Der Grundgedanke ist bestechend: Wenn institutionelle Kapitalgeber – wie Banken, die öffentliche Hand et cetera – nicht finanzieren, springen die Bürger ein, die Crowd. Ob es soziale Projekte, Filme, Musikproduktionen, Infrastrukturprojekte, Immobilien, Umweltprojekte oder innovative Unternehmen sind, all das und noch viel mehr lässt sich über eine breite Masse von Leuten finanzieren.

Von Crowdfinanzierung ist immer dann die Rede, wenn Projekte oder Unternehmen über eine größere Anzahl von Personen via Internet mit Geld versorgt werden. Nicht wenige fragen sich sofort, ob das herausgegebene Geld nicht in ein schwarzes Loch fallen kann. Die Antwort ist: Crowdfinanzierungen werden über Onlinemarktplätze abgewickelt, die sich in Deutschland bislang fast ausnahmslos als sehr zuverlässig erwiesen. Und: Berichte über Projektinitiatoren, die es an Ernsthaftigkeit vermissen ließen oder die unseriös waren, sind bislang eine Seltenheit.

Die Abläufe ähneln denen eines Onlinekaufs wie zum Beispiel über Amazon oder eBay. Gegenüber einem Onlinekauf gibt es aber zwei wesentliche Unterschiede: Unter den Crowdfinanzierungen finden sich zahlreiche risikobehaftete Projekte, deren Gelingen ungewiss ist. Auf die Risiken muss der Kapitalgeber ausdrücklich hingewiesen werden. Es kann beispielsweise in Start-up-Unternehmen investiert werden, die versuchen, mit dem eingesammelten Geld innovative Geschäftsideen umzusetzen. Innovatives ist naturgemäß neu und riskanter als Erprobtes. Der Geldgeber muss damit rechnen, dass mindestens ein Viertel dieser Start-ups scheitert.

Arten von Crowd-finanzierungen: Crowdfunding, Crowdlending, Crowdinvesting

Die Struktur von Crowdfinanzierungen ist sehr variantenreich. Unterschieden werden vier Kategorien. Zunächst gibt es das spendenbasierte Crowdfunding, wobei die Geber Geld für gute Zwecke bereitstellen und dafür ein Dankeschön und ein gutes Gewissen erhalten. Beim belohnungsbasierten Crowdfunding erhalten die Geldgeber im Regelfall eine materielle Gegenleistung, zum Beispiel das später aus dem Projekt entstandene Produkt.

Wenn der Rückfluss an den Kapitalgeber in Geld erfolgt, spricht man von Crowdinvesting. Aus Sicht der Kapitalgeber handelt es sich um eine Geldanlage. Hier finden sich oftmals Projekte mit hohen Renditechancen, die im Gegenzug dann aber auch hohe Risiken aufweisen. Beim Crowdinvesting gibt es jedoch zunehmend Projekte mit relativ geringem Risiko, wie bei vielen der Immobilien-Crowdinvestings oder bei Investments in gestandene Unternehmen. Beim Crowdlending stellen die Geldgeber den Kapitalsuchenden finanzielle Mittel via Kredit zur Verfügung. Die Crowd ersetzt die Bank und erhält Zins- und Tilgungszahlungen vom Kreditnehmer, solange dieser zahlungsfähig bleibt.

Die Sicht der Kapitalnehmer

Crowdinvesting und Crowdfunding werden in aller Regel mit umfangreichen Marketingkampagnen verbunden, die das primäre Ziel haben, Geldgeber für das jeweilige Vorhaben zu begeistern. Für die Projektinitiatoren ist das Funding ein Anlass, werbend aktiv zu werden, damit die Bekanntheit zu steigern und neue Kunden zu erreichen. Dabei werden sie nach Kräften von der jeweiligen Crowdinvesting- oder Crowdfunding-Plattform unterstützt. Insbesondere beim Crowdinvesting übernehmen die als Vermittler fungierenden Internetplattformen gleichsam eine wichtige Marketingfunktion. Einige der Plattformen verfügen über eine hohe Nutzerzahl, lösen umfangreiche Social-Media-Aktionen aus, kommen gut mit der Presse zurecht und eröffnen noch weitere Wege, um die Projekte bekannt werden zu lassen. Aus Sicht der Projektinitiatoren kommt in diesen Fällen Geld zur Finanzierung ihres Vorhabens zusammen, gepaart mit einem mehr oder minder intensiven Marketingeffekt, ganz anders als bei einem Bankkredit, der als „Stupid Money“ bezeichnet werden kann: Geld und sonst nichts.

Ein erfolgreiches Beispiel für Crowdfunding finden sie auf folgendem Artikel "In Zukunft investieren".