Wie hat sich die Situation von Ingenieurinnen in den vergangenen Jahrzehnten verändert?

Ältere Kolleginnen aus unserem Verband erzählen mir, dass sie sich vor 30 Jahren noch als Exoten fühlten. Sie mussten stärker kämpfen, um als Ingenieurin anerkannt zu werden. Man musste viel mehr Eigeninitiative zeigen bzw. mehr organisieren, um Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen.

Meine Generation hat den charmanten Vorteil, dass es Frauen anerkannt wird, auch mit Kind im Beruf zu bleiben und gleichzeitig ist die Kinderbetreuung leichter zu organisieren.

In den naturwissenschaftlichen Fächern lehrten in meiner Schule außerdem weibliche Pädagogen. Dies empfand ich als großes Glück und würde das Konzept weiterempfehlen.

Erleben Sie Ungleichheiten auch heute noch?

Es wird unter Absolventen/innen nicht mehr unterschieden zwischen Frau und Mann - man ist einfach Ingenieur/in. In meinem Studiengang waren wir zu ein Drittel Frauen. Davon haben viele ihr Studium konsequenter durchgezogen als manche Männer.

Wenn ich als Vertreterin unseres Ingenieurbüros Kunden unsere Abgasreinigungsverfahren vorstelle, sind allerdings heute noch einige überrascht, dass ich tatsächlich Ingenieurin und nicht Praktikantin bin.

Das klingt, als gebe es kaum noch Herausforderungen?

Generell gibt es eine Diskrepanz in den Gehältern, dass Frauen immernoch weniger Geld für Ihre Arbeit bekommen.

Ich erlebe außerdem das Problem, dass es Männern im beruflichen Umfeld an Akzeptanz fehlt, wenn sie sich bewusst für eine Elternzeit und ihre Vaterrolle entscheiden. Hierbei spielt auch das unterschiedliche Einkommen eine Rolle, da das Elterngeld aus diesem berechnet wird.

In unserem Betrieb habe ich die Chance, während der Elternzeit fünf Stunden in der Woche zu arbeiten. Dies ist leider noch nicht jeder möglich. Weiterhin heißt es, Karriere wird nach 17 Uhr gemacht. Dann findet man aber keinen Kindergartenplatz - und will es vielleicht auch nicht.

Engagieren sich Schulen ausreichend, um Gleichstellung zu fördern?

Ich hatte den Eindruck, dass Mädchen und Jungen frei und sehr bewusst nach ihren Interessen und Begabungen entschieden.

Welche Rolle spielt der oft zitierte Fachkräftemangel, von dem auch der MINT-Bereich betroffen ist?

Ich habe ein Problem mit dem Wort „Fachkräftemangel“, da eine Anzahl von 4 Bewerbern auf 1 Stelle als Mangel gilt (aktuelle Studie des Arbeitsamtes von 2015)- ein echter Mangel sieht anders aus! Wir beobachten im dib, dass Firmen oft zu hohe Ansprüche haben und erfahreneren Arbeitnehmerinnen keine Chance geben.

dib e.V. feiert 30 Jahre Jubiläum - was erwartet Besucher anlässlich der Tagung vom 4. bis 6. November 2016 in München?

Spannende Vorträge zum Thema „Wissen schafft Macht“. Interessante nationale und internationale Kontakte. Und wir werden mit gleichgesinnten Frauen netzwerken und viel Spaß haben.


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