also, im Sinne des lebenslangen Lernens, Weiterbildungsinteressierten maßgeschneiderte Angebote anzubieten.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Studienrichtung mit Spezialisierung auf FM, insbesondere die interdisziplinäre Ausrichtung, wie auch den Austausch mit Forschungseinrichtungen außerhalb Deutschlands?

Bisher ist es noch eine überschaubare Welt. Es gibt etwa 15 Hochschulen in Deutschland, die spezielle FM-Studiengänge haben und sich über das GEFMA-Professoren-Netzwerk intensiv deutschlandweit austauschen und auch gemeinsam Forschungsprojekte durchführen. Länderübergreifend gibt es EuroFM als internationales Netzwerk, wo es eine sehr starke Zusammenarbeit mit ausländischen Hochschulen gibt.

Welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht sowohl die Nutzung von neuen Technologien wie CAFM in der Praxis des FM als auch die Erforschung von neuen Nutzungsmöglichkeiten in den kommenden Jahren?

Gebäude digital zu erfassen und diese mit ihren Eigenschaften darzustellen, ist ein ganz wichtiges Werkzeug geworden, CAFM hat sich sehr stark etabliert. Was zunehmend Einzug hält, ist das Thema der Gebäudeautomation, die die Gebäude zunehmend mit intelligenter Technik ausstattet, um im Hinblick auf Energieeinsparung gerüstet zu sein. Auch hier ist der Bereich FM im Vormarsch, auch was die Unterstützung beispielsweise älterer Menschen angeht.

Das Schlagwort ist „Ambient Assisted Living“, was ein langes, selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden ermöglicht. Auch Fernwartung spielt eine Rolle, da mit modernen Technologien Servicetechniker vor Ort unterstützt werden können.