Das FNG, der Fachverband für Nachhaltige Geldanlagen in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz, definiert nachhaltige Investments wie folgt:

Nachhaltige Geldanlage ist die allgemeine Bezeichnung für nachhaltiges, verantwortliches, ethisches, soziales, ökologisches Investment und alle anderen Anlageprozesse, die in ihre Finanzanalyse den Einfluss von ESG (Umwelt, Soziales und Governance)-Kriterien einbeziehen. Dies beinhaltet auch eine explizite schriftlich formulierte Anlagepolitik zur Nutzung von ESG-Kriterien.

In der Praxis wird diese Definition über bestimmte nachhaltige Anlagestrategien umgesetzt, beispielsweise Ausschlusskriterien, Best-in-Class, Investoren-Dialoge mit Unternehmen (Engagement), die Ausübung von Stimmrechten auf Aktionärsversammlungen, norm-basiertes Screening, Impact Investing oder die Integration von ESG-Kriterien und -Risiken in die traditionelle Finanzanalyse.

Der Markt nachhaltiger Geldanlagen in Deutschland

Der Markt nachhaltiger Geldanlagen wächst kontinuierlich. Seit 2005 erfasst das FNG den Markt:

Infografik

Das Volumen der nach dieser Definition nachhaltigen Fonds und Mandate betrug 2016 in Deutschland laut FNG-Statistiken 78,8 Milliarden Euro. Hinzukommen nachhaltige Kundeneinlagen und Eigenanlagen in Höhe von 77,9 Milliarden Euro, sodass das Gesamtvolumen Nachhaltiger Geldanlagen in Deutschland bei knapp 157 Milliarden Euro liegt.

Werden allerdings Anlagen hinzugezählt, bei denen nur einzelne Nachhaltigkeitskriterien oder nachhaltige Anlagestrategien angewendet werden (sogenannte Asset Overlays) – etwa der Ausschluss von Streumunition und Antipersonenminnen – liegt das Volumen weitaus höher: hierzulande zuletzt bei 1,5 Billionen Euro.

Allerdings können diese Gelder nicht als Nachhaltige Geldanlagen klassifiziert werden. Dass aber Nachhaltigkeitsaspekte generell in diesem Umfang bei Mainstream-Anlagen Berücksichtigung finden, ist bemerkenswert und wird deswegen für den jährlichen FNG-Marktbericht auch erhoben und separat ausgewiesen.

Transparenz und Qualitätsstandards

Wichtig für den Markt Nachhaltiger Geldanlagen ist Transparenz, so gibt es seit 2008 den Transparenz Kodex von Eurosif und seit 2012 die FNG-Nachhaltigkeitsprofile, die auf 2 Seiten vergleichbar nachhaltige Fonds darstellen.

Mit dem FNG-Siegel für nachhaltige Fonds hat das FNG Ende 2015 einen Qualitätsstandard für Nachhaltige Geldanlagen im deutschsprachigen Raum eingeführt. Um das FNG-Siegel zu erhalten, müssen die Fonds Mindestanforderungen erfüllen, die im Rahmen eines umfassenden Stakeholder-Dialogs entwickelt worden sind. Sie umfassen den Ausschluss von Waffen und Kernkraft sowie die Berücksichtigung der vier Bereiche des UN Global Compact: Menschen- und Arbeitsrechte, Umweltschutz sowie die Bekämpfung von Korruption und Bestechung.

Vorteile von nachhaltigen Investments

Der zentrale Vorteil liegt auf der Hand: Privatanleger und Investoren können ihre Wertevorstellungen auch bei ihren Investment berücksichtigen, in dem sie neben den traditionellen finanziellen Aspekten Sicherheit, Verfügbarkeit und Rendite als vierte Dimension Nachhaltigkeit hinzunehmen. Hier wird deswegen häufig auch von einer doppelten Rendite – der finanziellen und der nachhaltigen – gesprochen.

Während Privatanleger mit nachhaltigen Investments Widersprüche ihrer moralischen und ethischen Wertvorstellungen lösen können, spielt bei institutionellen auch der Aspekt der Reputation hinein. Eine Stiftung beispielsweise kann es sich nicht leisten, ihrem Zweck zuwider laufende Investments zu tätigen. Eine Umweltorganisation kann Probleme mit ihrer Glaubwürdigkeit bekommen, wenn sie in CO2-intensiven Firmen investiert ist und auch andere Investoren müssen Reputationsverluste befürchten, falls sie Titel von Unternehmen in ihrem Portfolio halten, die mit Negativschlagzeilen auf sich aufmerksam machen.

In punkto Nachhaltigkeit fragwürdiges Verhalten kann sich auch direkt auf die Performance niederschlagen. Insofern wird Nachhaltigkeit auch bei konventionellen Investoren zunehmend als unverzichtbarer Risikofilter geschätzt. Ganz allgemein lässt sich deswegen sagen, dass ohne die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit Investments gar nicht ganzheitlich bewertet werden können.

Aktuelle politische Entwicklungen

Der Markt nachhaltiger Geldanlagen rückt zunehmend in den Fokus der Politik, so ist seit dem Klimaabkommen (COP-21) das Thema Nachhaltigkeit präsent. Es haben sich in jüngster Zeit eine Reihe von Initiativen entwickelt, die den Bereich des nachhaltigen Investierens deutlich stärken wollen: Neben der High Level Group on Sustainable Finance auf europäischer Ebene, den H4SF (Hub for Sustainable Finance) des Rates für Nachhaltige Entwicklung gemeinsam mit der Deutschen Börse (Frankfurter Erklärung) wird auch neben den globalen Initiativen der G20 und COP. Auch in den jüngsten (wenn auch gescheiterten Jamaika-Sondierungsgesprächen ) Sondierungspapieren war Green Finance bereits Bestandteil und damit Konsens von CDU/CSU, Grüne und FDP. Zu erwarten ist, dass das Thema verstärkt in Politik, Wirtschaft und Regulierung Einzug hält.

Informationen zu Nachhaltigen Geldanlagen

Allgemeine Informationen (Marktbericht, Transparenzkodex und FNG-Profile): www.forum-ng.org

Informationen zum FNG-Siegel: www.fng-siegel.org

Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG e.V.), der Fachverband für Nachhaltige Geldanlagen in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz, repräsentiert über 180 Mitglieder, die sich für mehr Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft einsetzen. Dazu zählen Banken, Kapitalanlagegesellschaften, Ratingagenturen, Finanzberater, wissenschaftliche Einrichtungen und Privatpersonen. Das FNG fördert den Dialog und Informationsaustausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik und setzt sich seit 2001 für verbesserte rechtliche und politische Rahmenbedingungen für nachhaltige Investments ein. Es verleiht das Transparenzlogo für nachhaltige Publikumsfonds, gibt die FNG-Nachhaltigkeitsprofile heraus und hat das FNG-Siegel für nachhaltige Publikumsfonds entwickelt. Das FNG ist außerdem Gründungsmitglied des europäischen Dachverbandes Eurosif.