Diese zweite Gründerzeit stellt zum ersten Mal seit dieser Rede eine echte Chance dar, die blühenden Landschaften Wirklichkeit werden zu lassen. Damit diese Chance genutzt werden kann muss es uns jedoch noch besser als bisher gelingen, die zarte Pflanze der Gründerkultur in den neuen Bundesländern zur Blüte zu verhelfen.

In den letzten Jahren gab es eine regelrechte Startup-Welle. Wie ist es dazu gekommen? Was sind die Hauptgründe, sich selbstständig zu machen?

Vor 5 Jahren begann die Startup-Welle. Gründe sind eine mittlerweile etwas positivere Konnotation der Idee des Unternehmertums, günstige Mieten – insbesondere in der Metropole Berlin –, wachsende Verfügbarkeit von Kapital und die Vorbildfunktion diverser sehr erfolgreicher Startups aus dem Silicon Valley.

Gründer und Gründungsinteressierte sehen anhand vieler Beispiele, dass es funktionieren kann. Erfolgreiche Gründer genießen innerhalb des Ökosystems hohes Ansehen, haben teilweise erfolgreiche Exits hinter sich und sind Unterstützer für viele, die es ihnen gleichtun wollen.

In welchen Branchen gibt es die meisten Startups in Ost-Deutschland, und warum?

Dazu haben wir keine Zahlen aber eine Vermutung ist, dass sich die Branchen, in denen ostdeutsche und westdeutsche Startups tätig sind vermutlich nicht sehr stark unterscheiden. Die Regionen spielen hier eher eine größere Rolle als eine Ost-West-Einteilung.

So sind die Startups der Region Stuttgart/Karlsruhe, aufgrund des bestehenden Clusters und der Spezialisierung der ansässigen Hochschulen, eher im Bereich Industrie 4.0, Engineering und Technologie angesiedelt. Jena hat beispielsweise im Bereich Optronik eine hervorragende Infrastruktur. Hier spezifisch nach Ost- und West-Deutschland zu teilen macht aus meiner Sicht keinen Sinn mehr.

Im Ost-West Vergleich: wer gründet mehr? Lassen sich aus den jeweiligen wirtschaftlichen Gegebenheiten die Gründe dafür ziehen?

Aus unseren Erfahrungen und Kontakt mit Gründern sowie dem von uns erstellten Deutschen Startup Monitor können wir fünf Startup-Hubs in Deutschland identifizieren: Berlin, München, Hamburg, die Region Stuttgart/Karlsruhe und die Metropolregion Rhein/Ruhr. Von diesen Hubs liegt nur Berlin – aber damit immerhin das mit Abstand größte Startup-Hub – in Ost-Deutschland.

Berlin kann aber nur zur Hälfte als klassisches neues Bundesland betrachtet werden. Die Gründe für dieses West-Ost-Gefälle sind vielfältig. Zum einen ist die wirtschaftliche Infrastruktur in West-Deutschland sicher schon etwas weiter, zum anderen weisen die alten Bundesländer eine bessere Ausstattung mit Risikokapital auf. Dennoch: Insbesondere in Leipzig, aber auch in Dresden, Weimar und anderen Städten sehen wir eine positive Gründungsdynamik.

Was sind Erfolgsfaktoren für ein Startup Unternehmen? Worauf sollte man besonders achten?

Ich würde hier, neben dem Geschäftsmodell bzw. dem Produkt einen Dreiklang ausmachen: Kapital, Team und Netzwerke. Ein Startup braucht ein gutes Gründerteam, welches sich gegenseitig ergänzt und auch in schwierigen Zeiten gut miteinander arbeiten kann. Zudem ist der Zugang zu Kapital, insbesondere Wachstumskapital von entscheidender Bedeutung, wenn man das Startup schnell skalieren möchte und wettbewerbsfähig bleiben will.

Drittens – und das wird oft unterschätzt – spielt das Netzwerk der Gründer eine wichtige Rolle. Ohne den Kontakt zu anderen Gründern, Investoren, potentiellen Kunden und evtl. Business Angels ist es weitaus schwieriger den Herausforderungen, die eine Gründung mit sich bringt, zu begegnen.