Herr König, vor Kurzem fand die vom GCB und dem EVVC gemeinsam initiierte greenmeetings und events Konferenz in Frankfurt statt. Was sind die wichtigsten Erkenntnisse der Tagung?

Die diesjährige greenmeetings und events Konferenz hat wieder einmal sehr deutlich gemacht, wie vielschichtig das Thema Nachhaltigkeit ist und wie viele Aspekte zum einen unseres Alltags und zum anderen der Veranstaltungsbranche es berühren kann und soll. Angefangen von nachhaltigem Bauen und Mobilität über betriebliches Gesundheitsmanagement bis hin zur Gestaltung von Green Cities als Zukunftsmodell lebenswerter Städte. Insgesamt 400 Teilnehmer konnten sich in rund 20 Workshops über die unterschiedlichen Facetten und Ansatzpunkte informieren und eigene Erfahrungen austauschen.

„Green Meetings oder nachhaltige Events bezeichnen die Bestrebungen, eine Veranstaltung so umweltverträglich wie möglich zu gestalten.“

Was genau versteht man denn unter „Green Meetings“?

Green Meetings oder nachhaltige Events bezeichnen die Bestrebungen, eine Veranstaltung so umweltverträglich wie möglich zu gestalten. Ansatzpunkte hierfür gibt es genug: angefangen bei der Wahl einer Location, die sich aktiv in Sachen Nachhaltigkeit engagiert, über die aktive Bewerbung von öffentlichen Verkehrsmitteln zur An- und Abreise bis zur Wahl von Übernachtungsmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe der Location.

Bei der Veranstaltung selbst werden dann zum Beispiel gedruckte Tagungsunterlagen durch im Netz bereitgestellte Informationen ersetzt, und man gibt regionalen und saisonalen Speisen und Getränken den Vorzug. Auch der bewusste Einsatz von Gastgeschenken aus der betreffenden Region ist ein Zeichen von Nachhaltigkeit.

Darüber hinaus engagieren sich immer mehr Veranstalter auch sozial und verknüpfen ihren Event mit einem karitativen Zweck oder kompensieren den durch die Veranstaltung entstandenen CO2-Ausstoß durch den Kauf von Klimazertifikaten.
Der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt, wenn man einmal beginnt, sich bewusst mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Wie kann sich ein Veranstalter bei der Suche einer nachhaltigen Veranstaltungslocation orientieren? Reicht ein Blick auf die jeweilige Internetseite?

Normalerweise reicht ein Blick auf die Internetseite, denn Häuser, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit befassen, publizieren ihre Aktivitäten entsprechend. Für Verbraucher ist es wichtig, Labels wie zum Beispiel „Green Globe“ oder „fairpflichtet“ zu erkennen. Diese Siegel verdeutlichen, dass die Häuser gegenüber unabhängigen Institutionen Rechenschaft ablegen.

Fairpflichtet ist der Nachhaltigkeitskodex der Veranstaltungsbranche zur Selbstverpflichtung, der auch kleinere Häusern die Möglichkeit gibt, ihr Engagement entsprechend zu vermarkten. Sie dokumentieren ihre Aktivitäten in einem öffentlichen Fortschrittsbericht.

Green Globe geht darüber hinaus und ist eine weltweit agierende und anerkannte offizielle Nachhaltigkeitszertifizierung der Veranstaltungsbranche. Zur Zertifizierung werden über 300 Punkte zu den drei Säulen der Nachhaltigkeit (Ökologie, Ökonomie und Soziales) abgefragt, von denen das Unternehmen mindestens 51 Prozent erfüllen muss.

Auf den ersten Blick scheint es, dass man sehr viele Dinge beachten muss …

Richtiger ist, dass man viele Dinge beachten kann. Die Beschäftigung mit Nachhaltigkeit ist ein dauerhafter, kontinuierlicher Verbesserungsprozess, der nie abgeschlossen ist – sowohl für Veranstalter als auch für Dienstleister. Wir sehen es als wichtig an, anzufangen und sich auf den Weg zu machen.

Durchaus auch mit kleinen Schritten. Nicht vergessen darf man allerdings, dass sich beispielsweise durch Energieeinsparungen oft erheblich Kosten reduzieren lassen. Gerade unter diesem Aspekt ist Nachhaltigkeit oft eine Initialzündung für viele Prozessoptimierungen und Kostenmanagementansätze.


Checkliste: In 5 Schritten zu einem nachhaltigen Event

  • Müllvermeidung
  • Catering
  • Mobilität
  • Beschaffung
  • Location

Müllvermeidung

  • Mehrweg statt Einweg
  • Digital bereitgesellte Tagungsunterlagen anstatt Gedrucktem
  • Rücknahme von Tagungsunterlagen
  • Getrennt entsorgen

Catering

  • Regional und saisonal statt Erdbeeren im Winter
  • Mehrweggeschirr
  • Getränke aus großen Flaschen anstatt aus kleinen
  • Topfpflanzen anstatt Blumengestecke zur Dekoration

Mobilität

  • Anreise der Tagungsteilnehmer mit öffentlichen Verkehrsmitteln, z.B. mit dem Veranstaltungsticket der Deutschen Bahn
  • Inanspruchnahme von ÖPNV am Veranstaltungsort

Beschaffung

  • Bevorzugung von Anbietern am Veranstaltungsort für Technik, Dekoration etc.
  • FSC- und/oder Recyclingpapier
  • Regionale Gastgeschenke
  • Nutzung natürlicher Materialien für Dekoration

Wahl der Veranstaltungslocation

  • Gut erreichbar mit ÖPNV, in der Nähe der Übernachtungsmöglichkeiten
  • Nachhaltig aktive Locations sind unter anderem erkennbar an den Labels von Green Globe und fairpflichtet