Welche Anforderungen stellen Sie sich als Unternehmen um Chancengleichheit von Männern und Frauen zu generieren?

Wer bei Unilever arbeitet, soll sowohl bei unseren Prozessen und Rahmenbedingungen als auch in der Unternehmenskultur und im tagtäglichen Miteinander gleiche Chancen und Möglichkeiten haben und erleben – egal ob männlich, weiblich oder intersexuell. Das klingt selbstverständlich und gleichzeitig braucht es ein besonderes Augenmerk, damit Themen nachhaltig gut bleiben.

Mit Blick auf unsere Unternehmensprozesse legen wir zum Beispiel bei dem Recruiting neuer Kolleginnen und Kollegen und der Bewertung und Beförderung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Wert darauf, dass wir in unserem Denken und Entscheiden nicht unbewusst befangen sind. Bei unseren Rahmenbedingungen scheinen wir zum Beispiel beim Thema Jobsharing so gut zu sein, dass regelmäßig andere Unternehmen von uns erfahren wollen, wie wir auf allen Hierarchie-Ebenen Möglichkeiten schaffen, Zeit für private Herausforderungen und Wachstum im Job miteinander zu verbinden. Auch im gewerblichen Bereich haben wir zum Beispiel unsere Rahmenbedingungen betrachtet und in unserem Werk in Auerbach eine Überprüfung der Entgeltgleichheit bei Männern und Frauen durchgeführt.

Grundsätzlich würde ich Ihre Frage jedoch noch weiter fassen wollen – es geht um Chancengleichheit – ganz allgemein! Hier kann ich ein tolles Beispiel aus unserem Supply Chain-Team nennen: wir haben bei unseren Führungskräften analysiert, wie „inclusive“ deren Führungsverhalten von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wahrgenommen wird. Die Ergebnisse haben neue Erkenntnisse gebracht und zu leidenschaftlichen Auseinandersetzungen darüber geführt, wie man in unseren Teams wichtige Themen wie Perspektivenreichtum, „psychologische Sicherheit“, Fairness und räumliche und zeitliche Arbeits-Flexibilität fördern kann. Dadurch ist bei unseren Führungskräften das Verständnis gestärkt worden, wie wichtig ein Klima der Chancengleichheit und Inclusiveness für innovative Ideen, für die Zufriedenheit in unseren Teams und somit in Summe für den Erfolg des Unternehmens ist.

Die Unternehmensgrundsätze haben einen großen Einfluss auf die Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern und zudem Auswirkungen auf das Verständnis und die Rolle in der Gesellschaft und Öffentlichkeit. Wie verwirklicht man diese große Aufgabe?

Ich mache keinen Unterschied, ob wir über Chancengleichheit innerhalb des Unternehmens oder im Austausch mit externen Partnern sprechen. Dass alle externen Partner unsere Compliance- und Unternehmensgrundsätze verpflichtend einhalten müssen, ist genauso wichtig, wie beispielsweise der klare Hinweis, dass wir im persönlichen Miteinander ein Verhalten, das gegen Fairness, Chancengleichheit und Inclusiveness verstößt, nicht richtig und nicht gut finden. Und wer im Jahr 2018 immer noch versucht, beispielsweise mit einem Altherrenwitz die Atmosphäre aufzulockern, den irritiere ich gerne mit einer völlig lockeren Abfuhr – egal wie wichtig der externe Geschäftspartner ist.

Herr Müller, Sie sind bei Unilever als HR Direktor SC DACH tätig und arbeiten in der Supply Chain. Was gehört zu Ihren zentralen Aufgaben in dieser Position?

Ein Großteil meiner Aufgabe umfasst die Entwicklung von Teams und ganzen Organisationseinheiten: Für die digitale Transformation unseres Unternehmens konzipiere ich beispielsweise ganz aktuell Weiterentwicklungsinitiativen und fördere damit, dass digital immigrants die gleichen Chancen haben wie digital natives.

Bei Verhandlungen von Regelungen, die ich mit der Arbeitnehmervertretung unseres Konzerns führe, geht es bei vielen Themen um faire und gleiche Rahmenbedingungen für unsere Belegschaft.

Zudem coache ich unsere Führungskräfte und Mitarbeiter und sorge dafür, dass jeder und jede das eigene Potential für die persönliche Weiterentwicklung nutzen kann.

Viele Aspekte meiner Aufgabe haben also direkt oder indirekt etwas mit Chancengleichheit und Fairness zu tun.

Ihr Supply-Chain Team verantwortet sämtliche Glieder der Versorgungskette – von der Beschaffung von Rohmaterialien bis zur Auslieferung der fertigen Produkte. Kreativität und innovative Strategien zur Optimierung täglicher Abläufe sind gefragt. Welche besondere Rolle spielen Frauen in dieser herausfordernden Position?

In unserem Supply Chain Team brauchen wir auf allen Positionen Menschen, die sich ihrer persönlichen Bestimmung bewusst sind und ihr Handeln danach ausrichten, um mit eigenen Ideen, Kreativität und Leidenschaft unsere Kunden täglich glücklich zu machen. Und es ist egal, ob man das als Werksdirektorin oder Werksdirektor, als Anlagenbedienerin oder Anlagenbediener, als Planer oder Planerin, als Logistik-, Qualitäts- oder Kundenservice-Expertin oder Experte erreicht. Für mich spielt es eine Rolle, welche Kompetenz und Ergebnisse jemand beitragen kann. Und auf dieser Basis ist es richtig und gut, Fairness und Gleichbehandlung zu leben.