„Wir haben in Deutschland als Hochtechnologieland Probleme genügend qualifizierte weibliche Fachkräfte zu finden“, erläutert die aus dem Iran stammende Forscherin. „Als ich in Berlin mein Ingenieurstudium der Elektrotechnik in Berlin begann, gab es eine Frau und vierhundert Männer“, erinnert sie sich und ist gleichzeitig erschrocken, wie niedrig – trotz deutlicher Verbesserung – der Frauenanteil in MINT Berufen noch heute ist.

„Die meisten jungen Leute wissen nicht, was ein Elektroingenieur macht, dabei muss keiner ein Mathematik- oder Physikgenie sein.“

„In vielen europäischen Ländern, aber auch in anderen wirtschaftlich aufstrebenden Staaten, beginnt der Technikunterricht – übrigens auch für Mädchen – viel früher, teilweise schon in der Vorschule“, fährt sie fort, „der Beruf der Ingenieurin hat ein gutes Image und bietet vielen jungen Frauen einen sozialen Aufstieg. Ich beobachte, das mag eine rein subjektive Betrachtung sein, einen hohen Anteil von Frauen mit Migrationshintergrund in den technischen Studiengängen.“

Es ist wichtig, dass die Industrie-Nachwuchskräfte am Standort Deutschland hier ausgebildet werden“, meint Nejila Parspour. Und noch wichtiger sei es, junge Menschen – ob Jungen oder Mädchen – an Technik heranzuführen.

So wichtig Frauenförderung in MINT-Berufen auch sei, von reinen Frauenteams hält Parspour rein gar nichts. Die besten Ergebnisse erziele man in gemischten Teams, erläutert die Professorin.

Elektrisch geladen

Wenn man in der Automotivebranche von „Benzin im Blut“ spricht, so müsste Nejila Parspour in ihrer Branche eher elektrisch aufgeladen sein. Schon als Kind zerlegte sie im Iran Elektrogeräte, „um zu sehen, wie sie funktionieren, nicht um sie zu zerstören“. Schnell avancierte sie zum Star der Nachbarschaft, denn Dank Ihres analytischen Talents gelang es ihr, Entsafter, Radiogeräte und Fernseher der Nachbarschaft zu reparieren.

Induktive Ladesysteme

Heute beschäftigt sich die Professorin mit der Entwicklung von Systemen, die sowohl stationär als auch in Bewegung Elektrofahrzeuge berührungslos laden. Die Vorteile der induktiven Ladesysteme sind Ladekomfort, da der Fahrer das Auto nicht mehr verlassen muss, Zeitgewinn, die Erhöhung der Reichweite und die geringen Infrastrukturkosten.

Sie können an jeder Ampel, an jedem Straßenabschnitt und auf Parkplätzen installiert werden. Dass dies alles keine Zukunftsmusik ist, zeigt die Tatsache, dass der erste Prototyp vor einem guten Jahr in Betrieb genommen wurde.

Und wie schafft die Mutter eines elfjährigen Sohnes, Familie, Institutsleitung und Forschung unter einen Hut zu bringen? „Alles eine Frage der Organisation“, erläutert die Professorin gesteht aber gleichzeitig ein: “Eltern müssen sicher sein, dass ihr Kind in guten Händen ist. Sonst kann niemand gut arbeiten.“