Welchen Informationen man vertrauen kann, ist eine der Schlüsselfragen des Informationszeitalters. Von unfreiwillig lustigen Emails vom „Halb-Bruder des Wirtschaftsministers“ eines dubiosen afrikanischen Landes, in denen höflich um die Kontoverbindung gebeten wird, bis zu Pop-Up-Ads, die in drei Worten ein „besseres Leben“, „unschlagbare Renditen“ und „garantierte Gewinne“ versprechen – das Internet ist voll von Informationen, die im wahrsten Sinne des Wortes nichts wert sind.

Die Frage, wo in der endlosen Weite des Internets überhaupt eine Grenze zu ziehen ist zwischen verlässlichen – faktischen – Informationen, und irgendwelchen Meldungen und Behauptungen, ist schwer zu beantworten. Denn es sind nicht nur die „Ränder“ des Netzes, die pausenlos willkürliche Zusammenhänge produzieren.

„Fake News“ gibt es längst in jedem Kontext, aus jeder Richtung, für und gegen jede Position. Auch sind es längst nicht mehr nur private Blogger oder dubiose Webseiten, die Falschinformationen verbreiten. Sogar gestandene Nachrichtenmagazine machen sich manchmal nicht einmal die Mühe, Agenturmeldungen nachzuprüfen, geschweige denn eigene Recherchen anzuschließen.

Der wohl spektakulärste Fall in jüngster Vergangenheit: die angebliche Ermordung des russischen Journalisten Arkadij Babtschenko, der am Tag nach seinem - weltweit auch von führenden Medien lautstark verbreiteten - Tod auf einer Pressekonferenz erschien. Von Kabinettsmitgliedern bis zu Verbandsgrößen, vom „Spiegel“  bis zur „New York Times“ - immer wieder machen Halb- und Unwahrheiten die mediale Runde, werden von höchster Stelle getweetet, retweetet, re-getweetet.

Auch gestandene Nachrichtenmagazine machen sich nicht immer die Mühe, Agenturmeldungen nachzuprüfen.

Das Fatale daran: bis endlich jemand den Irrtum korrigiert, hat sich die Fehlinformationen bereits weit verbreitet. Die Korrektur dagegen schafft es meistens nicht mehr in die Schlagzeilen.

So entsteht nach und nach ein flächendeckend schiefes Bild der wirklichen Lage; ob es um politische Zusammenhänge geht, um Wirtschaftsneuigkeiten, oder um Trivia aus dem Boulevard. Es geht also einerseits um die Medienkompetenz der Bürger und ihr Social Media-Verhalten – andererseits geht um das Selbstverständnis der Medien.

Wenn bereits 27 Prozent der Bürger der Ansicht sind, dass sich die etablierten Medien nicht genug um Vollständigkeit bei der Darstellung von Ereignissen bemühen, sollte das in Redaktionssitzungen zu denken geben und entsprechende Reaktionen auslösen.

Denn es geht um Grundsätzliches. Es geht um das Vertrauen von Menschen in Medien. Es geht um den „Kitt der Kultur“ überhaupt – denn was wäre das Fundament unserer Gesellschaft, wenn nicht ein gemeinsames Verständnis von Begriffen wie „Wahrheit“, „Realität“, „Tatsache“.

Es geht um das Vertrauen von Menschen in Medien. Grundsätzlicher geht es kaum.

Die Vermittlung von Fakten - von Informationen, die überprüfbar Tatsachen beschreiben - bildet quasi den Fußboden des Hauses, in dem wir alle wohnen. „Ehrlichkeit“ in diesem grundsätzlichen Sinn ist der Ast, auf dem wir sitzen.
 
Daher muss, wer sich realistisch informieren will, extrem aufpassen, woher die Informationen kommen. Wer in welchem Rahmen welche Informationen veröffentlicht, sagt dabei oft schon sehr viel über die Qualität der Informationen aus: irgendeine anonyme Anzeige kann sagen, was sie will, kann das Blaue vom Himmel versprechen.

Ein Traditionsunternehmen dagegen konnte überhaupt nur zum Traditionsunternehmen werden, in dem es über lange Zeiträume und extrem gewissenhaft darauf achtete, keinem einzigen Kunden keine einzige Fehlinformation zu geben; gute Geschäfte leben von ihrem guten Ruf. Wie so oft passt ein Spruch von Warren Buffet: Es dauert Jahre, einen guten Ruf zu etablieren; aber nur Sekunden, ihn zu verlieren.

Insofern ist die Suche nach vertrauenswürdigen Informationsquellen im Internet vielleicht doch gar nicht so hoffnungslos: Wer transparent und für jedermann nachvollziehbar mit seinem eigenen Namen für die Qualität des eigenen Angebots steht, wird diese Qualität so gut wie nur irgendwie möglich überprüft haben. Wer dagegen umsonst, aufdringlich und völlig ohne nachvollziehbare Verantwortlichkeit irgendwelche schönen Aussichten verspricht – wird in vielleicht sogar 100 Prozent der  Fälle überhaupt keine Qualität zu bieten haben.