Im Interview spricht sie über ihren außergewöhnlichen Werdegang und warum Frauen in technischen Berufenso gut wie Männer, und manchmal besser, sind. 

Erzählen Sie bitte kurz Ihren beruflichen Werdegang.

Ich habe Energie und Prozesstechnik in meiner Heimatstadt Kragujevac in Serbien studiert und bin 2005 in die Schweiz gezogen, um an  EPFL – Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne,  Institut für Werkstoffwissenschaften, zu in der Triboelektrochemie zu promovieren.

Mein Tipp: Mädels, zeigt was ihr könnt!

In dieser Zeit entwickelte ich eine große Faszination für die Elektrochemie. In der Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA), Dübendorf, Schweiz, kam ich später dann erstmals mit Membranen für die Elektrolyse in Berührung. Seit 2011 arbeite ich an der Ruhr Universität Bochum (RUB) an der Entwicklung hochentwickelter Materialien für Membranen in der Elektrolyse zur Wasserstoffproduktion.

Im Team von Dr. La Mantia forschte ich einige Jahre an Membranen. 2013 erkannte ich, dass unsere Ergebnisse weitaus besser waren, als alle am Markt vorhandenen Lösungen. Wir beantragten ein Patent und mir wurde die Gründung eines Start-ups nahegelegt.

Haben Sie das umgesetzt?

Anfangs nicht. Ich wollte zuerst Prototypen und Feldversuche unternehmen, bevor ich das Abenteuer einer Firmengründung einging.  zu diesem Zeitpunkt, ich fühlte mich mehr als Forscherin, weniger als Gründerin.

Mittlerweile haben Sie das Start-up Unternehmen gegründet.

Ja, denn als sich die Prototypen in realen Feldversuchen in der Industrie noch besser schlugen als im Labor, war der richtige Zeitpunkt zum Gründen gekommen. Zusammen mit Prof. Dr. Fabio La Mantia habe ich das Unternehmen MEMBRASENZ, als Spin-off des Zentrums für Elektrochemie an dem RUB, gegründet.

Wir wollen die von uns entwickelte Membran auf den Markt bringen und weiter im Bereich der Energieumwandlung und -speicherung forschen. Ich persönlich finde es spannend und wichtig, an der Entwicklung von neuen und innovativen Produkten mitzuarbeiten, die uns helfen die Umwelt zu schonen und gleichzeitig die weltweit benötigte Energie bereitstellen.

Ein beeindruckender Werdegang. War Ihnen schon in der Schule klar, welchen beruflichen Weg Sie einschlagen wollen?

Eigentlich wollte ich Architektin werden, doch aufgrund der damals herrschenden Umstände in Serbien und Jugoslawien konnte ich meine Heimatstadt Kragujevac für das Studium nicht verlassen und entschied mich deshalb für das Studium Energie und Prozesstechnik, das in meiner Heimatstadt an dem Fakultät für Maschinenbau, Universität Kragujevac angeboten wurde.

Schon während des Studiums faszinierten mich erneuerbare Energie- und Stoffumwandlungsprozesse. Bereits zu diesem Zeitpunkt habe ich den Entschluss gefasst, in diesem Bereich weiter zu forschen und mein Wissen für die Verbesserung der Energieversorgung einzusetzen.

Haben Sie in Ihrer beruflichen Laufbahn immer Zustimmung erhalten oder wurde Ihnen auch schon mal Steine in den Weg gelegt?

Ich hatte Glück und wurde erst in der Schweiz und dann auch in Deutschland immer sehr herzlich willkommen geheißen und man war sehr rücksichtsvoll, weil ich anfangs natürlich Probleme mit der Sprache hatte.

Und in Ihrer Studienzeit?

Hier ist mir schnell bewusst geworden, dass Frauen immer die besten Leistungen hatten. Obwohl wir stark in der Minderheit waren – an der ganzen Fakultät für Maschinenbau gab es nur 20% Frauen – haben wir mit Abstand am Besten abgeliefert.

Ich finde es schade, das sich Frauen in ihrer Karrierlaufbahn häufig von Männern überholen lassen – obwohl sie doch im Studium besser sind.

Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Frauen sind nicht so demonstrativ, wie die Männer.  Frauen sollten mehr an sich Trauen.

Hat sich Ihrer Meinung nach in den letzten Jahren das Bild von Frauen in der Technik geändert?

Es ist besser geworden und zum Glück sind Frauen in der Technik auch keine Ausnahme mehr, dennoch muss an den Universitäten aktiv mehr getan werden, um Frauen in MINT-Fächern mehr zu integrieren.