„Es mag sein, dass es in der Ausbildung und im Studium zu wenig weibliche Vorbilder gibt und dass das für Frauen abschreckend wirkt“, resümiert Sandra Rocholl, Leiterin des Qualitätsmanagements bei Diehl Aerospace in Nürnberg. Die Ingenieurin weiß, wovon sie spricht, ist sie doch in den zwölf Jahren, die sie im Unternehmen tätig ist, erfolgreich die Karriereleiter hinaufgestiegen.

Heute ist die 43-Jährige Chefin von rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wobei „mein Arbeitsbereich in dieser Größenordnung nicht mehr nur das rein Ingenieurtechnische umfasst, sondern auch viele Managementaufgaben.“ Dennoch ist Sandra Rocholl nicht abgehoben, sondern bodenständig geblieben.

Start als Ingenieurassistentin

Zunächst absolvierte sie eine Ausbildung zur diplomierten Ingenieurassistentin, später studierte sie in Erlangen Produktionstechnik und Qualitätsmanagement. Nachdem sie sich mit Walzwerktechnik unter anderem in Japan beschäftigte, stieß sie bei einer Berufsfachmesse auf Diehl und entschied sich für einen Wechsel.

Hier wurde ihr – sie war noch Trainee – sehr schnell Verantwortung übertragen. Im Rahmen der Werksverlagerung des Unternehmens nach Nürnberg-Eibach erhielt sie anspruchsvolle Aufgaben. „Ich mag die Dynamik, das Projekt mit seinem Gestaltungsspielraum war genau die richtige Einstiegschance als junge Ingenieurin.“

Heute glaubt die passionierte Inlineskaterin, dass sie damals einfach zur rechten Zeit am rechten Ort gewesen sei, wenn sie auf den Beginn ihrer Karriere zurückblickt. Die enge Projektkooperation mit technischer Leitung und Geschäftsführung sorgte dafür, dass ihr Engagement positiv auffiel.

Die Ingenieurin wurde mit weiteren Sonderprojekten betraut, bekam die Verantwortung für Produktionsplanung und Endmontage übertragen. Wenn man sie fragt, wie es denn als Frau im Unternehmen war, dann antwortet sie heute, dass das Thema Frau und Ingenieurin für sie damals kein Thema war.

Luftfahrttechnik ist Faszination

„Die Luftfahrttechnologie strahlt für viele Menschen eine gewisse Faszination aus“, meint Sandra Rocholl, „deshalb können wir hier uns über die Vielzahl und die Qualifikation von Bewerbern nicht beklagen.“ Zudem sind für Frauen Arbeitgeber wichtig, bei denen sich Familie und Beruf, Kind und Karriere unter einen Hut bringen lassen.  

Familienorientierung

Mit verschiedenen Programmen, speziell auch auf weibliche Mitarbeiterinnen abgestellt, kommt man ihren Wünschen und Vorstellungen entgegen. So gehören beispielsweise die Kooperationen mit Kindergärten, aber auch unterschiedliche Arbeitszeitmodelle, Mentoringprogramme und Netzwerke innerhalb des Konzerns dazu.

„Bei uns gibt es viele Möglichkeiten, Chancen wahrzunehmen und neue Ziele anzusteuern. Berufliche Entwicklung und Gestaltungsspielräume gehören für uns zusammen.“ Beim Thema Elternzeit beobachtet Sandra Rocholl, dass es nicht nur die Kolleginnen seien, sondern zunehmend auch Kollegen, die sich diese Zeit für die Familie nehmen.