Und was fällt Ihnen zum typischen Unternehmer ein?

Die Bilder im Kopf zu Männern und Frauen in der unternehmerischen Rolle sind immer noch unterschiedlich. Trotzdem machen sich immer mehr Frauen selbständig. Was ist da passiert? Ist die am besten qualifizierte Frauengeneration aller Zeiten es leid, im Berufsleben an zweiter Stelle zu stehen? Oder hindert die berühmt berüchtigte gläserne Decke am beruflichen Weiterkommen? Oder wollen die Frauen endlich selbst entscheiden und bestimmen?

Auf die Frage, wie groß der Anteil der Frauen an den Gründungen insgesamt ist, gibt es unterschiedliche Antworten, je nach Auswertungsmaßstäben und Quellen. Rund 30 % bis 40 % der Selbständigen und Freiberufler*innen, so schätzen Expert*innen, sind heute weiblich. Viel mehr als man bei einem Blick in den Wirtschaftsteil der Zeitungen meinen möchte.

War früher die Soloselbständigkeit vor allem Frauensache, gründet inzwischen der allergrößte Teil der Selbständigen ohne Angestellte und auch die nebenberufliche Selbständigkeit von Männern nimmt zu. Da Männer jedoch einstweilen noch das Maß der Dinge in der Wirtschaft sind, werden Gründungen von Frauen vielfach unterschätzt. So ist nur wenigen bekannt, dass von Frauen gegründete Unternehmen als krisenfester gelten und sie größeren Wert auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit legen.

Die Selbständigkeit ist heute häufig eine ‚Lebensabschnittsentscheidung‘. So wählen immer mehr Frauen die zu ihrer jeweiligen Lebensphase passende Erwerbsform. Sie kombinieren eine abhängige Beschäftigung in Teilzeit mit einer selbständigen Tätigkeit im Nebenerwerb, wechseln zeitlich nacheinander zwischen den Varianten oder sie starten neben Studium oder Job und steigen nach einer solchen Testphase voll in die Selbständigkeit ein, häufig sehr erfolgreich.

Aber warum gründen Frauen eigentlich? Natürlich, weil sie eine gute Geschäftsidee haben! Die Gründungsmotive sind aber tatsächlich auch fehlende Aufstiegschancen im Job, der Wunsch, die eigenen beruflichen Qualifikationen auch in vollem Umfang anzuwenden und eine größere Zeitsouveränität bei der Vereinbarung von Beruf und Familie. Frauen wollen nach eigenen Qualitätsstandards arbeiten und neue Ideen verwirklichen, als eigene Chefin endlich frei gestalten können und die Hoheit über ihre Entscheidungen haben.

Frauen gründen anders als Männer, ihre Geschäftsideen spiegeln ihre Prioritäten bei der Berufswahl. So gibt es mehr Gründungen von Männern im MINT-Bereich und mehr Gründungen von Frauen in der Kultur- und Gesundheitswirtschaft. Der überwiegende Teil der Frauen gründet im Dienstleistungssektor, der insbesondere vor dem Hintergrund der Digitalisierung sämtlicher Arbeits- und Lebenswelten vielfältige innovative Geschäftsmodelle eröffnet. Gerade junge Frauen gründen an digitalen Schnittstellen, verknüpfen klassische Gründungskonzepte mit digitalen Anwendungen, möchten gerne mehr Geld in die Hand nehmen und wachsende Unternehmen aufbauen.

Am Anfang steht also eine gute Gründungsidee, der – vielleicht schon lange gehegte – Traum von der beruflichen Selbständigkeit oder der Wunsch nach dem nächsten Karriereschritt. Wie gut, dass es inzwischen in nahezu jeder Region Deutschlands gute Orientierungs- und Beratungsangebote, häufig sogar speziell für Frauen gibt, die bei der bundesweiten gründerinnenagentur (bga) gelistet sind. Denn bei den ersten Fragen zählt meist noch gar nicht die Rentabilitätsrechnung, sondern die Frage, wie man eine Chefinnenrolle mit dem eigenen Leben am besten vereinbaren kann.

Auch für die nächsten Schritte über die Ideenentwicklung und das Geschäftsmodell bis hin zum Businessplan und zur eigenen Firma gibt es vielfältige Unterstützungsangebote, die von Bundesland zu Bundesland variieren. Hilfe in diesem Dschungel bieten Internetportale wie z.B. www.existenzgruenderinnen.de, die bundesweite Orientierungs- und Beratungsangebote listen, Porträts von Gründerinnen und Unternehmerinnen vorstellen, Fakten- und Branchenblätter, Blogs, regionale Gründerinnenveranstaltungen oder Frauenwirtschaftstage vorstellen.

Hoch im Kurs bei den Gründerinnen stehen auch Weiterbildungsmöglichkeiten. Um den eigenen Wissenstand zu erweitern, beschäftigen sich die Gründerinnen mit den unterschiedlichen Facetten der unternehmerischen Selbständigkeit wie z.B. Wie plane ich meine Gründung? Wo und wie finde ich Kunden? Wie kann ich mehr Aufträge akquirieren? Welche Förderprogramme gibt es? Kenntnisse wie diese werden in Form von Seminaren, Webinaren, Vorträgen, Workshops, E-Trainings, Fachkongressen, Tagungen und Mentoringprogrammen deutschlandweit vermittelt.

Von großer Bedeutung sind auch die zahlreichen Netzwerke von Gründerinnen und Unternehmerinnen. Dort suchen sie den Fachaustausch auf Augenhöhe, treffen sich zum Wissenstransfer und schaffen so die Basis für das gemeinsame Bearbeiten von Aufträgen bzw. Unternehmenskooperationen, die wiederum die Marktkraft der Einzelunternehmen stärken. In Deutschland gibt es rund 350 solcher Netzwerke, aber auch Co-Working-Spaces oder Gründerinnen-  und Unternehmerinnenzentren bieten Vernetzungsmöglichkeiten.

Der Austausch mit anderen Frauen in der unternehmerischen Rolle hilft auch dabei, den Umgang mit Rollenklischees auszuhalten. „Wenn mich noch ein Journalist nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf fragt statt nach meinem Geschäftsmodell, dann platze ich!“ Bei solchen Erlebnissen hilft dann nur die Erkenntnis, dass viele Frauen trotz allem von einer deutlich höheren Lebensqualität berichten, das selbstbestimmte ‚Chefin sein‘ macht glücklich!

Information

Die bundesweite gründerinnenagentur (bga) führt als deutschlandweites Informations- und Servicezentrum für Gründerinnen, Unternehmerinnen und Betriebsnachfolgerinnen unter ihrem Dach 500 Beratungseinrichtungen, 1.300 Expertinnen/Experten und 350 Netzwerke zusammen. Sie bietet branchenübergreifend Angebote zur Information, Beratung, Weiterbildung und Vernetzung über alle Phasen von Gründung, Festigung, Startups, Wachstum und Nachfolge. Die bga wurde mehrfach gewürdigt und gilt als Vorzeigemodell und Thinktank zu Female Entrepreneurship in Europa.

www.existenzgruenderinnen.de