Warum sind stereotype Rollenbilder von Frauen im Beruf immer noch ein Thema?

Stereotype Rollenbilder sind sehr zählebig und ändern sich entsprechend nicht so schnell. Vor allem junge Menschen orientieren sich sehr stark daran, was ihnen von Eltern und Peergroup aber auch in der Schule und durch die Medien vorgelebt wird.

Dadurch werden Stereotype über die Berufswelt fortgeführt, die das Berufswahlspektrum von jungen Frauen und jungen Männern stark einschränken. Entsprechend schließen sie „untypische“ Berufe aus dem Spektrum ihrer Wunschberufe aus, auch wenn diese ihren Interessen und Talenten viel mehr entsprechen.

In den letzten Jahren hat sich viel getan, welche Erfolgsfaktoren befördern mehr Vielfalt im Berufsleben?

In vielen Unternehmen, vor allem auch aus dem männlich dominierten MINT-Bereich, hat bereits ein Umdenken stattgefunden: Vielfalt in all ihren Ausprägungen, und entsprechend auch ein größerer Anteil von Frauen im Betrieb, wird als Bereicherung angesehen – besonders im Hinblick auf innovativere Ideen, breitere Problemlösungsansätze und eine bessere Kundinnen- und Kundenorientierung.

Wenn der Wille da ist, Frauen auf der Karriereleiter aufsteigen zu lassen, werden auch mehr Frauen in Führungspositionen ankommen.   

Besteht hierzu ein breites Commitment im gesamten Unternehmen ist bereits viel erreicht. Ein Weg dorthin sind beispielsweise verpflichtende „Diversity Workshops“ für Führungskräfte. Auf der anderen Seite muss ich natürlich der Zielgruppe deutlich zeigen, dass sie in meinem Unternehmen erwünscht ist. Will ich gut ausgebildete weibliche Fachkräfte gewinnen, hilft eine gendergerechte Ansprache in Wort und Bild, verbunden mit der Vermittlung moderner Berufsbilder ungemein.

Auch die Rahmenbedingungen müssen so verändert werden, dass sie den Bedürfnissen der Zielgruppe Rechnung tragen. Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, flexible Arbeitszeiten aber auch Angebote wie Mentoring oder Karrierecoaching sind hier wichtig.

Frauen in Führungspositionen – haben sie es immer noch schwerer, als ihre männlichen Kollegen? Woran liegt das gegebenenfalls?

Ich sehe vor allem auf dem Weg nach oben noch viele gläserne Decken, die von den Frauen selber nur schwer überwunden werden können. Hier muss ein Umdenken im gesamten Unternehmen und vor allem in den Führungsetagen stattfinden.

Die innerbetriebliche Auseinandersetzung mit der Unternehmenskultur ist dabei von besonderer Bedeutung. Wenn der Wille da ist, Frauen auf der Karriereleiter aufsteigen zu lassen, werden auch mehr Frauen in Führungspositionen ankommen.   

Was muss passieren, um die oftmals noch sehr lebendigen Klischees über Führung zu überwinden?

Generell wird ein Umdenken stattfinden müssen, denn durch die fortschreitende Digitalisierung wird sich Führung als solche verändern. Eigenschaften wie Durchsetzungsstärke, Selbstsicherheit und Autorität und damit ein stark hierarchisierter Führungsstil werden in Zukunft nicht mehr in der Form gefragt sein.

Stattdessen werden Führungskräfte andere Rollen ausfüllen müssen. Teambuilding von wechselnden und teilweise virtuellen Projektteams sowie verschiedene Formen partizipativer Führung werden in diesem Zusammenhang an Bedeutung zunehmen.