Arbeitgeber können die Charta der Vielfalt unterzeichnen und verpflichten sich damit, dass sie Chancengleichheit für ihre Beschäftigten herstellen und fördern werden. Knapp 2.000 Unterzeichner sind es bisher. Das Interview:

Was ist Diversity Management genau?

Das Management der Vielfalt von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im Arbeitskontext.

Was soll damit erreicht werden und an wen richtet es sich?

Der Leitgedanke des Diversity Managements ist die Wertschätzung der Vielfalt einer Belegschaft, was letztendlich auch für einen wirtschaftlichen Mehrwert im Unternehmen sorgt. Das Management der Vielfalt beschäftigt sich mit der Analyse und der Anpassung von Strukturen, Personalprozessen und der gesamten Organisationskultur.

Im Charta-Text haben wir daher festgehalten: „Die bestehenden Prozesse sollen überprüft und es soll sichergestellt werden, dass diese den vielfältigen Fähigkeiten und Talenten aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerecht werden. Eine Organisationskultur, die von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung jedes und jeder Einzelnen geprägt ist, soll gepflegt werden.“

Voraussetzung dafür ist, dass Führungskräfte in der Lage sind, ihre Teams entsprechend vorurteilsfrei und chancengerecht zu führen, und beispielsweise erkennen, welche Teamzusammensetzung für eine Aufgabe sinnvoll ist.

Warum war Diversity Management in vielen Unternehmen jahrelang kein Thema?

In Amerika wird sich schon seit den 60er Jahren mit Diversity Management beschäftigt. Affirmative Action und Antidiskriminierungsrichtlinien waren dort der Ursprung. Hier in Deutschland wurde das Management von Vielfalt erst in den 90er Jahren von ersten Unternehmen umgesetzt. Die meisten Konzerne haben das Thema seit Mitte des neuen Jahrtausends, 2004/2005, auf der Agenda.

Im Jahre 2006 wurde dann aus der Wirtschaft für die Wirtschaft die Charta der Vielfalt gegründet.

Deutschland hat wie jedes Land eine spezifische gesellschaftspolitische Entwicklung hinter sich: In den 60er Jahren haben viele Frauen nicht gearbeitet, es wurden fast nur Männer in der Arbeitswelt gesehen. Heute haben Männer und Frauen die gleichen Rechte und Pflichten, haben den gleichen Ausbildungsstand und dadurch ist heute eine ganz andere Gruppe auf dem Arbeitsmarkt als noch vor 50 Jahren.

Zudem ist unsere Gesellschaft viel bunter und vielfältiger geworden, durch Menschen mit anderem ethnischen und kulturellen Hintergrund und auch durch die Offenheit für verschiedene sexuelle Orientierungen und Identitäten. Die demografische Entwicklung ist ebenfalls ein nicht zu unterschätzendes Thema.

Unsere Gesellschaft wird immer älter, fünf Generationen sind heute aktiv in der Arbeitswelt und diese stellen die Arbeitgeber vor neue Herausforderungen. Auch auf die Internationalisierung, also das Bedienen internationaler Märkte, muss eingegangen werden, am besten mit Beschäftigten, die mit den Märkten in den verschiedenen Ländern vertraut sind.

Kurz: Die gesellschaftlichen Veränderungen führen sowohl zu betriebswirtschaftlichen als auch volkswirtschaftlichen Herausforderungen und dafür bietet Diversity Management Lösungsansätze.

Wie ist Deutschland heute im internationalen Vergleich positioniert?

Wir sind auf einem guten Weg. Veränderungsprozesse gehen nicht von heute auf morgen. Die Gesellschaft hat sich verändert und die Märkte haben sich verändert. Heute liegt das Hauptaugenmerk auf dem Druck des Fachkräftemangels. Ganzheitlich gesehen sind wir sehr weit vorn, denken Sie nur an Länder, in denen Homosexualität noch heute verboten ist oder Frauen nicht die gleichen Bildungschancen eingeräumt werden.

Wie wird Diversity Management zukünftig in Deutschland aussehen? Welche Perspektiven müssen angestrebt werden?

Diversity wird in Zukunft ganzheitlich betrachtet werden. Das heißt, wir gehen weg von einer Sammlung von Einzelmaßnahmen und hin zu einer umfassenden Strategie. Diversity wird selbstverständlich in jedem Prozess mitgedacht und betrifft alles, von der Zusammensetzung des Personals bis zur Entwicklung von Produkten. Ich wünsche mir, dass in zehn Jahren das Charta-der-Vielfalt-Logo bei den Unternehmen, aber auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern als Gütesiegel angesehen wird.

Es zeichnet zukunftsorientierte Organisationen aus, die die gesellschaftlichen Veränderungen als Chance für sich nutzen.