Wo früher Kohle abgebaut wurde, soll bis 2020 ein Musterquartier für Klimaschutz entstehen. Ziel ist ein klimagerechter Stadtumbau unter Berücksichtigung der Sicherung des Industriestandorts. Konkret sollen die CO2-Emissionen halbiert und die Lebensqualität soll gesteigert werden.

Damit das „Revier“ zum Vorzeigemodell für die Energiewende in den Städten von morgen wird, haben die Bottroper bereits über 300 Projekte angestoßen: Zechensiedlungen werden zum Beispiel energetisch modernisiert, ein Solaratlas verzeichnet die besten Sonnenlagen. Und wie sich Erdwärme speichern lässt, wird in einer Halde getestet. Die Idee zu dem Projekt InnovationCity Ruhr wurde im Initiativkreis Ruhr entwickelt, einem Zusammenschluss von rund 70 führenden Wirtschaftsunternehmen aus dem Ruhrgebiet.

Vom Energieverbraucher zum Energieerzeuger

Das Grundkonzept ist die „Energiewende von unten“. Das bedeutet, dass aus Haushalten, die bislang nur Energieverbraucher waren, nun auch Energieerzeuger werden. Energetische Modernisierungsmaßnahmen und der Einsatz innovativer Technologien, wie beispielsweise Kraft-Wärme-Kopplung, Stromspeicher und erneuerbare Energien, sparen Ressourcen und erhöhen die Energieeffizienz einzelner Gebäude und im Quartier.

Eine Vernetzung dieser Gebäude mithilfe intelligenter Energiemanagementsysteme führt dazu, dass lokal erzeugter Strom und Wärme an umliegende Gebäude abgegeben werden können.

Klimaschonende Flächennutzung

Darüber hinaus geht es beim klimagerechten Stadtumbau auch darum, den Güter- und Personenverkehr durch kürzere Wege zu verringern oder auf emissionsarme Verkehrsmittel zu verlagern. Auch ein lebenswerterer Stadtraum und eine klimaschonende Flächennutzung werden gefördert. Möglichen Folgen des Klimawandels soll durch die Begrünung des Stadtraums und die Optimierung des Wasserhaushalts begegnet werden.

Bottroper engagieren sich

Nachdem sich die Stadt Bottrop im Jahr 2010 in einem revierweiten Wettbewerb um die InnovationCity Ruhr durchgesetzt hat, konnten bereits innerhalb kurzer Zeit über 200 Projekte initiiert werden. Heute sind es bereits über 300 Einzelprojekte. Die verschiedenen Einzelprojekte und Maßnahmen lassen sich in folgende Handlungsfelder einteilen: Wohnen, Mobilität, Stadt, Arbeiten, Energie und Aktivierung.

Drei Beispielprojekte

Regenwasserbewirtschaftung

Während viele Städte noch teures und kostbares Trinkwasser zur Straßenreinigung verwenden, nutzt Bottrop Regenwasser. Über mehrere Dachflächen des Betriebshofs der Bottroper Entsorgung und Stadtreinigung (BEST) wird Regenwasser in einer unterirdischen Zisterne gesammelt, mit dem die städtischen Kehrmaschinen „betankt“ werden.

Verleihung von E-Fahrzeugen

Elektromobilität gilt als ein wichtiger Schlüssel zur CO2-Senkung und der lokalen Feinstaubbelastung in Städten. Jedoch stehen viele Verkehrsteilnehmer der Technologie kritisch gegenüber. Mit dem weitestgehend kostenlosen Verleih von elektrisch betriebenen Zwei- und Vierrädern werden Hemmschwellen in Bottrop abgebaut.

Dual Demand Side Management

Der zunehmende Ausbau regenerativer Energien kann zu teils erheblichen Kapazitätsschwankungen im Stromnetz führen. Diese Schwankungen müssen mit einer geeigneten Speichertechnik ausgeglichen werden.

Mit dem Projekt „Dual Demand Side Management“ wird zusammen mit der RWTH Aachen erforscht, wie Gebäude und Stadtquartiere selbst als intelligentes Speichersystem genutzt werden können, sodass sie sowohl mit einer zentralen, regenerativen Erzeugung als auch mit dezentralen Energieversorgungskonzepten kooperieren können.

Über weitere Projekte können Sie sich online informieren.

Neue Phase eingeläutet: Das Klimaschutzprojekt des Initiativkreises Ruhr zum klimagerechten Umbau eines Stadtquartiers soll über Bottrop hinaus für Impulse sorgen. Außer mit Gladbeck und Essen führt die Innovation-City-Management-Gesellschaft darüber mit weiteren Ruhrgebietsstädten Gespräche.

Gerade warf die Essener Filiale der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers mit Blick auf die Wirtschaftslage 2030 die Frage auf, ob auch das „Stadtumbauprojekt Innovation City als Energieeffizienz-Blaupause für das gesamte Ruhrgebiet?“ eine der Handlungsstrategien für eine bessere Zukunft sein wird.