Aufgrund der geburtenschwachen Jahrgänge ab der zweiten Hälfte der 60er-Jahre gibt es ohnehin zu wenige Fachkräfte, und in den MINT-Berufen kommt verschärfend hinzu, dass sich von den zur Verfügung stehenden Studenten immer noch zu wenige für ein Studium in den Bereichen Mathematik, Ingenieurwesen, Naturwissenschaften, Technik oder dem Gesundheitswesen entscheiden.

Zwar wählten 2017 immerhin 40 Prozent der Studienanfänger ein MINT-Fach, aber laut dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) reicht das nicht aus. Damit Unternehmen überhaupt eine Chance haben, vielversprechende Talente für sich zu gewinnen, müssen sie mittlerweile ein ganzes Paket schnüren, bei dem die Vergütung nur ein Teil ist. Der „Generation Y“ kommt es auf ein Wohlfühlumfeld – frei von Konventionen – an, das berufliche Selbstverwirklichung mit individuellen Lebensentwürfen in Einklang bringt.

Für Arbeitgeber ergibt sich daraus die Herausforderung, die heutige gesellschaftliche Vielfalt auf ihre Unternehmenskulturen zu übertragen. Andernfalls verlieren sie deutlich an Attraktivität für aktuelle und potenzielle Mitarbeiter. Der Personaldienstleister Michael Page stellte in einer Studie 2017 fest, dass für mehr als zwei Drittel aller befragten Arbeitnehmer (68 Prozent) Diversity entscheidend für die Länge ihrer Unternehmenszugehörigkeit ist. Und sogar 73 Prozent geben in der Umfrage an, dass Vielfalt eine wichtige Rolle bei der Entscheidung spielt, für welches Unternehmen sie sich entscheiden.

Auch die Chancen auf wirtschaftlichen Erfolg steigen beträchtlich. Laut der Anfang 2018 erschienenen McKinsey-Studie „Delivering Through Diversity“ ist für deutsche Unternehmen Geschäftserfolg doppelt so wahrscheinlich, wenn sie einen hohen Anteil weiblicher Führungskräfte haben. Aufstiegsmöglichkeiten für Frauen sind nur einer von zahlreichen Aspekten des Themas Diversity.

Das Thema „Vielfalt“ weist eine große Zahl unterschiedlicher Facetten auf. Genderspezifische Förderung zählt ebenso dazu wie flexible Arbeitszeitmodelle und individuelle Work-Life-Balance-Angebote. Alleinerziehende Mitarbeiter können zum Beispiel von zu Hause aus arbeiten und haben damit die Möglichkeit, den Nachwuchs zu betreuen. Darüber hinaus zählen, laut McKinsey, die Förderung der Akzeptanz von sexueller Identität und Orientierung sowie alters- und behindertengerechte Arbeitsplätze zu Diversity.