Die Anfänge reichen mehrere Jahrhunderte zurück bis in die Hansezeit, als die Häfen in Wismar, Rostock und Stralsund wichtige Handelsorte im Ostseeraum waren. Die Seeumschlagplätze im ostdeutschen Küstenland sind heute bedeutende Verkehrsdrehscheiben zwischen Nord- und Mitteleuropa. Sie bilden mit einer modernen und leistungsstarken Hafeninfrastruktur und einem Güterumschlag von insgesamt 34,8 Millionen Tonnen (Jahresbilanz 2015) das Rückgrat der maritimen Wirtschaft im Nordosten.

Aktueller Erfolg: Ein türkischer Hersteller von Kunststoffrohren investiert derzeit in einen Werkneubau auf dem Hafengelände und schafft 70 neue Arbeitsplätze

Primus unter den umschlagstärksten Häfen in MV ist der Seehafen Rostock. Im größten Universalhafen an der deutschen Ostseeküste wurden im vorigen Jahr 25,1 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen. Davon entfielen 60 Prozent auf die rollende Ladung im Fähr- und RoRo-Verkehr. Es bestehen Liniendienste nach Dänemark, Schweden und Finnland. Der Hafen fungiert mit seinen Short-Sea-Verbindungen über die Ostsee als Scharnier auf der europäischen Nord-Süd-Achse und ist unmittelbar an das kontinentale Autobahn- und Gleisnetz angebunden.

Direkte Hinterland-Anbindungen auf der Straße und Schiene haben auch den Seehafen Wismar in den Fokus internationaler Frachtströme gerückt. Der zweitgrößte Hafen im Land kann seit Jahren auf stabile Umschlagzahlen verweisen. 2015 gingen 3,7 Millionen Tonnen Güter über die Kaikante. Hauptgutarten des Universalhafens sind Forst- und Holzprodukte sowie Kali und Salze.

Kontinuierlich wird zum Beispiel Rundholz aus dem Ostseeraum und Russland angelandet, das von den Unternehmen im hafennahen Wismarer Holz-Cluster verarbeitet wird. Um sich auch in Zukunft im hart umkämpften Ostseeverkehr behaupten zu können, haben die Häfen Rostock und Wismar die Vertiefung der seeseitigen Hafenzufahrten im neuen Bundesverkehrswegeplan beantragt. Die Abfertigung größerer Schiffe ist ein entscheidendes Kriterium, um perspektivisch die Umschlagmengen zu steigern.

Denn die Seehäfen bewegen sich in einem sehr flexiblen und stark schwankenden Frachtmarkt. Der Fährhafen Sassnitz auf der Insel Rügen hat daraus strategische Konsequenzen gezogen. Seit einigen Jahren ist der Fährverkehr von Sassnitz nach Schweden sowie ins Baltikum und nach Russland rückläufig.

Der östlichste deutsche Tiefwasserhafen gehört neben den Seehäfen Rostock und Wismar sowie Stralsund und dem Rostocker Fracht- und Fischereihafen zwar weiterhin zu den fünf „Umschlagmillionären“ in MV. Seit geraumer Zeit aber profiliert sich der maritime Standort an der Ostküste Rügens als Basis- und Servicehafen für die Errichtung und Wartung von Offshore-Windparks in der Ostsee.

Ebenfalls ganz oben auf der neuen Agenda steht die Ansiedlung von produzierendem Gewerbe. Aktueller Erfolg: Ein türkischer Hersteller von Kunststoffrohren investiert derzeit in einen Werkneubau auf dem Hafengelände und schafft 70 neue Arbeitsplätze.

Die Häfen in MV verfügen über attraktive Gewerbeflächen mit direktem Zugang zum Wasser. In jüngerer Vergangenheit haben sie dieses Plus genutzt, um sich neben dem Seeumschlaggeschäft zu leistungsstarken maritimen Industriestandorten zu entwickeln. Im Jahr 2005 startete zum Beispiel die Liebherr-Firmengruppe im Seehafen Rostock die Produktion von Hafenmobil- und Schiffskranen.

Das Rostocker Werk beschäftigt inzwischen über 1500 Mitarbeiter und verschifft die Krane in alle Welt. Den Vorteil des Seetransports ab Rostock nutzt auch die EEW Special Pipe Constructions GmbH. Sie siedelte sich 2008 an und fertigt Großröhren, die als Fundamente für Offshore Windkraftanlagen verwendet werden.