Bayern ist nach wie vor der treibende Wirtschaftsmotor Deutschlands. Das treibt besonders Gründungswillige nach Bayern. Was macht Bayern zu einem so beliebten Standort für Existenzgründer?

Innovations- und Gründerfreundlichkeit haben in Bayern eine lange Tradition. Wir verbinden Lebensqualität mit wirtschaftlicher Leistungsstärke. Unser Erfolg fußt vor allem auf dem gesunden Nebeneinander von DAX-Konzernen, international konkurrenzfähigem Mittelstand und einer exzellenten Forschungslandschaft.

Nach einer erfolgreichen Ausbildung finden viele hier schnell die richtigen Partner, Auftrag- und Geldgeber für innovative Projekte, dafür sorgen auch unsere Branchen-Netzwerke und Technologie-Cluster. Mit der TU und der LMU haben wir zwei exzellente Universitäten. Bayerns Gründungen zeichnen sich in zweierlei Weise aus: Sie schaffen bald messbar neue Arbeitsplätze und scheitern seltener als andernorts.

In Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung kommt man schon seit einigen Jahren nicht am Schlagwort „Digitalisierung“ vorbei. Frau Aigner, Sie haben die Initiative „Bayern Digital“ ins Leben gerufen: Welche Ziele verfolgen Sie mit dieser Initiative?

Die Digitalisierung ist der Innovationsmotor des 21. Jahrhunderts. Sie eröffnet große Chancen für nachhaltiges Wachstum und schafft neue Beschäftigungsmöglichkeiten. Nur ein Beispiel: Aus den bayerischen Businessplan-Wettbewerben gingen mehr als 1.400 gegründete Unternehmen hervor, die heute mit ca. 11.000 Mitarbeitern am Markt aktiv sind und einen Umsatz von rund 1 Milliarde Euro erwirtschaften. Neun von zehn dieser Gründungen sind internetbasiert.

Die Digitalisierung erfordert allerdings auch große Anstrengungen, vor allem beim Handwerk und beim Mittelstand. Wir wollen die bayerische Wirtschaft fit machen für die Zukunft und nehmen dafür in den nächsten Jahren 500 Millionen Euro in die Hand. Schwerpunktmäßig unterstützen wir Forschung, Mittelstand und Gründungen.

Ein Meilenstein wird das Zentrum Digitalisierung.Bayern. Dort bündeln wir das bayerische IT- und Digitalisierungs-Know-how – die Aktivitäten von Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Unternehmen, damit wir noch stärker werden.

Für den Mittelstand vergeben wir den Digitalbonus als einfache und unbürokratische Unterstützung. Der Bonus wird dem Mittelstand helfen, in die Digitalisierung seiner Produkte, Prozesse und Dienstleistungen einzusteigen.

Die Initiative „Gründerland Bayern“ umfasst mindestens ein Zentrum für digitale und mediale Gründer in jedem Regierungsbezirk. Wir wollen, dass neue Produkte und innovative Geschäftsmodelle in Bayern entwickelt und die traditionellen Branchen die Chancen der Digitalisierung nutzen können.

Was sind die ersten Schritte bei der Umsetzung der Initiative und welche Rolle spielen hier die in Bayern ansässigen Unternehmen?

Unsere Strategie wurde gemeinsam mit Akteuren und unter wissenschaftlicher Begleitung entwickelt. Bestehende Unternehmen und neue Start-ups profitieren voneinander. Für die etablierten Unternehmen sind Gründer in dreierlei Hinsicht interessant: Eine Ausgründung als schnelles Beiboot für neue Entwicklungen, als Übernahme zur zeitnahen Gewinnung innovativen Know-hows und als Herausforderer im Wettbewerb um die besten Lösungen.

Die künftigen Gründerzentren sollen von Anfang an engen Kontakt zu ortsansässigen Unternehmen haben, die gemeinsame Projekte anregen und finanziell unterstützen. So wollen wir in allen Regierungsbezirken Arbeitsplätze neu schaffen. Unser Ziel: bis 2020 mindestens 5.000.

Wo sehen Sie persönlich die Stärken von Bayern als Bundesland, das ständig Innovationen vorantreibt, aber gleichzeitig stark in der Tradition verwurzelt ist?

Bayern steht eben nicht nur für Tradition. Der Freistaat ist auch deshalb erfolgreich, weil wir Tradition und Moderne zu verbinden wissen, und Beständigkeit mit Kreativität. Besonders erfolgreich entwickelte sich auch der Medienbereich. Allein in der Region München machte die IuK- und Medienbranche im Jahr 2012 mit 84,7 Milliarden Euro 18,3 Prozent des branchenübergreifenden Gesamtumsatzes aus.

Ob lokale oder überregionale Medienunternehmen, die Stärke liegt in der Erschließung neuer Geschäftszweige und der hohen Innovationsbereitschaft. Vor allem München ist attraktiv für internationale Medienunternehmen. So wird die Medienbranche Treiber für viele digitale Entwicklungen.