Der „War of Talents“ ist inzwischen voll ausgebrochen. Immer mehr Unternehmen buhlen um Fach- und Führungskräfte. „Deutschlands stille Reserve ist noch nicht gehoben“, meint Joachim Sauer, Präsident des Bundesverbandes der Personalmanager.

Joachim Sauer spricht dabei über die Frauen. „Wir könnten viel mehr Frauen beschäftigen, wenn wir in Deutschland noch stärker die Vereinbarkeit von Beruf und Familie organisieren würden. Dann wäre die Diskussion um die Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte obsolet.“

Staat kann eigene Ansprüche derzeit nicht erfüllen

Der Staat kann – trotz vieler Bekenntnisse zum Thema Kinderbetreuung – vieles nicht leisten. So fehlen nach einem Bericht des Statistischen Bundesamtes immer noch etwa 220.000 Kinderbetreuungsplätze.

In nahezu allen Regionen Deutschlands suchen Eltern nach Betreuungsplätzen, auch um Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Schon vor fünf Jahren hatte die Bundesregierung angekündigt, 750.000 Kinderbetreuungsplätze zu schaffen.

Diese müssten bis zum 1. August diesen Jahres geschaffen werden, denn ab diesem Datum gilt ein Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr. Es ist jetzt schon abzusehen, dass dieses Ziel nicht erreicht werden wird.

Betriebe übernehmen Kinderbetreuung

Joachim Sauer warnt jedoch davor, den Schwarzen Peter nur der Politik zuzuschieben. Vielmehr müssen die Arbeits- und Lebensbedingungen für Familien so geschaffen werden, dass es Frauen ermöglicht werde, ohne ständige Sorgen um Kinderbetreuung arbeiten zu können.

„Das geht soweit, dass sowohl mittelständische als auch Großbetriebe nicht mehr umhin könnten, dort wo der Staat ausfällt, sich selbst um die entsprechende Rahmenbedingungen durch den Betrieb organisiert zu kümmern.“, so Sauer.

Zu diesen Angeboten gehören beispielsweise familienfreundliche Arbeitsbedingungen, betriebliche Kinderbetreuung, Wiedereinstiegsmöglichkeiten für Eltern und Teilzeitangebote auch für Führungspositionen.

Zahlreiche Unternehmen haben dies inzwischen erkannt. So stellen viele Großunternehmen Kinderbetreuungsplätze, teils in eigenen Kitas teils aber auch in Kooperation mit anderen Trägern den Kindern ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung.

Ministerium hat Förderprogramm aufgelegt

Und auch das Bundesfamilienministerium hat inzwischen geschaltet. Wohl auch den 1. August vor Augen unterstützt das Ministerium die betriebliche Kinderbetreuung mit Fördermitteln. Die „Betriebliche Kinderbetreuung“ ist Teil eines Zehn-Punkte-Programms des Bundesfamilienministeriums für ein bedarfsgerechtes Kinderbetreuungsangebot 2013. Damit sollen Unternehmen unterstützt werden, die ihren Beschäftigten eine betriebseigene Kindertagespflege bieten wollen.

Mit dem „Aktionsprogramm Kindertagespflege“ erhalten Unternehmen Zuschüsse, wenn sie eine Tagesmutter oder einen Tagesvater fest anstellt. Die Fördermittel werden als Anschubfinanzierung für bis zu zwei Jahre gewährt. Je neu geschaffenem Ganztagsbetreuungsplatz werden 400 Euro pro Monat als Zuschuss zu den laufenden Betriebskosten gezahlt. Insgesamt können die Unternehmen während des Förderzeitraums eine Unterstützung von 9.600 Euro pro Betreuungsplatz erhalten.