Die Vorteile     

Die Sonne lacht, das Wetter lockt einfach nur aus dem Haus. Während »typische« Büroarbeiter nun am Schreibtisch sitzen, können digitale Nomaden wortwörtlich die Badehose einpacken und mit ihrem Laptop an den See fahren. Es gibt keine Ortsgebundenheit und wer es wünscht, der lebt einfach überall:

  • Freiraum zu Hause – nicht alle digitale Nomaden möchten ihren Lebensstil und Lebensmittelpunkt aufgeben, daher begrenzen sie ihrem Freiraum auf ihren Wirkungsort. Was natürlich nicht bedeutet, dass nicht einmal am See, im Wald, in Cafés oder bei Freunden gearbeitet wird.
  • Reisen – andere digitale Nomaden verbinden die Arbeit mit dem Reisen. Eine Weltreise lässt sich wesentlich besser durchführen, wenn die Arbeit nicht aufgegeben, sondern mitgenommen wird. Gerade bei den internetlastigen Berufen oder im Grafikbereich macht es keinen Unterschied, ob der Auftrag nun aus Neuseeland oder vom Bodensee aus erledigt wird. Gewiss sind auch kleinere Ausflüge und Reisen möglich. Warum nicht den Winter im Warmen oder wenigstens in Europas Süden verbringen?

Arbeiten ist für digitale Nomaden überall dort möglich, wo es einen Internetzugang gibt, sie ihren Laptop aufladen können und einen Platz finden, diesen ordentlich abzustellen. Und das gelingt notfalls auch auf einer Liegewiese.

Herausforderungen   

Problematisch wird diese Lebensweise immer dann, wenn echte Kundentermine durchgeführt werden. Diese sind schwieriger zu vereinbaren, wenn sich der Nomade im Ausland aufhält, da für die Dienstreise automatisch höhere Kosten anfallen. Aber auch sonst könnten Hürden auftauchen:

  • Buchhaltung – relativ einfach haben es Selbstständige, die nur eine EÜR erstellen müssen. Dennoch ist es in vielen Fällen problemlos möglich, die Buchhaltung auch als digitaler Nomade zu bewältigen, da es diverse Buchhaltungsprogramme gibt und Rechnungen und Quittungen heute ohnehin eingescannt werden müssen. Die Rechnungen lassen sich dabei beispielsweise mit einer Rechnungssoftware wie sevDesk schreiben.
  • Steuern – auch sie lassen sich stets von unterwegs aus erledigen, denn das Buchhaltungsprogramm ist ohnehin mit auf Reisen. Wichtig ist wahlweise, dass auf den Zugangsschlüssel zum Steuerportal geachtet wird, oder aber, dass der Steuerberater sämtliche Unterlagen hat.
  • Post – nicht jede Post kann digital erfolgen. Sinnvoll ist, eine vertraute Person mit dem Erhalt zu beauftragen, damit diese die Post öffnet und einscannt oder abfotografiert. Steuerliche Post kann direkt an den Steuerberater versandt werden.
  • Akten und Daten – auch sie müssen in digitaler Form vorliegen und gespeichert werden. Digitale Nomaden müssen auf einen sicheren Speicherplatz achten. Es gibt etliche Unternehmen, die die digitalen Aktenschränke sicher zu recht günstigen Preisen anbieten. Der Zugriff erfolgt nun via Clouds.

Inwieweit diese Herausforderungen überhaupt bestehen, hängt von der Art des digitalen Nomadentums ab. Wer nur zwischendurch vereist, die größte Zeit jedoch den Arbeitsplatz einfach der Tageslaune nach ausrichtet, der braucht kaum Umstände in Kauf zu nehmen. Problematisch wird es nur bei Personen, die den Großteil des Jahres im Ausland und an sich stets ändernden Orten verbringen.

Ist das die Arbeit der Zukunft?   

Es ist davon auszugehen, dass das digitale Nomadentum künftig in mehreren Berufen üblich ist, wobei es in diesem Fall auch als eine erweiterte Form des Home Offices gesehen werden kann. Das hat schon allein den Grund, dass angestellt Arbeitende nicht ohne einen echten Arbeitsplatz auskommen, da laut Gesetz auch das Home Office den Arbeitsschutzbestimmungen nach eingerichtet werden muss. »Das Café« gilt laut Bestimmungen nicht als Arbeitsumfeld, wobei es natürlich trotzdem möglich ist, auch hier zu arbeiten. Das echte Nomadentum betrifft ohnehin überwiegend Personen, die selbstständig oder freiberuflich arbeiten. Zudem kommt es auf den Beruf an sich an:

  • Bürotätigkeit – letztlich ist ein Beruf notwendig, der in einem Büro ausgeübt wird und der keine »echten« Hilfsmittel erfordert. Sämtliche Daten und Informationen müssen in virtueller Form verfügbar sein. Sobald es der Beruf erfordert, auf Versuche, praktische Arbeiten oder ähnlichem zurückzugreifen oder diese auszuführen, ist ein echtes Büro mit diesen Voraussetzungen weiterhin notwendig. Beispiel: Der Buchhalter kann die Buchhaltung für einen Betrieb durchaus virtuell durchführen, der Chemiker, der anhand einer Versuchsreihe ein Essay verfasst, benötigt Equipment.
  • Kundenverkehr – Jobs, die einen direkten Umgang mit dem Kunden erfordern, sind ebenfalls von dieser Arbeitsweise ausgeschlossen.
  • Arbeiter – sämtliche Menschen in der Produktion, aber auch rund um Verkäufertätigkeiten und natürlich die Menschen, die in sozialen Berufen tätig sind, können das Nomadentum gar nicht oder nur sehr eingeschränkt nutzen. In sozialen Berufen mag die Protokollierung digital möglich sein, die Pflege eines Menschen ist jedoch nicht vom PC aus realisierbar.

Zudem darf nicht vergessen werden, dass das digitale Nomadentum ebenso für viele Menschen nicht geeignet ist, die auch mit dem Home Office Schwierigkeiten haben. Es ist durchaus ein sehr einsames Arbeiten, denn obwohl Nomaden ständig von Menschen umgeben sind, sind sie allein in ihrem Alltag. Und wie auch beim Home Office, gilt der Leitsatz, dass die Motivation und Disziplin am Morgen gleich nach dem Aufstehen mit im körpereigenen Hirn geladen werden müssen. Es ist nicht allzu einfach, sich an wunderschönen Orten soweit zu disziplinieren, die lästige Arbeit zu erledigen. Je nach Arbeit und erforderlichen Kundengesprächen kann die Arbeitszeit zudem auf die Nachtstunden fallen, sodass die Annehmlichkeiten des Aufenthaltsortes gar nicht genutzt werden können.


Neben den vielen Annehmlichkeiten beim digitalen Nomadentum existieren jedoch auch viele Herausforderungen. (2)

Fazit – perfekt für einige Zeit    

Das digitale Nomadentum ist perfekt geeignet für alle Selbständigen, die mal die Welt kennenlernen möchte. Stimmt der Job, lässt sich auf der Weltreise arbeiten und dennoch das Leben genießen. Voraussetzung ist immer, dass der eigene Job überhaupt diese Form des Arbeitens ermöglicht. Wer jedoch den Umgang mit Kollegen schätzt und einen festen Rückzugsort im Leben benötigt, der sollte sich möglichst langsam an diese Arbeitsform herantasten. Wird jetzt schon festgestellt, dass das Home Office recht einsam ist und die Konzentration nicht mit ins Café folgt, der sollte sich für einen klassischen Arbeitsplatz entscheiden. Denn zuletzt gilt: Wer als Nomade im Ausland scheitert, der steht irgendwo auf der Welt alleine da.

Bildquellen:

(1) @ Allie Smith / Unsplash.com
(2) @ Persnickety Prints / Unsplash.com