Bereits in den sechziger Jahren arbeiteten Programmiererinnen bei IBM. Die „Cosmopolitan“ druckte ebenfalls in den sechziger Jahren einen Artikel über eine Informatikerin. Was sich kurios anhört, liest sich auch so: „Programmieren ist wie Abendessen vorbereiten“, wird eine Wissenschaftlerin zitiert. „Man muss vorausplanen und alles so terminieren, dass es fertig ist, wenn man es braucht. Das geht nur mit Geduld und dem Blick für Details. Frauen sind Naturtalente im Programmieren.“

330.000 MINT-Akademiker fehlen

Mit ähnlich überzeugenden Argumenten versuchen seit Jahren diverse Kompetenzzentren, Politiker und Manager, Frauen für die sogenannten MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu begeistern. Dennoch werden rund 330.000 Akademiker im nächsten Jahr in den MINT-Berufen fehlen, rechnet das Bundesministerium vor und folgert daraus: „Angesichts dieses Fachkräftemangels können wir es uns nicht leisten, auf das Potenzial von Frauen zu verzichten.“

Dass gezielt Frauen für die Informatikjobs angesprochen wurden, hatte aber noch einen anderen Hintergrund: Programmieren war anfangs als Arbeit für Bürokräfte mit niedriger Position gedacht. Diese war damals oft von Frauen besetzt. Die Disziplin wurde erst nach und nach bewusst in ein wissenschaftliches, männliches Fach mit hohem Status transformiert.

Die vergessenen Programmiererinnen

Die Frau, die im „Cosmopolitan“-Artikel Programmieren mit dem Vorbereiten von Essen vergleicht, heißt Grace Hopper – und ist eine der Pionierinnen der Informatik. Sie arbeitete an der Harvard University mit dem ersten vollelektronischen Rechner der Welt, dem Mark I. Später benannte die US-Amerikanerin den Computer-Bug, erfand den Compiler, eine Software, die Programmierkommandos in Maschinensprachcode umwandelt, und entwickelte die erste Programmiersprache, die mit umgangssprachlichen Worten funktioniert.

Weibliche Vorbilder gesucht

Noch im Jahr 1987 waren in den USA 42 Prozent der Software-Entwickler weiblich. Ein Wert, von dem mittlerweile alle westlichen Industrieländer weit entfernt sind. Einer Umfrage des IT-Verbands BITKOM zufolge sind in deutschen Hightech-Unternehmen im Durchschnitt nur 13 Prozent der angestellten Fachkräfte Frauen. Die BITKOM und viele andere Branchenkenner setzen auf praktische Kurse für Mädchen  und Informatikkurse von Frauen für Frauen. Netzwerken mit anderen Frauen, das sei der Schlüssel zum Erfolg, davon sind Kenner überzeugt.