Uns gab er Einblicke in den normalen Alltag eines beruflich Vielreisenden und wagt einen Blick in die Zukunft.

Der Tag in München war mit vier Terminen hintereinander mal wieder vollgepackt, der letzte endete um 19.30 Uhr. Am nächsten Morgen musste ich bereits in Koblenz sein, um 9.30 Uhr startete mein Vortrag zu den Veränderungen, die das selbstfahrende Auto für unsere Mobilität, für die Städte und für die Gesellschaft mit sich bringen wird.

Schade, dass wir noch nicht das Jahr 2022 schreiben. Dann hätte ich noch in den englischen Garten gehen und im Biergarten am chinesischen Turm Sparerips und zwei Weißbier genießen können. Bevor ich mich dann um 22 Uhr ins selbstfahrende Schlafmobil gelegt hätte, und um 8 Uhr in Koblenz am "S&B", also "Shower and Breakfast" aufgewacht wäre.

So musste ich direkt nach dem Termin zum Bahnhof hetzen, den ICE nach Frankfurt nehmen, dort übernachten und in aller Frühe die restliche Strecke nach Koblenz zurücklegen. Oder ich hätte den Flieger nehmen können, was jedoch von München nach Koblenz nicht wirklich vorteilhaft gewesen wäre.

Das selbstfahrende Auto wird unsere Mobilität, aber auch unseren Alltag vollkommen verändern. Wenn ein paar Jahre später, also circa 2025 oder 2028, die Autos nicht mehr nur auf der Autobahn, sondern auch in der Stadt vollkommen von alleine fahren, wird kaum noch jemand ein Auto selbst besitzen wollen.

Ein Auto zu besitzen bedeutet, dass man sich auf ein einziges Modell festlegt. Dabei ist es  doch viel praktischer, wenn man mal mit einem rollenden Schreibtisch, mal mit einem kleinen Besprechungszimmer, mal mit einem Ruhesessel oder mal, wie von München nach Koblenz, mit einem Schlafmobil unterwegs sein kann. Selbst fürs Fitnesstraining oder den Friseurtermin gibt es mobile Angebote.

Natürlich wird man bei wirklich weiten Entfernungen auch noch den Flieger nutzen, aber sicherlich nicht mehr auf Inlandsstrecken wie von Frankfurt nach München, Berlin oder Hamburg. Der ICE stellt auf diesen Strecken mit seinen hohen Geschwindigkeiten und ohne Umstieg sicherlich auch noch eine Option dar, auf kürzeren Distanzen jedoch, bei denen die Umstiege und Wartezeiten doch einen großen Teil der Tür-zu-Tür-Zeit ausmachen, wird die Bahn oftmals keine große Rolle mehr spielen.

Dazu ist das selbstfahrende Auto einfach zu schnell und bietet die gleiche Nutzbarkeit der Zeit wie die Bahn auch, nur jetzt ohne manchmal unangenehme Mitreisende. Und teurer ist das selbstfahrende Auto ja auch nicht, im Gegenteil. Vor allem im Nahbereich, wo vor allem kleine Elektroflitzer mit billigen Radnabenmotoren und günstigen Akkus zum Einsatz kommen, ohne all die teure Technik wie Tacho, Kupplung, Getriebe, Auspuff et cetera.

In der Produktion deutlich günstiger als heutige Pkw, und als selbstfahrendes Angebot ein Vielfaches höher ausgelastet, kommt es auf Kilometerkosten, die vielleicht bei einem Drittel eines herkömmlichen Pkw liegen, beziehungsweise bei einem Zehntel der bisherigen Taxikosten.

Auch der Fernbus wird seine Position ausbauen können, dann allerdings ebenfalls ohne Fahrer und wahrscheinlich deutlich kleiner, beispielsweise als 9-Sitzer. Auf gut ausgelasteten Direktverbindungen stellt er somit für den kleinen Geldbeutel eine kostengünstige Alternative zur selbstfahrenden Reiselimousine dar.

Reisen wird deutlich einfacher und bequemer werden, Reisezeit deutlich produktiver. Vermutlich werden wir dadurch noch mehr unterwegs sein und noch längere Wege zur Arbeit in Kauf nehmen. Und weil uns die Autos ja direkt vor der Tür abholen, müssen wir nicht mal mehr die wenigen Meter bis zum Parkplatz zu Fuß gehen. Schöne neue Reisewelt?